Aktualisiert 19.10.2012 13:20

SchmerzforschungWie lässt sich das Leiden der Kleinsten lindern?

Frühgeborene Babys leiden auf der Intensivstation häufig unter Schmerzen. Forscherinnen der Uni Basel haben untersucht, wie gut aktuelle Therapien helfen.

von
Claudia Hoffmann
Den Schmerzen hilflos ausgeliefert: Frühchen auf der Intensivstation. (Bild: Neonatologie, Universitätspital Zürich)

Den Schmerzen hilflos ausgeliefert: Frühchen auf der Intensivstation. (Bild: Neonatologie, Universitätspital Zürich)

Kinder, die zu früh geboren werden, überleben nicht ohne intensive medizinische Behandlung. Beatmungsmaschine, Magensonde und Blutentnahme gehören zum Alltag. «Viele dieser notwendigen Prozeduren sind sehr schmerzhaft», sagt Eva Cignacco, Mitarbeiterin am Institut für Pflegewissenschaft der Uni Basel. «Schmerzmittel sind jedoch ungeeignet, denn diese können bei Frühgeborenen gefährliche Nebenwirkungen haben.»

Doch ohne Behandlung kann es zu Spätfolgen kommen: chronische Veränderungen im Gehirn, die unter anderem zu einer gestörten Schmerzempfindung führen.

Zuckerlösung und Froschhaltung

Um Schmerzen zum Beispiel bei der Blutentnahme zu lindern, bekommen die Kinder vorab einige Tropfen Zuckerlösung in den Mund geträufelt. Diese setzt körpereigene, schmerzstillende Substanzen frei. Eine andere Massnahme ist, das Kind in der so genannten Froschhaltung zu halten, also mit angewinkelten Beinen. «Ähnlich wie im Mutterleib», sagt Eva Cignacco. «Dadurch fühlen sich die Kleinen geborgen.»

Wie gut diese Massnahmen gerade bei extrem zu früh geborenen Kindern wirken, hat das Team von Cignacco nun in einer Studie getestet. Ergebnis: Die Zuckerlösung beruhigte die Kinder, sie zeigten bei der Blutentnahme weniger Anzeichen von Schmerz (siehe Box). Die Behandlung wirkte sogar mit jeder Anwendung besser. Die Froschhaltung dagegen half nur am Anfang und verlor bei weiteren Blutentnahmen ihre Wirkung. «Daher empfehlen wir zur Schmerzlinderung nur noch die Zuckerlösung», sagt Cignacco.

Die Froschhaltung könnten jedoch Eltern anwenden, um die Bindung zum Kind zu stärken. Wie diese besser in die Schmerztherapie einbezogen werden können, soll nun eine Folgestudie klären.

«Wissen»

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Schmerz besser erkennen

Babys können nicht sagen, wenn ihnen etwas weh tut. Um trotzdem beurteilen zu können, ob sie leiden, wird in Schweizer Spitälern bei Neugeborenen der so genannte «Berner Schmerz-Score» angewendet.

Dabei beobachtet das Pflegepersonal beim Kind insgesamt neun Anzeichen, unter anderem, wie viel es weint, ob es das Gesichtchen verzieht oder nicht einschlafen kann. Aber auch, ob sich Atmung und Herzschlag beschleunigen oder der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Jedes Anzeichen wird auf einer Skala von null bis drei eingestuft. Ist die Summe grösser als elf, zeigt dies an, dass das Kind Schmerzen hat.

(ho)

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