Aktualisiert 15.03.2010 13:27

UBS

Wie man sich Anstellung und Abgang vergoldet

UBS-Topmanager Jerker Johansson war ganze 13 Monate im Amt. Verdient hat er vor allem bei seiner Anstellung und bei seinem Abgang.

von
Lukas Hässig

Sechs Topleute sind im letzten Jahr aus der obersten Führung der UBS ausgeschieden. Dafür erhielten sie 39 Millionen Franken oder 6,5 Millionen pro Kopf. Das Versüssen von gescheiterten Topkadern hat bei der UBS System. Bereits 2007 und 2008 strömten den Verflossenen stolze Summen zu.

Den Vogel schiesst Jerker Johansson ab. Der schwedische Kurzzeit-Topmann liess sich von der Schweizer Grossbank 2008 seine Anstellung vergolden. Nun wird bekannt, dass der Ex-Chef der Investmentbank bei seinem Abgang ein Jahr später gleich nochmals kräftig abgesahnt hatte. Johansson wird damit zum Schulbeispiel des irrwitzigen Entschädigungskasinos in der Hochfinanz.

Johansson stiess im März 2008 von der US-Investmentbank Morgan Stanley, wo er auf dem Abstellgleis gelandet war, zur Schweizer Grossbank. Diese musste nach Milliardenverlusten im Investmentbanking und Auflösungserscheinungen im Handelsgeschäft um jeden erfahrenen Manager froh sein.

Über 10 Millionen Startprämie

Die UBS griff für Johansson tief in die Tasche. Neben dem ordentlichen Paket mit Fix- und Erfolgslohn erhielt der Schwede vorab über 500 000 UBS-Aktien und über 750 000 UBS-Optionen. Beim damaligen Kurs von gut 30 Franken hatte Johanssons Aktienpaket einen Wert von über 15 Millionen Franken. Die Optionen kamen als Extra hinzu.

Johannsons UBS-Zeit dauerte nur 13 Monate. Im April 2009, zwei Monate nachdem Oswald Grübel das Steuer übernommen hatte, trat der Schwede zurück. Seither hat man hierzulande nichts mehr vom Kurzzeit-Topmann gehört. Bis heute.

In ihrem Geschäftsbericht für 2009 führt die Grossbank aus, dass sie 6 aus der Konzernleitung ausgeschiedenen Managern insgesamt 39 Millionen Franken ausbezahlte. Pro Kopf entspricht das 6,5 Millionen Franken.

Und nochmals 10 Millionen zum Abschied

Doch die wahre Verteilung zeigt ein anderes Bild. Der gescheiterte Ex-CEO Marcel Rohner musste sich mit 3 Millionen zufrieden geben, die beiden übrigen Schweizer unter den Ausgetretenen, Raoul Weil und Walter Stürzinger, dürften ähnlich viel erhalten haben. Nimmt man 9 Millionen für die drei Schweizer an, verbleiben 30 Millionen für die drei Ausländer, im Schnitt also 10 Millionen.

Damit kommen wir zurück zu Jerker Johansson und zum Problem der goldenen Fallschirme im Investmentbanking. Johansson war bei seiner alten Arbeitgeberin in der Karriere-Sackgasse gelandet. Bei der UBS kriegte er eine neue Chance, und die nutzte er umfassend: mit einem Geschenk zum Antritt und einem zum Austritt.

Frühere Abgangsentschädigungen waren bei der UBS noch höher

Die Geschichte erinnert an frühere Geldregen für gescheiterte UBS-Kader. Ex-CEO Peter Wuffli, Ex-Finanzchef Clive Standish und Ex-Investmentbankchef Hew Jenkins erhielten nach ihrem Abgang im 2007 ein Total von 61 Millionen Franken für die zwei Folgejahre. Wuffli verzichtete später auf 12 Millionen. Im 2008 waren Ex-Präsident Marcel Ospel, sein Vize Stephan Haeringer und sein VR-Risikochef Marco Suter an der Reihe.

Ihnen wurden insgesamt 43 Millionen für die Jahre 2008 und 2009 gutgeschrieben, von denen sie nach einem freiwilligen Verzicht 10 Millionen bezogen.

Scheinheiliger Verweis auf Risiko und Leistung

Wenn es um die Millionensaläre im globalen Investmentbanking geht, ist von seiten der Banken viel die Rede von Leistung, Erfolg und Risiko. Das Beispiel von Jerker Johansson zeigt stellvertretend für die Branche, dass davon keine Rede sein kann.

Erstens kann bei einem 13-monatigen Engagement keine Rede von Erfolg sein. Ob zu Recht oder Unrecht – Johansson musste nach kurzer Zeit sein Büro räumen. Dies aber kostete ihn zweitens ein müdes Lächeln. Denn an seinem prall gefüllten Salär- und Bonuspaket änderte das kurze Gastspiel nichts. Johansson hat für jeden seiner Monate bei der UBS rund 1 Million Franken kassiert.

Die grossen Handelshäuser in den USA, aber auch die Schweizer UBS und CS, verweisen bei den Megalöhnen für ihre Investmentbanker gerne auf den gesperrten Teil der Boni. Viel werde in Aktien und Optionen ausgeschüttet, die eine Zeitlang gesperrt seinen. Damit würden die hochbezahlten Cracks einerseits bei der Stange gehalten, andererseits würden sie nicht zu übermässigen Risiken nach dem Motto «Nach mir die Sintflut» verleitet. Die Bankenaufsichten aller Länder legen inzwischen grossen Wert auf solche Aktien- und Optionspläne mit Zeitzünder, damit nicht wieder mit irrwitzigen Wetten die Finanzwelt an den Abgrund geführt wird.

Innovativ bei den eigenen Entschädigungen

Doch die Realität hat nichts mit solch heren Absichten zu tun. Will eine Grossbank einen Topmanager von der Konkurrenz abwerben, muss sie diesen oft aus den Fesseln des alten Arbeitgebers freikaufen. In Global-Banking herrscht ein Transfersystem mit umgekehrten Siegern. Nicht der Klub ist der Gewinner, sondern der Banker, in unserem Beispiel Jerker Johansson.

Kein Wunder, will die Politik weltweit die Schraube bei den Vergütungssystemen im Investmentbanking anziehen. Allerdings dürfte der Branche auch in Zukunft den Weg finden, um solche Restriktionen zu umgehen. An dieser Art von Innovation hat es ihr noch nie gefehlt.

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