Schweiz Tourismus: «Logiernächte sind auf dem Niveau wie vor 70 Jahren»

Schweiz Tourismus«Logiernächte sind auf dem Niveau wie vor 70 Jahren»

Schweiz Tourismus informierte am Freitag, wie es gelingen soll, Touristen trotz der aktuellen Krise für die Schweiz zu begeistern.

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Freitag, 19.02.2021

In Kürze

  • Die Logiernächte sind 2020 um 40 Prozent eingebrochen.

  • Der Auslandtourismus fiel spärlich aus.

  • Die Hotellerie meldet Umsatzeinbussen von mindestens 3,4 Milliarden Franken.

  • Schweizer gingen im Sommer hingegen mehr und länger in die Ferien.

  • Der Schweizer Tourismus will sich mit einem Nachhaltigkeitsprogramm neu positionieren.

Schluss

Damit ist die Medienkonferenz zu Ende. Vielen Dank fürs Zuschauen und Mitlesen.

Quarantäne

Die Rahmenbedingungen müssen laut Nydegger stimmen, denn die Schweiz sei vom Auslandtourismus abhängig. Hier müsse der Bundesrat vor allem das Quarantäneregime entkräften. «Es stellt sich auch die Frage, ob die Aussenterrassen der Hotels und Restaurants nicht schon am ersten März geöffnet werden sollten. Die Gäste wollen ihre Wurst nicht im Schnee essen, sondern am Tisch.»

Hoffnung

Zum Schluss bezeichnet Nydegger das Nachhaltigkeitsprojekt als «Hoffnung im Tal der Tränen». Die Schweiz soll eines der nachhaltigsten Reiseländer der Welt werden.

Monitoring

Auch der Schweizer Tourismusverband unterstützt das neue Nachhaltigkeitslabel. Präsident Nicolo Paganini sagt: «Die Zeichen der Zeit sind unmissverständlich.» Die Schweiz biete sehr gute Voraussetzungen. Der Verband will ein Monitoring aufbauen, damit der Fortschritt bei den Nachhaltigkeitszielen der Branche gemessen werden kann.

Jugendherbergen

Die Schweizer Jugendherbergen haben schon viel Erfahrung mit Nachhaltigkeitsthemen gemacht. «Die Anstrengungen machen sich auch wirtschaftlich bezahlt», versichert CEO Janine Bunte. Der Preis sei bei Jugendherbergen oft weniger wichtig als der ökologische Fussabdruck. Gerade junge Menschen erwarten «von der Destination bis zum Bier» einen Nachweis für Nachhaltigkeit, so Bunte.

Chance

Züllig vom Hotellerie-Verband sagt über die Nachhaltigkeit: «Genau das ist im Moment sehr gefragt.» Wichtig sei, dass man in der Schweiz gemeinsam an diesem Thema arbeite. Nachhaltigkeit sei eine «Riesen-Chance» für die Schweiz.

Nachhaltigkeit

In der Pandemie habe sich gezeigt, dass Nachhaltigkeit im Tourismus zu einer festen Grösse geworden ist. «Die SBB fährt mit Wasserstrom, Sie können mitten in unserer Hauptstadt in Flüsse oder Seen springen.» Dieses Gleichgewicht von Bevölkerung und Umwelt werde im Tourismusmarketing noch kaum genutzt, so Nydegger. Nun lanciert die Branche ein neues Nachhaltigkeitslabel für Tourismus-Betriebe. Ab Mai gehts los. Das Label zeigt den Gästen an, ob ein Betrieb Zertifizierungen hat. Das Label selbst sei kein eigenes Zertifikat, erklärt Nydegger: «Davon gibt es schon genügend.» Stattdessen handle es sich um einen Aggregator für bestehende Zertifizierungen und Nachhaltigkeits-Nachweise.

Rückkehr der Gäste

Vorausgesetzt, dass die Epidemie sich günstig entwickelt, kanns schon bald wieder losgehen: «Ab Frühling und Frühsommer erwarten wir die ersten Gäste aus den Nahmärkten.» Die Besucherströme werden aber «überschaubar» sein. Die Zahlen von 2019 werde man vor dem nächsten oder übernächsten Jahr nicht erreichen ­ vor allem nicht bei den Gästen aus Übersee.

Barrieren

«Wenn die physischen Barrieren fallen, wollen wir sicherstellen, dass schnell wieder gereist werden kann.» Dazu sei Schweiz Tourismus etwa im engen Kontakt mit Tour Operators, Reiseveranstaltern und Influencern.

Reisen nach der Krise

Bleiben die Schweizer nur in der Schweiz, weil sie müssen? «Ich glaube nicht. Ich glaube die Schweizer sind hier geblieben, weil sie das Land lieben», sagt Nydegger. Er ist überzeugt, dass viele Schweizer nun merken, dass sie gar nicht unbedingt ins Ausland in die Ferien müssen. Er hofft, dass darum auch nach der Krise viele Schweizer mehr Ferien in der Schweiz machen. Davor, dass die Leute bald wieder ins Ausland reisen werden, fürchte er sich nicht.

Planung

Züllig von Hotelleriesuisse: «Die grosse Herausforderung ist die Kurzfristigkeit: Die Situation kann sich innert zwei Wochen je nach Bundesratsentscheid wieder ändern. Die Buchungen kommen sehr kurzfristig, auch bei Familien. Das ist für die Planbarkeit sehr schwierig, sowohl für die Gäste als auch die Betriebe.»

Wintersport

Nun gehts weiter zur aktuellen Situation: «Die Schnee- und Wetterbedingungen sind herrlich, die Rahmenbedingungen hingegen nicht», so Nydegger. Die Zwischenbilanz zum Winter ist schon jetzt enttäuschend. Die Bilanz für den Winter werde tiefrot sein, gerade auch in den Bergregionen. Die Bergbahnen melden für den Januar 38 Prozent weniger Umsatz.

Dauer

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Hotel betrug 2020 schweizweit 2,2 Nächte. Vor einem Jahr lag sie noch unter zwei Nächten pro Aufenthalt. Man müsse bedenken, dass diese Zahl auch alle Geschäftsreisen beinhalte, so Nydegger. Darum sei der Anstieg auf über 2 Nächte durchaus bemerkenswert.

Einreise

Was hält Schweiz Tourismus vom Impfpass? «Alles, was dazu führt, dass die physischen Barrieren runtergehen, befürworten wir. All jene, die einen Gesundheitsnachweis erbringen, sei es ein Impfpass oder ein Testergebnis, sollte man nicht zwingen, in Quarantäne zu gehen», sagt Nydegger.

Maske

Nun spricht wieder Nydegger. Er zieht jeweils zwischendurch vorbildlich eine Maske an ­ wohl um zu signalisieren, dass die Schweizer Tourismusbranche die Sicherheitsmassnahmen ernst nimmt.

Schwarzes Jahr

«Ein schwarzes Jahr für unsere Branche», bilanziert auch Andreas Züllig von Hotelleriesuisse. Man habe aber gezeigt, dass das Schutzkonzept funktioniert. Damit habe man grosses Gästevertrauen aufgebaut. Züllig freut sich, dass viele Schweizer im vergangenen Jahr das Land besser kennenlernten. «Trotzdem gab es dramatische Schicksale in der Hotellerie. Es wurde hervorragend aufgestellten Betrieben buchstäblich die Luft abgeschnitten.» Züllig geht von einem Umsatzverlust von 3,4 Milliarden Franken aus.

Sauberkeit

2020 wurde das Thema Sauberkeit wichtiger als sonst. «Sicherheit und Sauberkeit sind in normalen Zeiten als Image recht langweilig und unsexy. Aber 2020 konnte die Schweiz damit punkten.» Dazu wurde das Label Clean & Safe lanciert, womit 4000 Schweizer Betriebe zertifiziert sind.

Städtereisen

Ganz schlecht lief es hingegen im Stadttourismus. Dort brach der Logement-Umsatz um 60 Prozent ein. Insbesondere die Regionen Genf (-67,5 Prozent), Zürich (-65,4 Prozent) und Basel (-58,8 Prozent) verzeichnen markante Einbussen bei den Logiernächten. Am besten kommen die Regionen Graubünden (-9,2 Prozent) und der Tessin (-16,3 Prozent) davon.

Beliebte Bergferien

In der Schweiz gab es 2020 viel Röstigraben-Tourismus: «Ganz viele Romands haben letztes Jahr die Ostschweiz für sich entdeckt und umgekehrt. Und: Wer 2020 Ferien in den Bergen machte, machte das richtig!» Die Gäste blieben rund 10 Prozent länger in den Bergen als früher.

165 Kommentare
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Nurmal Soh

20.02.2021, 10:06

so was wie unendliches Wachstum gibt es schliesslich nicht und es wird immer wieder auch magere Jahre geben müssen, die einem neuen Aufschwung voran gehen. So gesehen können die hochbezahlten CEOs einfach abwarten und Tee trinken bis die fetten Wachstumsjahre nach den krassen Einbrüchen kommen. Dann kann man sich an GVs und in Publikationen wieder schön selbst loben und auf die Schulter klopfen, wie super man die Bude herumgekriegt hat und alleinig die eigene Strategie + das eigene Zutun am erneuten Wachstum schuld sind.

welda

20.02.2021, 08:52

Es muss nicht immer mehr sein so ist es gut!!!!!

lizphi

19.02.2021, 13:15

Ich lebe seit rund 40 Jahren im Tessin. Es gibt Zeiten wie Ostern oder Juli/August jeweils und das ganze 2020 wo es für uns Einheimische sehr schwer auszuhalten ist wie wir von Touristen überrannt werden. Und sehr viele lassen am Gotthard jegliche Erziehung und Anstand zurück.....