Afrika-Cup für Anfänger: Wie mich der Präsident stundenlang warten lässt
Aktualisiert

Afrika-Cup für AnfängerWie mich der Präsident stundenlang warten lässt

Geschafft. Ich bin in Angola. Kurz nach der Ankunft geht allerdings gar nichts mehr: Denn der Präsident will ins Stadion und der Verkehr bricht total zusammen. Immerhin bin ich gut neun Stunden nach der Landung in meiner Unterkunft.

von
Reto Fehr
Luanda
Die Ankunftshalle in Luanda. Ein kahler Raum ohne jegliche Verpflegungsmöglichkeit.

Die Ankunftshalle in Luanda. Ein kahler Raum ohne jegliche Verpflegungsmöglichkeit.

Es hat alles geklappt am Zoll. Dass meine Passnummer im Visum nicht mit derjenigen des Dokuments übereinstimmt, hat keinen interessiert. Aber es gibt doch ein Problem: Niemand ist da, um mich abzuholen. Bertrand, mein Gastgeber, ruft an: «Ich habe jemanden geschickt. Aber der Stau ist heute schlimmer als normal. Ich kann dir nicht sagen, wann er kommt.» Also bleibe ich fürs Erste in der kahlen Ankunftshalle. Es gibt keinen Laden, um Verpflegung zu kaufen, draussen wartet eine Horde inoffizieller und unsicherer Taxifahrer. Wenigstens werde ich hier drin nicht von diesen umzingelt. Und selbst wenn ich mich einem von ihnen anvertrauen würde, ich weiss ja trotzdem nicht, wohin ich müsste.

Wie ich herausfinde, hat der Megastau einen wichtigen Grund: Der angolanische Präsident José Eduardo dos Santos möchte an die Eröffnungsfeier. Damit er ohne Unannehmlichkeiten reisen kann, hat man den Verkehr zu einem grossen Teil gestoppt. Dreieinhalb Stunden warte ich am Flughafen. Dann findet mich João, mein Fahrer. Spontan beschliessen wir, das Eröffnungsspiel zu besuchen. Wie durch ein Wunder finde ich mich rund zwei Stunden später im Stadion wieder.

Vom Touristen zum Haussitter

Auf dem Heimweg gesellt sich Markus zu uns. Ein Deutscher, der ebenfalls für einige Tage bei Bertrand, welchen ich noch immer nicht gesehen habe, wohnt. Um 00.30 Uhr treffen wir in dessen Wohnung ein. Markus zeigt mir, wo der Schlüssel ist und wo ich schlafen werde. Während wir uns Spaghetti kochen, kommt mein Gastgeber endlich. «Hallo! Schön, hat alles einigermassen geklappt», sagt er und fügt gleich an, «ich muss mit den Leuten vom französischen TV gleich wieder los.» Er werde daher auch nicht hier übernachten. Wir essen nur schnell mit ihm und zwei Dutzend Fliegen die Spaghetti auf der Terrasse. Dabei erklärt mir Bertrand das Wichtigste - wie zum Beispiel, was bei einem der immer wieder vorkommenden Stromausfälle zu machen ist. Ich soll ihn anrufen, falls ich eine Frage hätte. Er sei die nächsten zwei Tage in Cabinda. Kaum angekommen, bin ich also vom Touristen zum Haussitter geworden, denn Markus reist am frühen Morgen ebenfalls ab.

Nachdem ich am nächsten Tag in der Stadt einige Dinge erledigt habe, will ich zurück zur Unterkunft. Für die kurze Strecke muss ich ein Taxi nehmen. Die normalerweise rund zehn Minuten Weg kosten 20 Dollar. Doch aus zehn Minuten werden eineinhalb Stunden. Denn der Präsident möchte dummerweise genau in dem Moment von seinem einen Wohnsitz in der Stadt zum anderen fahren, weiss mein Chauffeur zu berichten. Es wäre schön, wenn ich in Zukunft wüsste, wann Herr dos Santos unterwegs ist.

Afrika-Cup für Anfänger

Unter der Rubrik nimmt Sie 20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr auf die Reise nach Angola an die Kontinentalmeisterschaften mit und berichtet – eine tägliche Internetverbindung vorausgesetzt – regelmässig aus Afrika. Das fängt bei der mühsamen Visumbeschaffung an, geht über die Unterkunftssuche bis hin zu den erhofften Erlebnissen und vermuteten Problemen im Land.

Unter der Rubrik nimmt Sie 20-Minuten-Online-Sportchef Reto Fehr auf die Reise nach Angola an die Kontinentalmeisterschaften mit und berichtet – eine tägliche Internetverbindung vorausgesetzt – regelmässig aus Afrika. Das fängt bei der mühsamen Visumbeschaffung an, geht über die Unterkunftssuche bis hin zu den erhofften Erlebnissen und vermuteten Problemen im Land.

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