Nati-Analyse: Wie kann man nur gegen Kasachstan verlieren?
Aktualisiert

Nati-AnalyseWie kann man nur gegen Kasachstan verlieren?

Letztes Jahr gegen Österreich, nun gegen Kasachstan: Die Nati verliert an der WM immer gegen die Aufsteiger. Warum bloss?

von
M. Allemann
Moskau
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Dienstag, 17. Mai 2016Die WM ist für die Schweizer vorbei, sie müssen nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Nationalmannschaft verliert das entscheidende Spiel gegen Tschechien 4:5.

Dienstag, 17. Mai 2016Die WM ist für die Schweizer vorbei, sie müssen nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Nationalmannschaft verliert das entscheidende Spiel gegen Tschechien 4:5.

epa/Sergei Ilnitsky
Zwar geht die Schweiz im ersten Drittel durch Denis Hollenstein 1:0 in Führung, ...

Zwar geht die Schweiz im ersten Drittel durch Denis Hollenstein 1:0 in Führung, ...

AFP/Yuri Kadobnov
... in der Folge sind die Tschechen aber klar die bessere Mannschaft und drehen die Partie in souveräner Manier.

... in der Folge sind die Tschechen aber klar die bessere Mannschaft und drehen die Partie in souveräner Manier.

AFP/Yuri Kadobnov

Kasachstan ist eine Liftmannschaft, die zwischen der A- und der B-Gruppe pendelt. Bei ihren letzten drei Gastspielen in der Oberklasse 2010, 2012 und 2014 konnte die Equipe kein einziges Spiel gewinnen. Ausgerechnet gegen die Schweizer Nati ging die Negativserie mit einem 3:2-Sieg nach Penaltyschiessen zu Ende.

Wer sich diese Fakten vor Augen hält und das Spiel nicht gesehen hat, muss von einem grottenschlechten Auftritt der Schweizer ausgehen. Doch dem war trotz der historischen Pleite nicht so.

«Hockeygötter waren nicht auf unserer Seite»

Die Nati spielte in Moskau besser, kompakter und zielstrebiger als etwa bei der 3:4-Niederlage nach Penaltyschiessen vor Jahresfrist beim WM-Start in Prag gegen Österreich. Es war ein Spiel auf ein Tor mit einem Schussverhältnis von 51:26. Die Schweiz hätte demnach eigentlich 4:2 oder 6:3 gewinnen müssen.

Stattdessen lief fast alles gegen sie und das Spiel ging verloren. «Die Hockeygötter waren heute nicht auf unserer Seite», fasste es Patrick Fischer nach seiner WM-Feuertaufe als Headcoach zusammen. Und Goalie Reto Berra, der grosse Unglücksrabe, befand: «Solche Tage kann es geben, das sieht man im Eishockey immer wieder. Leider hat dies nun zu einem klassischen Fehlstart geführt, jetzt müssen wir die verlorenen Punkte woanders holen.»

Pech auf mehreren Ebenen

Dass Berra aus fast 40 Metern einen kasachischen Befreiungsschlag zum 1:1 passieren liess, «passt ins Bild», erklärte Fischer. Denn es war nicht die einzige unglückliche Szene. Es gibt nicht viele Schiris, die Sven Andrighettos vermeintliches Führungstor wegen Torraum-Offsides aberkennen, das russisch-kanadische Duo Roman Gofman/Brett Iverson indes tat es.

Dazu kamen drei Pfosten-/Lattenschüsse und Lino Martschinis Pech beim finalen Penalty, als ihm im dümmsten Moment die Scheibe versprang. «Dass ich den Puck nicht im Griff habe, ist Unvermögen von mir. Für mich ist das natürlich eine Katastrophe», zeigte sich der Zuger sowohl selbstkritisch wie auch untröstlich. Man kann den Schweizern zwar (einmal mehr) mangelnde Effizienz vorwerfen, sonst aber nicht viel. Und Fischer kam zur Erkenntnis: «Wir müssen den Rebound-Sektor besser besetzen. Sonst haben wir vieles richtig gemacht und mutig nach vorne gespielt.»

Sieg gegen Norwegen ist Pflicht

Am Sonntag gegen Norwegen bietet sich den Schweizern die Chance, den Fehlstart zu korrigieren. Doch in diesem Spiel lauern nun auch Gefahren. Eine weitere Niederlage liegt nicht mehr drin, will man das Ziel Viertelfinals nicht vorzeitig aus den Augen verlieren und auch verhindern, dass nicht plötzlich Abstiegssorgen zum Thema werden. Die Schweizer haben bereits das Messer am Hals.

«Die Niederlage gegen Kasachstan wird uns nicht aus der Bahn werfen, diese Mannschaft ist gefestigt und mental stark. Das Wichtigste ist, dass wir ruhig bleiben», so Trainer Fischer. Auch unter den Spielern befürchtet keiner, dass nun Panik aufkommen könnte. «Wir dürfen jetzt rasch enttäuscht sein, aber danach geht es weiter. Wir haben einen guten Charakter im Team und werden die Lehren aus diesem ersten Spiel ziehen», erklärte Stürmer Martschini. Und Goalie Berra sagte: «Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass wir nun auseinanderfallen könnten.»

Als Vorgabe kann die Mannschaft die letztjährige WM in Tschechien nehmen. Damals wurde der Einzug in die Viertelfinals trotz der Startpleite gegen Österreich doch noch geschafft. Kommt es nun zu einer doppelten Duplizität der Ereignisse, dann wird die Niederlage gegen Kasachstan als Schönheitsfehler in Erinnerung bleiben. Nicht mehr und nicht weniger.

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