Wechsel bei «Basler Zeitung»: Wie kann sich Moritz Suter die «BaZ» leisten?
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Wechsel bei «Basler Zeitung»Wie kann sich Moritz Suter die «BaZ» leisten?

Über 50 Millionen soll Moritz Suter für die «BaZ» bezahlt haben. Ob das zutrifft und wie er den Kauf finanziert, lässt er offen.

von
Lukas Hässig

Den überraschenden Kauf der «Basler Zeitung» (BaZ) mit all ihren Beteiligungen begründet Moritz Suter, 67, bekannter Flugunternehmer und waschechter Basler, mit übergeordneten Interessen. «Das Ende der Baz als eigenständige Zeitung wäre ein Verlust für die Öffentlichkeit», sagt Suter am Tag nach Bekanntgabe des Deals in einem Gespräch mit 20 Minuten Online.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Suter, der einst die Crossair zu einer grossen Regionalairline gemacht hatte, vom Tessiner Investor Tito Tettamanti und dem Basler Anwalt Martin Wagner 100 Prozent der Aktien des Medienunternehmens erworben hat.

Explizit lässt Suter einen späteren Verkauf an einen grossen Medienverbund offen. Dass dies ein Widerspruch zur Aussage sei, sein Engagement hänge mit dem Wunsch nach Eigenständigkeit der BaZ zusammen, bestreitet Suter nicht. Doch er sehe «Chancen für einen Alleingang, weil die BaZ in Basel faktisch ein Monopol» besitze. Das erleichtere den Erfolg, während in der Medienstadt Zürich harter Wettbewerb herrsche.

Wortkarger Suter zu Fragen rund ums Geld

Die grosse Frage der Finanzierung des Deals lässt Suter offen. Man habe Stillschweigen vereinbart, sagt er lediglich, damit sei dieses Thema für ihn «erledigt». Einen Hinweis auf die Kaufsumme liefert hingegen Tettamanti. Er habe die Aktien ungefähr zum Einstandspreis verkauft, sagte der Financier am Donnerstag gegenüber Radio DRS.

Geht man von früheren Schätzungen aus, die herumgeboten wurden, als Tettamanti die Baz-Gruppe Anfang Jahr von der damaligen Eigentümer-Familie Hagemann erworben hatte, müsste Suter 50 Millionen Franken oder mehr bezahlt haben.

Wie soll der Basler diese Summe aufbringen, wenn er doch vor kurzem im Zuge eines Gerichtsfalls sein Vermögen auf 8,5 Millionen bezifferte? Dass ihm die Banken unter die Arme greifen, ist unwahrscheinlich. Die Baz steht bei den Geldhäusern bereits mit rund 100 Millionen Franken in der Kreide, da dürften diese wenig Lust auf noch mehr Risiko verspüren.

Suters Frau stammt aus wohlhabender Familie

Drei Varianten drängen sich auf. Erstens könnte Suter mehr Vermögen haben, dieses aber nicht privat halten, sondern in einer Aktiengesellschaft. Als Hort käme die «Moritz Suter AG» in Frage. Diese hat ihr Domizil in der Anwaltskanzlei von Suters Sohn Felix. Der Jurist und seine Frau sitzen im Verwaltungsrat, als Präsident amtiert Moritz Suter.

Als zweite Möglichkeit drängt sich Hilfe von Suters Ehefrau auf, die aus wohlhabender Familie stammt. Schon einmal soll diese ihrem Mann geholfen haben, heisst es aus Kreisen ehemaliger Swissair-Manager. Als Suter Mitte der 1970er-Jahre als Swissair-Pilot seine Crossair aufzubauen begann, sei das nötige Startkapital möglicherweise von Brigitte Suter gekommen.

Das sei «Privatsache», meint Suter, und lässt sich auf keine weiteren Fragen dazu ein. In den 1990er-Jahren sass seine Frau im VR einer Cargo-Tochtergesellschaft der Crossair, der Cargo and Passenger Air Services Ltd.

Suter machte mit seinen Crossair-Aktien Kasse, als die Swissair die Mehrheit an der Regionalairline übernahm. Teil des Deals vor rund 20 Jahren waren sogenannte «Wetleases». Die Swissair bezahlte der Crossair eine fixe Miete für eine grosse Anzahl Flugzeuge, welche letztere operativ betrieb. Für Suter und seine Crossair bedeuteten die «Wetleases» eine sichere Rendite in einem volatilen Geschäft, da sich der Preis nach Selbstkosten plus Marge richtete.

Gab Tettamanti Suter einen Kredit?

Als dritte Möglichkeit schliesslich, wie Suter die Baz-Übernahme finanziert haben könnte, ist eine Abmachung mit Verkäufer Tettamanti denkbar. Die beiden würden sich aus Crossair-Zeiten kennen, sagt Suter im Gespräch. Beim einstigen Aufbau der Crossair-Basis am Flughafen Lugano Agno habe Tettamanti als bekannte Tessiner Persönlichkeit die Airline unterstützt.

Nun könnten die beiden Seiten übereingekommen sein, dass Suter nur einen kleinen Teil der Verkaufssumme sofort zu bezahlen hätte. Der Rest würde in diesem Szenario erst fällig, wenn Suter die Baz in die Gewinnzone bringt respektive mit einem Aufpreis weiterverkauft.

Geht man von konservativen 50 Millionen Kaufpreis aus, könnte eine solche Rechnung wie folgt aussehen. Suter bezahlt Tettamanti einen kleinen Teil in Cash, sagen wir 10 Millionen. Die restlichen 40 Millionen würde er dem Tessiner Financier schuldig bleiben. Er müsste aber nicht in jedem Fall für das Geld geradestehen, sondern die Rückzahlung würde von der Wertentwicklung der BaZ abhängig gemacht. Je nachdem würde sich Tettamanti schadlos halten oder müsste sich das vorerst gestundete Geld ganz oder teilweise ans Bein streichen.

Eine solche Struktur würde zu Tettamanti passen. Nüchtern hätte er dann die nach Bekanntwerden des Blocher-Beratermandats verkorkste Lage analysiert und wäre zum Schluss gekommen, dass sein Investment sicherer wäre, wenn es formell von Suter übernommen würde. Rein ökonomisch betrachtet wäre aber Tettamanti in solch einem Konstrukt immer noch der grösste BaZ-Investor.

Steckt ein solcher oder ähnlicher Deal hinter dem überraschenden Besitzerwechsel, würde dies erklären, warum Suter zu allen Fragen rund um die Finanzierung hartnäckig schweigt.

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