Doktor Sex - «Wie komme ich aus der sexuellen Sackgasse heraus?»
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Doktor Sex«Wie komme ich aus der sexuellen Sackgasse heraus?»

Juri und seine Frau hatten vor fünf Jahren das letzte Mal Sex. Grund für die Flaute ist ein Paarkonflikt. Sein Selbstvertrauen ist im Keller und er sieht keinen Ausweg.

von
Bruno Wermuth
Juri (45) befindet sich in einer sexuellen Sackgasse. Seit fünf Jahren hatte er schon keinen Sex mehr mit seiner Frau. Doktor Sex weiss Rat. (Symbolbild)

Juri (45) befindet sich in einer sexuellen Sackgasse. Seit fünf Jahren hatte er schon keinen Sex mehr mit seiner Frau. Doktor Sex weiss Rat. (Symbolbild)

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Frage von Juri (45) an Doktor Sex

Meine Frau und ich (45) sind seit 15 Jahren verheiratet. In den letzten fünf Jahren hatten wir aber keinen Sex mehr. Dies liegt hauptsächlich an mir, da ich mich aus Eigenschutz zurückgezogen habe und seither auch keine Initiative mehr ergreife.

Ausgelöst wurde alles dadurch, dass meiner Frau alles – und zwar wirklich alles! –, was ich beim Sex gemacht habe, irgendwann nicht mehr recht war.

Anfangs versuchte ich noch, mich darauf zu konzentrieren, es ihr recht zu machen. Aber irgendwann lief bei mir dann gar nichts mehr vor lauter Drehbuch. Mein Selbstvertrauen ist im Keller. Wie komme ich aus dieser Sackgasse heraus?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Juri

Meine Erfahrung in der Prozessbegleitung mit Paaren zeigt, dass sexuellen Problemen meist ein Beziehungsproblem zugrunde liegt. Die Sexualität ist also oft einfach die Ebene, auf welcher sich der Konflikt zeigt.

Dies scheint mir, auch bei euch der Fall zu sein. Deiner Frau geht es nämlich offenbar nicht primär darum, mit dir «guten» Sex zu haben. Vielmehr möchte sie einfach, dass du ihre Ansprüche befriedigst. Etwas salopp ausgedrückt: Sie spielt ein Machtspiel!

Wichtig ist für dich zu erkennen, dass sie dies nur tun kann, wenn du auch mitspielst. Das scheinst du einige Zeit aktiv getan zu haben. Nun bist du passiv involviert, denn Rückzug als Reaktion auf ihr Handeln in der Vergangenheit bedeutet letztlich, dass du immer noch im Spiel bist.

Es war richtig, dass du für dich gesorgt hast und aus der Spirale ausgestiegen bist – auch wenn eine Pause von fünf Jahren schon sehr lang ist. Nun geht es aber darum, nicht noch länger in der von dir gewählten Rolle zu verharren. Selbstschutz ist nämlich auch anders möglich!

Ich sehe zwei Ansatzpunkte: Der eine liegt bei dir, genauer gesagt, bei deinem Selbstwert und der Art, wie du dich abgrenzt – oder eben nicht. Ich denke, da solltest du genauer hinschauen. Vermutlich sind in deiner Biografie Gründe zu finden für dein eher passives Verhalten und dein Bemühen, es deiner Frau recht zu machen, statt mit ihr zu sprechen.

Und damit wären wir beim Zweiten: Ich finde, ihr braucht von einer Fachperson begleitete und moderierte Paargespräche. Unter anderem, um zu klären, wie ihr euch als Paar versteht und wie man in einer Beziehung seine Bedürfnisse und Grenzen kommuniziert. Aber auch, um euch eure Rollenbilder und -erwartungen bewusst zu machen. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex

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Bild: Gian Losinger

Bild: Gian Losinger

Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch

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