Neue BAG-Vorgaben: Wie kann man sich trotz Fäustchen-Verbot noch begrüssen?

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Neue BAG-VorgabenWie kann man sich trotz Fäustchen-Verbot noch begrüssen?

Nach dem Händedruck ist jetzt auch die Ghettofaust laut BAG tabu. Im Interview sagt Stilexperte Jeroen van Rooijen, wie man sich alternativ begrüssen kann – und trotzdem Nähe schafft.

von
Joel Probst
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«Hand ist Hand», erklärt Adrian Kammer, Leiter Kampagnen beim BAG, auf Anfrage. «Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den klassischen Händedruck, ein High Five oder eben um die Faust handelt.»

«Hand ist Hand», erklärt Adrian Kammer, Leiter Kampagnen beim BAG, auf Anfrage. «Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um den klassischen Händedruck, ein High Five oder eben um die Faust handelt.»

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Stilexperte Jeroen van Rooijen gibt im Interview Tipps, wie man sich trotz Ghettofaust-Verbot begrüssen kann.

Stilexperte Jeroen van Rooijen gibt im Interview Tipps, wie man sich trotz Ghettofaust-Verbot begrüssen kann.

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So ist es laut BAG richtig: Viola Amherd und Ignazio Cassis begrüssen sich aus der Distanz mit einem Lächeln.

So ist es laut BAG richtig: Viola Amherd und Ignazio Cassis begrüssen sich aus der Distanz mit einem Lächeln.

keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Nicht nur Händedruck, sondern auch die Ghettofaust sind laut BAG zur Begrüssung tabu.
  • Stilexperte Jeroen van Rooijen schlägt die Begrüssung per Klingonen-Gruss oder wie bei ET mit dem Zeigefinger vor.
  • Zudem gibt er Tipps, wie man vor einer Umarmung entkommt.

Herr van Rooijen, in der neuen Kampagne rät das BAG von der Begrüssung mittels Hand, Faust und Umarmung ab. Welche Alternativen sehen Sie als Verhaltensexperte?
Die Alternativen ohne Körperkontakt sind sehr begrenzt. Eine Möglichkeit wäre etwa der Vulkanier-Gruss aus der Serie «Star Trek»: Mr. Spock hält dazu die Hand in die Höhe und bildet mit seinen gespreizten Finger ein «V». Oder wie bei ET den Zeigefinger hochzuhalten. Das Begrüssen mit Verbeugung finde ich wenig elegant. Mit dem Füdli zusammenstossen ist ebenfalls etwas umständlich. Das Anprosten mit dem Schuh hat sich nicht durchgesetzt – wenn man das Gegenüber tritt, stösst man nicht auf Gegenliebe. Sonst bleibt nur noch das gegenseitige Zuwinken übrig, wie es die Queen macht. Es ist trist.

Kann man der Bevölkerung das mittlerweile sehr beliebte Fäustchen wieder abgewöhnen?
Es war eine Sensation, wie schnell das Händeschütteln wegzubringen war. Da war das BAG sehr erfolgreich. Ich habe aber das Gefühl, dass es für viele Menschen beim Fäustchen mit der Akzeptanz aufhört. Auch ich fand die Corona-Faust noch vernünftig, sie bot minimale Berührung auf grosse Distanz. Vielleicht wäre das Handschuhtragen beim Fäustchen eine Lösung.

Wie reagiere ich anständig, wenn mir jemand die Faust hinstreckt oder zur Umarmung ansetzt?
Wenn ich Körperkontakt vermeiden will, stecke ich einfach die Hände in den Hosensack. Dann erhebe ich meine Hand neben das Gesicht und mache eine kleine Winkbewegung. Im Stil von: «Ich sehe dich, möchte dich aber nicht berühren.»

Was tun, wenn beide unsicher sind, wie man sich begrüssen soll?
Ich habe mir angewöhnt, auf eine gewisse Distanz mit den Armen hinter dem Rücken stehen zu bleiben und Hallo zu sagen. Dann kann man das Dilemma ganz direkt ansprechen und fragen: «Wie begrüssen wir uns?» Wenn die andere Person eine Umarmung will, muss man dann selber eine Risikoabwägung machen. In diesen Zeiten sind Worte das beste Mittel, um Verwirrung und Unsicherheit zu minimieren.

Vor Corona umarmte oder küsste man Familie und enge Freunde. Wie kann man trotzdem Nähe schaffen?
Die Begrüssungen im Privaten mit Freunden und in der Familie sind vielleicht sogar Treiber der Epidemie. Da sollte man das Umarmen vielleicht wirklich lassen und vorsichtig sein. Dafür hat man im privaten Rahmen den Vorteil, dass man sich unmaskiert begegnen kann. Das könnte ein Comeback des charmanten Lächelns bedeuten. Man kann Mimik und Worte sprechen statt Hände und Arme arbeiten lassen. Dafür darf man grosszügiger sein mit Komplimenten. Mit einem Überschwang an Liebenswürdigkeit verbaler Art lässt sich der Mangel an Berührung etwas kompensieren.

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