Aktualisiert 10.07.2008 09:16

Mundart-Studie

Wie küsst man heute im Basler Dialekt?

Forscher vermuten, dass der Wortschatz unserer Dialekte in den letzten Jahrzehnten verarmt ist. Eine Online-Umfrage erforscht nun das Ausmass des Wörtersterbens.

von
Daniel Waldmeier

In der Schweizer Mundart gab es vor einigen Jahrzehnten mindestens zwölf Verben, um auszudrücken, dass man etwas «werfe». Für den «Kuss» waren immerhin sechs Ausdrücke gebräuchlich. Doch viele dieser Wörter dürften mittlerweile ausgestorben oder von neuen Ausdrücken abgelöst worden sein. Sprachforscher der Universität Zürich wollen das Ausmass der Veränderungen nun mittels einer Online-Umfrage klären. Abgefragt werden 18 Begriffe, vom Kuss über den Schluckauf bis hin zum Anschnitt des Brotes. Wer teilnimmt, kann aus einer Liste sein schweizerdeutsches Wort auswählen oder eine eigene Variante hinzufügen.

Vor 50 Jahren wurde der Wortschatz der Mundart für den Schweizerdeutschen Sprachatlas letztmals flächendeckend erhoben. Damals wurden vorwiegend ältere Leute unter anderem nach eben diesen 18 Begriffen gefragt. Hans-Peter Schifferle, beteiligter Sprachforscher und Chefredaktor des Mundartwörterbuchs «Idiotikon», rechnet mit durchzogenen Resultaten: «Ich erwarte, dass viele Wörter nicht mehr bekannt sind. Aber ich hoffe auch auf Neuentdeckungen.»

Treffsicheres Orakel

BASEL. Basierend auf Daten des Schweizerischen Sprachatlas’ kann die Internetseite mit dem Namen «Chochichäschtli-Orakel» die Dialekte ihrer Nutzer identifizieren. Diese müssen bei maximal zehn alltäglichen Wörtern bestimmen, wie sie diese aussprechen: Sagt man «gescht» oder «geschter», «Hand» oder «Hang»? Das Orakel spuckt dann eine Schweizer-Karte aus, die den betreffenden Dialekt relativ treffsicher lokalisiert. http://dialects.from.ch

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