Nachbarn lockern: Wie lange soll der Shutdown in der Schweiz noch dauern?
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Nachbarn lockernWie lange soll der Shutdown in der Schweiz noch dauern?


Die Nachbarländer lockern die Massnahmen, die Schweiz befindet sich weiterhin im Shutdown-Modus. SVP und Gewerbe fordern schnelle Öffnungen.

von
Leo Hurni
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In Österreich dürfen Kleiderläden bald wieder öffnen. Die Anzahl der Kunden ist aber limitiert und eine FFP2-Maske ist Pflicht.

In Österreich dürfen Kleiderläden bald wieder öffnen. Die Anzahl der Kunden ist aber limitiert und eine FFP2-Maske ist Pflicht.

20min/Marco Zangger
Geschlossene Läden, doch überfüllter ÖV. Geht es nach der SVP, sollten auch Läden und Restaurants wieder öffnen dürfen. 

Geschlossene Läden, doch überfüllter ÖV. Geht es nach der SVP, sollten auch Läden und Restaurants wieder öffnen dürfen.

REUTERS
Das ist zum Beispiel in Italien der Fall. In Gebieten mit tiefen Fallzahlen dürfen Restaurants wieder öffnen – vorerst jeweils bis um 18 Uhr. 

Das ist zum Beispiel in Italien der Fall. In Gebieten mit tiefen Fallzahlen dürfen Restaurants wieder öffnen – vorerst jeweils bis um 18 Uhr.

Tamedia AG

Darum gehts

  • Italien und Österreich entschärfen den Shutdown.

  • Bürgerliche vermissen in der Schweiz eine Exit-Strategie.

  • SVP und Gewerbe fordern jetzt ein Ende des Shutdowns.

  • Andere warnen, nicht die Fehler des vergangenen Jahres zu wiederholen.

Während in der Schweiz die Corona-Einschränkungen noch mindestens bis Ende Februar gelten, entschärfen Österreich und Italien den Shutdown. So öffnet Österreich ab 8. Februar die Läden und Zoos wieder. In Italien gehen in den Regionen mit tiefer Inzidenz sogar Restaurants und Museen wieder auf. Dagegen hat der Bundesrat angesichts der Ausbreitung der mutierten Virus-Varianten bislang offengelassen, wie es im März weitergehen soll – laut Finanzminister Ueli Maurer kostet der Lockdown die Schweiz aber 150 Millionen pro Tag.

SVP und das Gewerbe fordern darum auch hierzulande schnelle Öffnungen und einen Exit-Plan. Die SVP will den Shutdown spätestens per 1. März beenden, sagt SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi: «Es macht für mich einfach keinen Sinn, dass im Tram oder Zug die Leute extrem nahe aufeinander sein dürfen, doch Läden oder Fitnesszentren geschlossen sind. Dort könnte der Abstand im Gegensatz zum Tram ja immer gewährt werden.»

Unterstützung aus dem Gewerbe

Hinzu komme, dass sich die Corona-Lage in der Schweiz entspannt habe, so Aeschi. «Die sinkenden Fallzahlen und Hospitalisationen zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind. Ein Ende der Massnahmen per 1. März ist ein Kompromiss. Ich hoffe, dass sich der Bundesrat an unserem Vorschlag orientiert und den Lockdown nicht weiterführt.»

Auch der Schweizerische Gewerbeverband drängt auf ein baldiges Shutdown-Ende. «Für einige Geschäfte war die Schliessung bereits jetzt ein Todesstoss», erklärt Präsident und Mitte-Nationalrat Fabio Regazzi. «Sollten die Massnahmen sogar verlängert werden, wäre das das Ende für viele Unternehmen.» Auch Daniela Schneeberger, Präsidentin des Schweizerischen Treuhänderverband und FDP-Nationalrätin, fordert einen Exit-Plan. «Wir wollen keinen vorsorglichen Lockdown. Auch die Bevölkerung ist ermüdet von den Einschränkungen.» Es brauche jetzt eine Strategie, die zeige, wie der Bundesrat vorgehen wolle, um die Schweizer Gesellschaft zu schützen und Geschäfte zu öffnen. «Das würde die Menschen im Land motivieren und Planungssicherheit für die Firmen schaffen.»

«Herbst hat gezeigt, wie verheerend es ist, wenn man unvorsichtig handelt»

Um Druck auf die Regierung zu machen, wollte die SVP die Wirtschaftskommission des Nationalrates dazu bewegen, vom Bundesrat ein Ende des Shutdowns zu verlangen. Mit dem Antrag lief die SVP in der Kommission aber auf. Vertreter anderer Parteien warnen denn auch davor, die Fehler aus dem vergangenen Jahr zu wiederholen: «Ich verstehe emotional alle, die langsam genug haben von den Massnahmen, das geht mir auch so. Aber die Forderung der SVP ist fahrlässig», sagt etwa SP-Präsident Cédric Wermuth. «Der Herbst hat gezeigt, wie verheerend es ist, wenn man unkoordiniert und unvorsichtig handelt.» Wermuth sagt, man brauche jetzt Geduld und müsse aufpassen, dass man nicht in eine dritte Welle reinfahre.

Grünen-Nationalrätin Regula Rytz hält ebenfalls nichts vom Powerplay der SVP auf den Bundesrat. Rytz ist überzeugt, dass das Ende des Lockdowns epidemiologisch und nicht parteipolitisch bestimmt werden müsse. «Der Zeitpunkt muss auf die Entwicklung der Fallzahlen und die Auslastung der Intensivbetten abgestimmt sein. Auch die Verbreitung der Covid-Mutationen muss genau beobachtet werden.»

Das sagt der Infektiologe

Das Bundesamt für Gesundheit hat das Ziel herausgegeben, auf unter 300 Neuansteckungen pro Tag zu kommen. Laut Infektiologe Christian Garzoni ist es für Lockerungen entscheidend, dass die Zahlen nun weiter sinken. «Je tiefer die Zahlen sind, wenn man die Massnahmen lockert, desto einfacher ist es, die Situation danach unter Kontrolle zu haben.» Auch er verweist auf das Risiko der mutierten Varianten, die das Gesundheitssystem etwa in Portugal kollabieren lassen: «Momentan sehen wir, dass die Mutationen in der Schweiz noch kein riesiges Problem sind, denn die Fallzahlen sinken nach wie vor. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass sich die Mutationen bei einer Lockerung der Massnahmen sehr schnell verbreiten könnten.» Man müsse unbedingt bereit sein, schnell zu intervenieren, falls die Lockerung nicht funktioniere.

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