Gedankenkarussell: Das hilft gegen ständiges Grübeln
Hätte, wäre, sollte: Sind deine Gedanken überall, nur nicht im Hier und Jetzt?

Hätte, wäre, sollte: Sind deine Gedanken überall, nur nicht im Hier und Jetzt?

Rodnae / Pexels
Publiziert

Eva (22) fragt den Life Coach«Wie komme ich aus dem ständigen Grübeln raus?»

Sie kreisen und kreisen: Eva packt es nicht, ihre Gedanken zu kontrollieren. Life Coach Sandra Lutz hat Tipps gegen das ewige Gedankenkarussell.

von
Geraldine Bidermann

«Liebe Sandra. Manchmal habe ich das Gefühl, wahnsinnig zu werden ob meines Gedankenkarussells. Beispiele: Eine Arbeitskollegin macht eine kleine Bemerkung zu einem Dokument, das ich falsch abgelegt habe – ich denke noch wochenlang darüber nach. Oder ich frage mich, ob ich mich an einer Party blöd verhalten habe, weil jemand nicht über meinen Witz gelacht hat. Ich kreise dann immer wieder gedanklich über diesen Situationen und drehe fast durch. Was hilft?» – Eva (22)

Antwort von Life Coach Sandra Lutz:

Liebe Eva

Während jeder Mensch hin und wieder nachdenkt und Situationen überdenkt, machen sich manche Menschen die ganze Zeit ständig Gedanken und Sorgen. Chronische «Gedankenkarussellgänger» wärmen Gespräche auf, die sie gestern oder vor einigen Tagen oder gar Wochen geführt haben, hinterfragen jede einzelne ihrer Entscheidungen, die sie treffen, und stellen sich den ganzen Tag katastrophale Ergebnisse vor.

Grübeln bedeutet, dass wir in der Vergangenheit oder Zukunft verweilen und uns Sorgen machen über Dinge, die noch nicht eingetroffen sind.

Grübeln bedeutet, dass wir in der Vergangenheit oder Zukunft verweilen und uns Sorgen machen über Dinge, die noch nicht eingetroffen sind.

Liza Summer / Pexels

Zu viel als nötig über etwas nachzudenken, beinhaltet oft mehr als nur Worte – Überdenker beschwören auch oft die katastrophalsten Bilder herauf. Ihre Gedanken ähneln dann einem Thriller oder Horrorfilm. Was wichtig ist zu verstehen: Grübeln, sich Sorgen zu machen und aufs Gedankenkarussell aufzusteigen, hindert uns daran, Dinge zu erledigen und ins Handeln zu kommen. Und meist wirkt es sich negativ auf unsere Stimmung aus.

Grübeln hindert uns daran, ins Handeln zu kommen.

Sandra Lutz

Grübeln bedeutet, dass wir in der Vergangenheit verweilen und uns gleichzeitig Sorgen machen über Dinge, die noch nicht eingetroffen sind. Dieses ständige  Sorgen und Grübeln ist eine antrainierte Gewohnheit von dir. Wie alle Gewohnheiten kann es eine Herausforderung sein, dieses Denkmuster zu ändern. Aber mit Übung kannst du dein Gehirn trainieren, mehr in die Gegenwart zu kommen. Hier habe ich dir sechs Möglichkeiten aufgelistet, um in einen positiveren Gedankenfluss und in die Gegenwart zu kommen.

1. Werde dir des Grübelns bewusst

Den ersten Schritt hast du bereits erfolgreich gemacht. Du bist dir deiner Herausforderung bewusst geworden und hast dich überwindet hier zu schreiben. Bravo! Wenn du mögliche Ereignisse immer wieder in deinem Kopf wiederholst oder dir über mögliche Ausgänge in der Zukunft Sorgen machst, die du nicht kontrollieren kannst, erkenne an, dass dies für dich nicht produktiv ist. Denken ist nur dann hilfreich, wenn es zu einer Handlung führt. Bring deine Gedanken mal auf Papier. Dabei muss noch kein Lösungsweg definiert sein. Es geht im ersten Schritt nur darum, deine Gedanken vom Kopf auf Papier zu bringen. Du musst deine Gedanken auch noch gar nicht bewerten. Einfach mal alles loswerden.

Was beschäftigt dich eigentlich genau? Schreibe einmal alles auf, was dir dazu in den Sinn kommt. 

Was beschäftigt dich eigentlich genau? Schreibe einmal alles auf, was dir dazu in den Sinn kommt. 

Giphy

2. Worüber hast du Kontrolle?

Wenn deine Gedanken um etwas kreisen, worüber du eine gewisse Kontrolle hast,
überlege dir, wie du das Problem verhindern kannst, oder fordere dich heraus, drei
mögliche Lösungswege zu finden.

Nimm dir Zeit und erarbeite drei mögliche Lösungswege. Merkst du schon eine erste Erleichterung? 

Nimm dir Zeit und erarbeite drei mögliche Lösungswege. Merkst du schon eine erste Erleichterung? 

Darina Belenogva / Pexels

3. Wechsle die Perspektive

Es ist leicht, sich von negativen Gedanken mitreissen zu lassen. Denke daran, dass deine Emotionen deine Fähigkeit beeinträchtigen, Situationen objektiv zu betrachten. Nimm einen Schritt zurück und sieh dir deine Situation mal aus einer anderen Perspektive an. Welche Beweise findest du aus dieser anderen Perspektive, dass deine Gedanken wahr sind? Und was für Beweise findest du, dass deine Gedanken nicht der Realität entsprechen?

4. Komme ins Hier und Jetzt

Wenn wir in der Gegenwart leben, ist es uns nicht möglich, das Gestern aufzuwärmen oder uns Sorgen über das Morgen zu machen. Achtsamkeit kann dir helfen, dir dem Hier und Jetzt bewusster zu werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zum Beispiel kannst du dich für drei Atemzüge mal auf das Gefühl in deiner Nase fokussieren. Merkst du, dass die Luft, welche du einatmest, kälter ist als die, die du ausatmest?

Alles geht vorbei – wenn du im Hier und Jetzt lebst, wirst du gelassener und ersparst dir viele Sorgen. 

Alles geht vorbei – wenn du im Hier und Jetzt lebst, wirst du gelassener und ersparst dir viele Sorgen. 

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5. Ändere bewusst den Kanal

Ändere ganz bewusst den Kanal in deinem Gehirn. Wenn du dich dabei ertappst, dass du am Grübeln bist, sagst du dir ganz bewusst «Achtung, fertig, los» und dann kommst du ins Handeln. Egal, was für eine Handlung das ist: Geschirrspüler ausräumen, Klo putzen, E-Mail schreiben, Anruf erledigen, die Schuhe anziehen, um einen Spaziergang zu machen: Etwas anderes zu tun, wird deinem negativen Gedankenfluss ein Ende bereiten. Am Anfang kann diese Handlung auch etwas ganz Kleines sein, das dir keine grosse Mühe bereitet.

Lenke dich ab, wenn immer es geht. 

Lenke dich ab, wenn immer es geht. 

Pexels / Bruno Cervera

Tipp zum Schluss: Sich selbst immer wieder zu sagen, dass man aufhören soll, sich Gedanken oder Sorgen zu machen, wird leider nicht funktionieren, denn je mehr wir versuchen zu verhindern, dass ein Gedanke in unser Gehirn eindringt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er immer wieder auftaucht und lauter wird. Deshalb ist es wichtig, in einem ersten Schritt deine Gedanken erst mal auf Papier zu bringen.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Experimentieren der verschiedenen Möglichkeiten.

Herzlichst,
deine Sandra

Über Sandra Lutz

Als Tochter einer Japanerin und eines Schweizers ist Sandra Lutz früh mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. ​Als professionelle Balletttänzerin hat sie die ganze Welt bereist, bevor sie sich in Zürich als zertifizierter Life und Leadership Coach mit eigener Praxis niederliess.

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