Studie: Wie können wir verhindern, dass Bello uns beisst?
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StudieWie können wir verhindern, dass Bello uns beisst?

Immer wieder greifen Hunde Menschen an. Was zu den Attacken führt, war bisher weitgehend unklar. Die Lücke schliessen nun britische Forscher.

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Auch im Kanton Basel-Stadt ist die Verhütung von Beissattacken ein Thema. Der Film «Du & Hund» soll Kindern den richtigen Umgang mit Hunden lehren. (Video: Kanton Basel-Stadt)

Beissattacken von Hunden machen im In- und Ausland Schlagzeilen. Im April 2017 sorgte der Fall Chico für Aufsehen. Der Staffordshire-Terrier hatte sein Herrchen und dessen Mutter angegriffen und tödlich verletzt. Zuletzt wurde über das britische Model Suzel Mackintosh berichtet, dem ein Pitbull das Gesicht zerfetzt hatte.

Obwohl sich derartige Vorfälle wiederholen, ist weitgehend unklar, ob ein bestimmtes Verhalten der Menschen die Attacken begünstigt. Das Problem: Die Wissenschaftler können nicht live dabei sein, sondern erfahren erst im Nachhinein von den Geschehnissen – durch Interviews mit den Opfern oder Arztberichten. Das führt zu Verzerrungen.

Völlig neue Herangehensweise

Um das zu verhindern, haben sich Forscher der Universität Liverpool dem Thema auf eine völlig neue Weise angenähert: Sie analysierten Youtube-Videos, in denen Angriffe von Hunden dokumentiert sind.

«Die Clips machen es möglich, live bei Beissattacken dabei zu sein», erklärt Studienleiterin Sara Owczarczak-Garstecka den Vorteil der Herangehensweise. «Indem wir diese Art von geteilten Inhalten nutzen, können wir besser verstehen, wie und warum Bisse vorkommen.» So könne man zur Entwicklung von Bisspräventionsstrategien beitragen, so die Forscherin.

Sich über Hunde zu beugen, ist keine so gute Idee

Insgesamt flossen 143 Sequenzen in die Studie mit ein, die im «Scientific Reports» publiziert wurde. Sie waren zwischen Januar 2016 und März 2017 hochgeladen worden. Bei 56 dieser Videos konnten die Forscher auch die Details des Verhaltens von Mensch und Hund bis zum Biss genauer analysieren.

Tatsächlich entdeckten Owczarczak-Garstecka und ihre Kollegen Auffälligkeiten, die Hundebisse zu begünstigen scheinen, teilte die Hochschule mit. So nahmen etwa die Berührungen durch den Menschen oft rund 20 Sekunden vor einer Attacke zu, wobei das Streicheln und Zurückhalten des Hundes besonders häufig zu sehen war.

Zudem beobachteten die Forscher, dass sich die Opfer kurz vor dem Angriff über den Hund stellten oder lehnten. Daraus folgern die Wissenschaftler, dass das besser zu vermeiden ist, vor allem, wenn sich der Vierbeiner währenddessen klein macht.

Noch nicht am Ende der Forschung

Die Forscher berichten weiter, dass sieben von zehn Opfern männlich waren. In mehr als der Hälfte wurden Kinder oder Kleinkinder gebissen. Am häufigsten tauchten in den Bissvideos Chihuahuas, Deutsche Schäferhunde und Labrador Retriever auf.

Das müsse aber nicht heissen, dass diese Rassen besonders beissfreudig sind, warnen die Forscher vor voreiligen Schlüssen. Vielmehr dürfte dies auf eine Verzerrung zurückzuführen sein. So könnten Attacken von gemeinhin für harmlos gehaltenen Hunden als komisch wahrgenommen und darum eher hochgeladen werden.

Die Wissenschaftler kündigen an, in weiteren Studien Hundebesitzer und -trainer sowie Opfer von Beissattacken zu Wort kommen zu lassen – um noch mehr über die Umstände solcher Angriffe zu erfahren.

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