Biografie: Wie Mirkas Schicksal zu Federers Glück beitrug
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BiografieWie Mirkas Schicksal zu Federers Glück beitrug

Die neue grosse Biografie über den Tennisstar stellt die unvollendete Karriere seiner Frau in ein neues Licht.

von
kai
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2003: Die Baselbieter Regierung richtet einen Empfang für Roger Federer aus. Mirka – damals Vavrinec – begleitet ihn. Und denkt in diesem Moment vielleicht gerade darüber nach, ob Roger mal die Haare schneiden sollte.

2003: Die Baselbieter Regierung richtet einen Empfang für Roger Federer aus. Mirka – damals Vavrinec – begleitet ihn. Und denkt in diesem Moment vielleicht gerade darüber nach, ob Roger mal die Haare schneiden sollte.

Keystone/Markus Stuecklin
2003: Roger stürzt bei der Ankunft in Wimbledon fotografenwirksam ein Glas Champagner. Mirka bleibt professionell nüchtern.

2003: Roger stürzt bei der Ankunft in Wimbledon fotografenwirksam ein Glas Champagner. Mirka bleibt professionell nüchtern.

Keystone/Yoshiko Kusano
2003: Zwei Wochen später posieren die beiden happy mit der Wimbledon-Trophäe.

2003: Zwei Wochen später posieren die beiden happy mit der Wimbledon-Trophäe.

AP/Anja Niedringhaus

Miroslava Vavrinec, besser bekannt als Mirka Federer, war in ihrer Jugend übermässig ehrgeizig, enorm trainingseifrig und wurde von ihren Eltern Miro und Dragomira gepusht. Dies erzählt ihr erster Trainer, der ehemalige türkische Davis-Cup-Spieler Murat Gürler, im soeben erschienenen Buch «Roger Federer, die Biografie».

«Ich merkte rasch, dass sie einen unglaublichen Ehrgeiz hatte. Und ich kenne niemanden, der so trainingsfleissig war wie sie», sagte Gürler, der Mirka vor allem in Weinfelden trainierte, dem Autor René Stauffer. «Wenn man ihr gesagt hätte: ‹Vor dem Training musst du einen Marathon laufen›, hätte sie das getan, ohne Wenn und Aber.» Aufgefallen sei ihm auch die starke Präsenz der Mutter. «Ich realisierte, dass Mirka von dieser Seite her stark unter Druck stand. Das war ihr Hauptproblem. Das hat sie blockiert, sie war oft zu verkrampft.» Die Mutter sei gegenüber Mirka auch laut geworden. «Vielleicht hätte sie sich etwas früher von den Eltern lösen sollen. Nachdem sie das getan hatte, spielte sie viel befreiter.»

Mirka hörte auf, Rogers Aufstieg begann

Mirkas Ehrgeiz und das harte Trainingsregime führten schon früh zu Verletzungen, derentwegen ihre Karriere zu Ende ging, noch bevor Federer 2003 erstmals Wimbledon gewann. «Es mutet schicksalhaft an, dass sie ihre sportliche Laufbahn genau dann abbrechen musste, als er den Durchbruch schaffte», schreibt Stauffer, seit 1993 Tennisexperte bei Tamedia. «Nur deshalb hatte sie sich nicht mehr um ihre eigenen Trainings, Turniere und Reisen zu kümmern, sondern war für ihn da, wo immer er sie brauchte.»

Fortan habe sie ihre Ambitionen in die Karriere ihres Freundes gesteckt. «Wenn er gewinnt, ist es, als ob ich auch gewinnen würde», sagte sie Stauffer 2004. «Roger gibt mir damit mein Tennisleben zurück.» Sie sei für Federer aber auch eine Wegbereiterin gewesen. «Im Gegensatz zu mir war sie eine extrem hart arbeitende Tennisspielerin», wird Federer zitiert. Fassungslos und voller Bewunderung habe er beobachtet, wie Mirka fünf, sechs Stunden konzentriert durcharbeiten konnte, während er schon nach einer Stunde das Interesse verloren habe. «Dadurch hat sie mich dazu getrieben, auch härter zu arbeiten. Ohne sie hätte ich diese Seite vielleicht nie kennen gelernt.»

Zuerst kaum wahrgenommen

Weil die inzwischen 41-jährige Mirka über drei Jahre älter ist, habe sie Federer vor den Sommerspielen 2000 in Sydney kaum richtig wahrgenommen, obwohl sie einst zwei Jahre in Basel Interclub gespielt habe. «Als Federer kurz vor seinem fünfzehnten Geburtstag sein Debüt in der höchsten Liga gibt, gehört die Achtzehnjährige bereits zu den Stützen des BLTC. Sie ist massgeblich daran beteiligt, dass der Club ein Jahr später den Meistertitel erringt», schreibt Stauffer. Und auch heute noch spiele sie eine kapitale Rolle in Federers Karriere, da sie ihn trotz vier Kindern zum Weiterspielen motiviere.

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