Wegen Palmöl: Wie Lebensmittel den Regenwald zerstören
Aktualisiert

Wegen PalmölWie Lebensmittel den Regenwald zerstören

Für die Palmöl-Produktion werden Regenwälder abgeholzt. Ein neues EU-Gesetz will diesem Problem Einhalt gebieten. Doch es könnte bereits zu spät sein.

von
kwo

Stündlich roden Holzfäller in Asien Regenwaldflächen in der Grösse von 300 Fussballfeldern für die Produktion von Palmöl. Das vielen Konsumenten kaum bekannte Produkt findet sich in mehr als 50 Prozent aller Lebensmittel und Kosmetika hierzulande. Um der Zerstörung des Regenwaldes Einhalt zu gebieten, hat die EU daher vor kurzem eine Deklarationspflicht für Palmöl in Lebensmitteln beschlossen, die am 1. Januar 2016 auch in der Schweiz in Kraft tritt.

Dann könnte es aber bereits zu spät sein. Wie der Online-Produkte-Ratgeber Codechek.info berechnet hat, werden Palmölproduzenten bis dann eine zusätzliche Regenwaldfläche von 8,8 Millionen Fussballfeldern zerstört haben. Für die letzten 1500 lebenden Zwergelefanten oder die Orang-Utans auf der Insel Borneo könnte dann kein Lebensraum mehr übrig sein.

App für den Produkte-Check

Für Konsumenten, denen der Schutz des Regenwaldes wichtig ist, bietet Codecheck daher eine spezielle App. Diese ermöglicht es, Produkte mit Palmöl bereits heute zu erkennen. So sei es möglich, schon vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes palmölfreie Produktalternativen zu finden.

Zwar gibt es laut Codecheck seit 2008 auch eine Zertifizierung für faires Palmöl, die unter dem Namen RSPO bekannt ist. Allerdings sei auf dieses Gütesiegel kein Verlass, da die Einhaltung der Kriterien zu wenig streng geprüft werde. Am besten solle man auf den Konsum von Palmöl gänzlich verzichten. Dies sei aber zugegebenermassen schwierig, da in sehr vielen Produkten drin steckt.

Schweiz beim Waldschutz weit abgeschlagen

Doch nicht nur mit der Palmöl-Deklarationspflicht möchte die EU die illegale Regenwaldabholzung bekämpfen, sondern auch mit der sogenannten Holzhandelsverordnung. Diese soll den Handel von Holz- und Papierprodukten aus illegalem Einschlag in die EU verhindern. Sie trat 2013 in Kraft.

Nun wollte der WWF wissen, wie die einzelnen EU-Mitgliedstaaten und die Schweiz, die sich ebenfalls daran beteiligt, die Verordnung umsetzen. Die Resultate sind enttäuschend, wie die Umweltschutzorganisation in einer Pressemitteilung bekannt gibt. Von 16 möglichen Punkten erreichen nur Grossbritannien mit 14 und Dänemark mit 11 ein gutes Resultat. Die Schweiz bringt es gerade einmal auf 3 Punkte und gehört zu den Schlusslichtern unter den insgesamt 29 Staaten.

Wo genau liegt das Problem? Laut dem WWF haben erst elf EU-Mitgliedstaaten Gesetze geschaffen, die die Holzhandelsverordnung auf nationaler Ebene umsetzen und somit die Einfuhr von Holz auf legale Quellen beschränken. In der Schweiz ist die Einfuhr von Holzprodukten aus illegalem Einschlag nach wie vor nicht verboten, eine Gesetzesgrundlage fehlt. «Mit einer Revision des Umweltschutzgesetzes könnte man diese Lücke schliessen», erklärt Simone Stammbach vom WWF. Und dies sei dringend notwendig: «Illegaler Holzschlag ist weltweit einer der Hauptgründe für Waldzerstörung - mit fatalen Folgen für die Artenvielfalt, für die Menschen in diesen Gebieten sowie für das Klima.»

WWF-Länder-Rating Holzhandel:

14 Punkte: Grossbritannien

11 Punkte: Dänemark

9 Punkte: Finnland, Deutschland, Litauen, Slowenien

7 Punkte: Zypern, Estland, Niederlande, Schweden

6 Punkte: Frankreich

5 Punkte: Luxemburg, Rumänien

4 Punkte: Österreich, Kroatien, Tschechien, Lettland

Schweiz

2 Punkte: Griechenland, Irland

1 Punkt: Italien, Malta Polen, Slowakei

0 Punkte: Ungarn, Spanien

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