Aktualisiert 12.06.2011 18:31

Marketing mit GoogleWie Kleinfirmen das grosse Geld verdienen sollen

Der US-Konzern Google entdeckt das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz. Die Konkurrenz gibt sich (noch) demonstrativ gelassen.

von
Hans Peter Arnold
Google verdient sein Geld mit Textanzeigen (Ad-Words) und dringt in neue Bereiche vor.

Google verdient sein Geld mit Textanzeigen (Ad-Words) und dringt in neue Bereiche vor.

«Wer die Werbeinstrumente von Google nicht einsetzt, hat wahrscheinlich in den nächsten Jahren einen Wettbewerbsnachteil.» Davon ist der Jungunternehmer Dominic Blaesi von Flaschenpost Weinservice überzeugt. Der nach eigenen Angaben grösste Schweizer Online-Weinhändler nützt den Service von Google - die meistbesuchte Website der Welt. Cleverness ist gefragt. Konkret heisst das: Blaesi definierte bisher rund 5000 Suchbegriffe und Begriffskombinationen, die einen gewissen Bezug zu seinem Angebot haben.

Und so funktionierts: Googelt der Schweizer zum Beispiel nach «online Weinhandlung», dann sollte im Anzeigen-Bereich der Ergebnisliste in regelmässigen Abständen der Link zu Flaschenpost.ch auftauchen. Erst, wenn der Nutzer tatsächlich auf den Link drückt, muss Blaesi für diesen Klick auf Basis eines Auktionsverfahrens an Google 64 Rappen (aktuell für «online weinhandlung») überweisen. Für Blaesi ist klar: «Mit diesem System - dem AdWords-Programm - können wir die Werbeausgaben und den schliesslich generierten Umsatz genau kalkulieren.» Die Performance sei messbar. Weiter könne das Unternehmen mit geografischen Eingrenzungen das Anwerben neuer Kunden optimieren.

«Das Potenzial ist riesengross»

Da der Konzern mit Ausnahme von den USA und Grossbritannien keine länderspezifischen Umsätze bekannt gibt, können die Umsätze nur geschätzt werden. In der Schweiz dürfte laut Experten die Hälfte des gesamten Online-Werbeumsatzes auf das Konto von Google gehen. In gewissen Ländern wie Grossbritannien gilt Google inszwischen als grösstes Werbe-Unternehmen überhaupt.

Doch Google, das in Zürich das grösste Forschungszentrum ausserhalb der USA aufgebaut hat und bald gegen 1000 Menschen beschäftigt, hat Appetit auf mehr; gerade hierzulande. «Das Potenzial ist insbesondere bei den KMU riesengross», meint Country Manager Patrick Warnking an einer Medienkonferenz in Zürich. Schliesslich nutzen gemäss einer Ipsos-Studie lediglich 23 Prozent der kleineren und mittleren Schweizer Firmen, die online sind, das Internet für den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen. Dieser Prozentzahl steht ein Anteil von 88 Prozent von Schweizer Internetnutzern entgegen, die vor dem Kauf eines Produkts oder einer Dienstleistung das Internet zumindest als Informationsquelle benutzen (Quelle: Consumer Commerce Barometer, TNS Infratest 2010).

Die Marketingstrategie von Google

Mit welchen Instrumenten will Google die kleinen und mittleren Unternehmen für sich gewinnen? Google Schweiz verweist zum einen auf kostenlose Schulungen auf Youtube - so genannte «AdWords Online Seminare», die sich speziell auch an KMUs richten. Zudem gebe es regelmässig Live-Online-Seminare. Ferner biete Google einen kostenlosen Online-Lehrgang zu AdWords, das sogenannte «Google AdWords Zertifizierungsprogramm».

Weiter arbeite Google Schweiz mit verschiedenen Verbänden wie beispielsweise dem Schweizerischen Gewerbeverband (SGV), dem Schweizerischen KMU Verband (SKV) oder dem Institut für Jungunternehmer (IFJ) zusammen, um KMUs gezielt dabei zu unterstützen, die Möglichkeiten des Online-Marketings kennenzulernen oder noch effizienter wahrnehmen zu können.

Persilschein von Konkurrenz und Marketingexperten

PubliGroupe - der bisherige Schweizer Werberiese - gibt sich betont gelassen. Google sei seit Jahren, auch in der Schweiz, in der Werbewirtschaft tätig. Sprecher Beat W. Werder: «Für PubliGroupe respektive ihre Tochterfirma Publicitas ist diese Situation nicht neu.» Auch PubliGroup setzte unter anderem auf Technologien wie sie Google anwende. Der US-Konzern sei auch ein Partner von PubliGroupe-Unternehmen - vor allem im Bereich Performance-Marketing bzw. der entsprechenden Optimierungen von Marketingkampagnen.

Die Gesellschaft für Marketing (GfM) als «politisch neutrale und wirtschaftlich unabhängige schweizerische Vereinigung» sieht im Service von Google kein Problem. Im Gegenteil: «Die Werbetools von Google erlauben Firmen, auch KMUs, ihre Werbung zielgerichtet zu gestalten», meint GfM-Geschäftsführer Jean-Marc Grand auf Anfrage von 20 Minuten Online. Jedes Unternehmen erhalte direkten Zugang auf wertvolle Erkenntnisse über die Website-Zugriffe und die Wirkung von spezifischen Marketing-Aktivitäten. Grand: «Die Funktionen der Tools sind einfach, benutzerfreundlich und flexibel.»

Google wird zum Werberiesen

Die Suchmaschine ist eine sehr einträgliche Werbemaschine. Im vergangenen Jahr generierte Google 29 Milliarden Dollar Umsatz; der Gewinn betrug 8,5 Milliarden Dollar. Der Börsenwert beträgt über 160 Milliarden Dollar. Über die Margen der einzelnen Werbetools hält sich der Konzern bedeckt. Patrick Warnking, Chef von Google Schweiz, spricht lieber über die Profite der Partner. So hätte der US-Konzern im vergangenen Jahr global sechs Milliarden Dollar an die Website-Betreiber überwiesen, auf denen der Suchmaschinenbetreiber als Werbevermittler tätig war.

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