Wimbledon: Wie kommt die goldene Ananas auf den Pokal?
Aktualisiert

WimbledonWie kommt die goldene Ananas auf den Pokal?

Jedes Grand-Slam-Turnier hat seine Eigenheiten. Allen voran Wimbledon. Neun bemerkenswerte Fakten zum meistbeachteten Tennis-Event des Jahres.

von
Kai Müller
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Die Frucht auf dem Siegerpokal: Die zwei unterschiedlichen Theorien, warum eine Ananas die goldene Männer-Trophäe ziert können Sie im Artikel nachlesen.

Die Frucht auf dem Siegerpokal: Die zwei unterschiedlichen Theorien, warum eine Ananas die goldene Männer-Trophäe ziert können Sie im Artikel nachlesen.

AP/Ben Curtis
Rufus, der Tauben-Jäger: Der Wüstenbussard ist Kult in Wimbledon, hat sogar seinen eigenen Twitter-Account.

Rufus, der Tauben-Jäger: Der Wüstenbussard ist Kult in Wimbledon, hat sogar seinen eigenen Twitter-Account.

AP/Stephen Pond
Der Friedhof der Champions: Pete Sampras (l.) war einer der Stars, der auf dem einstigen Court No. 2 scheiterte. Der siebenfache Wimbledon-Sieger unterlag 2002 in der zweiten Runde sensationell dem Romand George Bastl. Es war Sampras' letzter Match in Wimbledon.

Der Friedhof der Champions: Pete Sampras (l.) war einer der Stars, der auf dem einstigen Court No. 2 scheiterte. Der siebenfache Wimbledon-Sieger unterlag 2002 in der zweiten Runde sensationell dem Romand George Bastl. Es war Sampras' letzter Match in Wimbledon.

AP/Alastair Grant

Wimbledon ist das älteste und prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt. Seit 1877 kämpfen die Racketkünstler im All England Lawn Tennis and Croquet Club an der Londoner Church Road um den begehrten Titel. Seit der ersten Austragung wird auf Rasen gespielt, und das stets an derselben Stätte – im Gegensatz zu den Grand-Slam-Events in Melbourne, Paris und New York, bei denen im Lauf der Zeit sowohl Unterlage als auch Standort gewechselt haben. Wimbledon hat auch sonst seine Besonderheiten. Neun Fakten.

Die Ananas auf dem Pokal

Während die Siegerin eine Schale erhält, darf der Sieger eine goldene Trophäe stemmen. Deren Spitze ziert eine Ananas. Wie die Edelmetall-Frucht zu einem solch prominenten Platz gekommen ist, lässt sich nicht mehr mit hundertprozentiger Sicherheit eruieren. Es gibt zwei Theorien dazu. Die eine besagt, dass die Ananas auf eine alte Marine-Tradition zurückgeht, nach der britische Schiffskapitäne bei ihrer Heimkehr aus der Karibik eine Ananas auf dem Zaunpfosten ihres Hauses platzierten. Damit liessen sie Freunde wissen, dass sie unversehrt zurück sind.

Der zweite Erklärungsansatz hat mit der Ananas als Statussymbol zu tun. Nur mit grossem Aufwand zu besorgen, galt sie besonders im 18. und 19. Jahrhundert als Zeichen von Reichtum und wurde Gästen serviert, um ihnen besondere Wertschätzung entgegenzubringen.

Der Jäger mit dem Twitter-Account

Sein Name ist Rufus, seine Aufgabe besteht darin, lästige Tauben von der Anlage zu vertreiben. Der Wüstenbussard patrouilliert während der zwei Turnierwochen täglich, hat eine eigene Akkreditierung inklusive Porträtbild und einen Twitter-Account (@RufusTheHawk) mit inzwischen über 7000 Followern. Vor drei Jahren war Rufus das grosse Thema in Wimbledon. Er wurde aus einem geparkten Auto gestohlen, drei Tage später fand ein Spaziergänger den Käfig samt Vogel unweit der Anlage. Rufus kam mit einer leichten Blessur am Bein davon.

Bomben auf dem Centre Court

Während des Zweiten Weltkriegs ruhte der Spielbetrieb in Wimbledon. Stattdessen diente die Anlage als Stützpunkt für Militär und Zivildienst – und auch als kleiner Hof mit Hasen, Schweinen und Hühnern. Am 11. Oktober 1940 schlugen deutsche Bomben im Centre Court ein und zerstörten 1200 Sitzplätze. Gespielt wurde erst wieder 1946, ein Jahr nach Kriegsende.

Bloss keine Schweissflecken!

Die strikten Kleidervorschriften führen in Wimbledon immer wieder zu Diskussionen, müssen doch 90 Prozent des Outfits weiss sein. Aber warum überhaupt? Die Regel wurde einst aufgestellt, damit unziemliche Schweissflecken auf den Kleidern nicht zu sehen waren.

Friedhof der Champions

Er war berühmt-berüchtigt. Und gefürchtet. Der frühere Court No. 2 erlebte so manchen Favoritensturz. Weil Stars von McEnroe über Connors, Agassi, Sampras (2002 gegen den Schweizer George Bastl) bis hin zu Serena Williams und Martina Hingis auf diesem Platz schmachvolle Niederlagen erlitten, erlangte er den Namen «Graveyard of Champions», Friedhof der Champions. Für die Ausgabe 2009 wurde ein neuer Court No. 2 gebaut, was den Friedhof zum Platz Nummer 3 werden liess. Danach wurde er abgerissen und für das Turnier 2011 neu gebaut.

Der royale Teilnehmer

Der bekannteste Spieler der Wimbledon-Geschichte ist nicht etwa Roger Federer, Björn Borg oder Pete Sampras, sondern der spätere King George VI. 1926 bestritt der damalige Duke of York, der zehn Jahre später den britischen Thron besteigen sollte, die Doppelkonkurrenz an der Seite eines gewissen Sir Louis Greig. Die Gegner in der ersten Runde schreckten jedoch nicht zurück vor den blaublütigen Widersachern und warfen sie mit 6:1, 6:3, 6:2 aus dem Turnier. George, der Vater von Queen Elizabeth II, ist bis heute der einzige royale Wimbledon-Teilnehmer.

Die Knicks- und Verbeuge-Pflicht

Bleiben wir beim Adel: Bis 2003 mussten sich die Spieler jeweils vor der Royal Box, die 74 Plätze fasst, verbeugen. Die Spielerinnen hatten einen Knicks zu machen. Heute ist das nur noch Pflicht, wenn die Queen oder der Prinz von Wales anwesend ist. Wobei die Queen zuletzt 2010 den Centre Court beehrte – nach 33-jähriger Absenz.

Erdbeeren en masse

Wimbledon ist auch das Turnier der Erdbeeren. 28 Tonnen werden jedes Jahr verspeist, serviert mit insgesamt 7000 Litern Flüssigrahm. Ein Schälchen mit zehn Erdbeeren kostet umgerechnet 3.60 Franken.

Die Clubfarben Grün und Lila

1909 bemerkte man, dass die Farben des All England Lawn Tennis and Croquet Club – Blau, Gelb, Rot und Grün – identisch mit jenen der Royal Marines sind. Also änderte man das Logo, das sich seither aus Grün und Lila zusammensetzt.

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