Prozessauftakt: Wie manipuliert war die Challenge League?
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ProzessauftaktWie manipuliert war die Challenge League?

Wie tief steckte die zweithöchste Schweizer Fussballliga im Wettsumpf? Drei Spieler und ein mutmasslicher Drahtzieher müssen sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten.

Vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona müssen sich ab Donnerstag drei Fussballer und eine weitere Person wegen Beteiligung an einem internationalen Wettbetrug verantworten. Sie sollen im Jahr 2009 dazu beigetragen haben, Spiele unter anderem der Challenge League zu manipulieren.

Die drei Fussballer von Schweizer Vereinen und der vierte Angeklagte seien von einer international agierenden Tätergruppe angeworben worden, heisst es in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft. Bei den Spielern handelt es sich um die beiden Goalies Darko Damjanovic und Christian Leite (damals Gossau) sowie David Blumer (damals Thun und Wil). Ebenfalls vor Gericht steht der mutmassliche Drathzieher Mate B.

Im Vorfeld zu mehreren Runden der Challenge League sowie zu einigen Testspielen in der Schweiz sollen mit ihnen Absprachen im Hinblick auf einen gewünschten Spielausgang getroffen worden sein. Die Spieler hätten als Torhüter und Stürmer mehrfach dafür gesorgt, dass die jeweils gegnerische Mannschaft gewann.

Dies habe den Komplizen - den eigentlichen Drahtziehern des Betrugs - unrechtmässige Gewinne durch Wetteinsätze verschafft. Der vierte Angeklagte, der in einem verkürzten Verfahren vor dem Bundesstrafgericht steht, soll als Anwerber und Spielbeobachter aufgetreten sein.

Bedingte Freiheitsstrafe beantragt

Für ihn hat die BA bereits eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten und eine Ersatzforderung von 7000 Franken beantragt, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Gemäss den Regeln des abgekürzten Verfahren stimmte der Angeklagte dem Strafmass schon zu. Das Gericht muss das Urteil noch absegnen.

Im Einzelnen wird den Beschuldigten gewerbsmässiger Betrug, versuchter gewerbsmässiger Betrug, Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug und Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug vorgeworfen.

Gemäss Anklage haben die vier Personen in unterschiedlicher Weise finanziell von dem Betrug profitiert. Für ein erfolgreich manipuliertes Spiel sollen ihnen jeweils zwischen 1700 und 12 000 Franken ausgezahlt worden sein.

Die Angeklagten erscheinen am Donnerstag und Montag in drei getrennten Verfahren vor dem Gericht. Das Urteil wird in allen vier Fällen am 13. November erwartet.

Elf Beschuldigte in der Schweiz

Insgesamt hatte die BA gegen elf Beschuldigte, darunter neun Fussballspieler, ein Strafverfahren eröffnet. Zwei der Verfahren wurden eingestellt. Fünf Spieler wurden per Strafbefehl zu bedingten Geldstrafen verurteilt.

Der internationale Wettskandal im Fussball flog im Jahr 2009 auf. Der Hauptbeschuldigte, ein Deutsch-Kroate, wurde im Mai 2011 wegen gewerbsmässigen Betrugs in Bochum zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Mann und zwei Mittäter hatten gestanden, Spiele in sechs Ländern manipuliert zu haben. Meistens wurden hohe Einsätze auf Schluss- oder Halbzeitresultate gewettet. Betroffen waren auch das U21-EM-Qualifikationsspiel Schweiz-Georgien vom November 2009 oder das Europa-League-Spiel FC Basel-CSKA Sofia im gleichen Monat. (sda)

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