Klimaschutz in Entwicklungsländern - Wie Mikrokredite in Afrika beim Umweltschutz helfen
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Klimaschutz in EntwicklungsländernWie Mikrokredite in Afrika beim Umweltschutz helfen

Die Kraft der kleinen Schritte: In Entwicklungsländern ermöglichen Kleinstkredite nicht nur den Kauf einer Kuh oder von Schulmaterial. Sie fördern auch den Umweltschutz – zum Beispiel mit Geld für gesunde Kochstellen.

von
Jan Graber
Mikrokredite als Teil des «Impact Financings» (ethische Investitionen) ermöglichen es Menschen in armen Ländern, sorgfältig mit ihrem Lebensraum umzugehen.

Mikrokredite als Teil des «Impact Financings» (ethische Investitionen) ermöglichen es Menschen in armen Ländern, sorgfältig mit ihrem Lebensraum umzugehen.

Clean Cooking Alliance

Darum gehts

  • Den Entwicklungsländern fehlt meist das Geld, um effizient gegen den Klimawandel vorzugehen.

  • Ein grosses Problem stellt das Kochen über offenem Feuer dar.

  • Eine Lösung bieten Mikrokredite, die den Menschen Investitionen in nachhaltigere Technologien ermöglichen.

  • Auch für Investoren aus den Industriestaaten ist das Mikrofinanzmodell attraktiv.

Der Kampf gegen den Klimawandel kostet Geld. Wie eine aktuelle Bankenstudie festgestellt hat, kommt das Ziel netto Null bis 2050 die Schweiz zwar günstiger zu stehen, als befürchtet. Milliardenbeträge fliessen aber dennoch.

Während solche Belastungen für die Industrienationen tragbar sind, fehlt Entwicklungsländern dafür das Geld. Damit die Welt aber gesundet, müssen auch dort die CO2-Emissionen massiv gesenkt werden. Einer der grossen Treiber der CO2-Emissionen sind hierbei veraltete Techniken und Gebräuche.

So kochen weltweit beispielsweise rund drei Milliarden Menschen auf offenen Feuern mit Holz, Kohle oder Dung. Mit absehbaren Problemen: Die Wälder werden übermässig abgeholzt, Kohlefeuer verpesten die Luft und die Gesundheit leidet (siehe Infobox). Durch die offenen Kochstellen entsteht ein Viertel aller direkten CO2-Emissionen weltweit.

Geld gibts nur bei einem guten Budgetplan

Doch wie sollen sich Menschen mit knapper Kasse einen neuen Kochherd leisten? Eine mögliche Lösung stellen Mikrokredite («Impact Financing» – ethische Investitionen) dar. Mikrokredite sind in vielen Entwicklungsländern die wichtigste Möglichkeit zum Überleben: Kleinbäuerinnen und ihre Familien erhalten von den Finanzinstituten vor Ort gegen Vorweisen eines verlässlichen Budgetplans Kleinstkredite, um sich beispielsweise eine Kuh oder einen neuen Backofen anzuschaffen.

«Die Kleinunternehmer bezahlen das Geld verzinst zurück – mit erfreulicher Rückzahlungsquote», sagt Roger Müller von Enabling Qapital. Das in Zürich ansässige Unternehmen ist ein Bindeglied zwischen westlichen Investoren und den Entwicklungsbanken vor Ort, die die Mikrokredite vergeben.

Zwar können auch Privatpersonen Geld einschiessen, zu den wichtigsten Investoren gehörten jedoch Versicherungen, Pensionskassen und Banken. «Weltweit gibt es rund 400 Mikrofinanzinstitute, die unseren Kriterien für eine Kreditvergabe entsprechen würden. Zudem arbeiten wir auch mit etlichen Entwicklungsbanken zusammen», sagt Müller.

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Die Clean Cooking Alliance will saubere Kochmöglichkeiten in den Entwicklungsländern fördern.

Die Clean Cooking Alliance will saubere Kochmöglichkeiten in den Entwicklungsländern fördern.

Clean Cooking Alliance
Kochen über offenem Feuer birgt nicht nur grosse gesundheitliche Risiken, … 

Kochen über offenem Feuer birgt nicht nur grosse gesundheitliche Risiken, …

Clean Cooking Alliance
… sondern führt auch zu überdurchschnittlicher Abholzung von Wäldern und zu einem Viertel der CO2-Emissionen weltweit.

… sondern führt auch zu überdurchschnittlicher Abholzung von Wäldern und zu einem Viertel der CO2-Emissionen weltweit.

Clean Cooking Alliance

Zuverlässige Rendite

Enabling Qapital vergibt durchschnittlich 3,2 Mio. Dollar an die 66 Mikrofinanzinstitute, mit denen das Unternehmen aktuell zusammenarbeitet. Im Durchschnitt beträgt ein Mikrokredit 1300 Dollar. «Oft verwalten Frauen das Geld», sagt Müller. Sie seien es, die sich meist stärker ums Familienwohl kümmern.

Mit den Krediten allein würde sich das Umweltbewusstsein allerdings nicht ändern. Dazu braucht es zusätzliche Anregungen. Einerseits wird deshalb auch in die Hersteller umweltfreundlicher Produkte vor Ort investiert. Diese haben ein Interesse daran, ihre Ware zu verkaufen.

Benötigt eine Bauernfamilie zudem einen Mikrokredit, setzt die Entwicklungsbank weitere Impulse und vergibt den Kredit zum Beispiel günstiger, wenn gleichzeitig in Solarpanele oder in eine saubere Kochstelle investiert wird.

Vom Investitionsmodell profitieren aber nicht nur die Ärmsten. Historisch gesehen konnten die Investoren laut Müller eine Rendite von jährlich bis zu fünf Prozent in Dollar erzielen. «99,5 Prozent aller Kreditnehmer bezahlen ihre Schulden zuverlässig zurück», sagt Müller und schliesst: «Auch die Schweiz wurde ursprünglich durch Mikrokredite gross».

Clean Cooking Alliance (CCA)

Weltweit kochen rund drei Milliarden Menschen über offenem Feuer. Dadurch sterben jährlich über 550'000 Menschen an Atemwegsproblemen. Die Umweltbelastung ist ebenfalls massiv. Deshalb wurde 2010 von der UNO die Clean Cooking Alliance (Globale Allianz für sauberer Kochherde) gegründet. Das Programm soll die Verbreitung sauberer Kochmöglichkeiten wie geschlossene Öfen, Biogas-Herde oder Solarkocher fördern – zusätzlich werden vor allem Frauen als Instruktorinnen ausgebildet. Der Erfolg des Programms basiert stark auf dem System der Mikrokredite.

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