Aktualisiert

Wie man das Rauchverbot spielend umgeht

Dutzende Bars in Minnesota, USA, haben einen Weg gefunden, das staatliche Rauchverbot, den «Smoking Ban», zu umgehen. Wie? Jeder Gast ist auch ein Schauspieler.

In Minnesota trat am 1. Oktober 2007 in Restaurants und anderen Nachtlokalen ein Rauchverbot in Kraft. Mit einer Ausnahme: Schauspieler dürfen im Rahmen einer Theateraufführung ohne Einschränkungen weiterhin auf der Bühne Glimmstengel konsumieren. Diese Gesetzeslücke machen sich schlaue Barbesitzer zunutze. Sie erklären kurzerhand ihre Gastrobetriebe zu einer einzigen grossen Bühne, drucken Theaterplakate, ermutigen ihre Kunden kostümiert zu erscheinen und ernennen sie im Handumdrehen zu Schauspielern

Mogel-Theater im Zielvisier

Die Gäste spielen mit, glücklich, weiterhin in ihrer Bar paffen zu dürfen und sprechen von Zeit zu Zeit in lustigen Dialekten und geben kurze Improvisationen zum Besten. Die Gesundheitsbehörde des Staates Minnesota droht nun den erfinderischen Patrons damit, den Vorhang dieser Mogel-Theater fallen zu lassen, indem sie laut darüber nachdenkt, den Wirten, respektive selbsternannten «Gastro-Theater-Direktoren», die Lizenz zum Ausschank von Alkohol zu entziehen. Was für jede Bar das sichere Ende bedeuten würde.

Das Theaterstück «Before The Ban»

In «The Rock», einer Hardrock- und Heavymetal-Bar in Maplewood, kommen die «Schauspieler» während eines «Theaterabends» nicht übers Herumzusitzen, Trinken, Rauchen und der brechend lauten Musik zuzuhören hinaus. «Sie spielen sich selbst vor dem 1. Oktober. Wissen Sie, bevor das Rauchverbot in Kraft getreten ist», sagt Bar-Eigentümer Brian Bauman. Und fügt hinzu: «Wir nennen unsere Theaterproduktion 'Vor dem Verbot' (Before The Ban).»

Etwa 30 Bars im Bundesstaat Minnesota schlüpfen auf diese Weise durch die Lücke im Gesetz und erklären Zigaretten sogar zu theaterrelevanten Bühnenrequisiten.

«Es ist schade, dass sie nicht mit dem gleichen Enthusiasmus ihre Angestellten vor dem Rauchen schützen», bedauert Jeanne Weigum, Direktorin der Vereinigung der Nichtraucher, das Engagement der Wirte in Minnesota.

Gesundheitsbehörde räumt auf

Doch die staatliche Gesundheitsbehörde will sich nicht länger vorführen lassen und hat verkündet, dass sie gegen die Theaterabende mit Bussen bis zu 10'000 Dollar vorgehen will. «Dieses Gesetz wurde dafür eingeführt, die Bürger von Minnesota vor den gesundheitlichen Schäden des Passivrauchens zu schützen», erklärt Gesundheitdirektorin Dr. Sanne Magnan, «es ist Zeit, dass der Vorhang fällt.»

Pathetischer Abgang zum Schluss

Und in «The Rock» neigen sich die Zeiten des unbelasteten Rauchens langsam auch dem Ende zu. Die Betreiber der Bar beklagen sich lautstark auf ihrer Website: «Bezirksanwalt Allen Kantrud hat uns gedroht, uns unsere Ausschanklizenz zu entziehen, wenn wir nicht unsere Theaterproduktion 'Vor dem Verbot' beenden.» Und natürlich fühlen sie sich in der «Ausübung ihrer legalen Rechte» verletzt. Konsequenterweise fordern sie ihre Mitbürger auf, sich per Mail an die Gesundheitsdirektorin oder den Bezirksanwalt zu wenden, bevor sie sich dann doch dem unausweichlich rauchfreien Schicksal fügen: «Wir haben uns entschlossen, zu diesem Zeitpunkt unsere Theaterproduktion einzustellen. Jedoch möchten wir alle Bars ermutigen, die Nachfrage nach ‚Theatrical Proformances' (Proforma-Theater) zu unterstützen.»

Es hat offenbar auch nichts genützt, dass im «Rock» Aschenbecher vorübergehend zu unverzichtbaren Theater-Requisiten erklärt wurden. Die Zeit der Indoor-Raucher in öffentlichen Räumen läuft unweigerlich ab.

(tom)

Deine Meinung