Fashion-Trends: Wie Modeblogs den Laufsteg regieren
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Fashion-TrendsWie Modeblogs den Laufsteg regieren

Inzwischen sind es nicht mehr die Journalisten und grossen Einkäufer, die bei Modeschauen in der ersten Reihe sitzen – es sind die Modeblogger. Sie entscheiden über Fashion-Flops und grosse Trends.

von
Madeleine Sigrist

Gehören Moderedakteure bald zur aussterbenden Spezies? Diese bekommen auf jeden Fall Konkurrenz von einer neuen Generation: den Modebloggern. Die Berichte der Hobby-Schreiber sind eine Mischung aus Selbstdarstellung, Dabeisein und natürlich einem Feedback an die Designer, von denen sie mit grosszügigen Geschenken milde gestimmt werden. Die Leser dieser Blogs fühlen sich verstanden, vertrauen dem Urteil der Nicht-Designer blind.

Die 14-jährige «Inspiration» der Modewelt

Eine dieser Bloggerinnen ist Tavi Gevinson aus Chicago. Und obwohl das Mädchen erst 14 Jahre alt und hauptberuflich Schülerin ist, wird sie und ihr Blog «Style Rookie» genauso ernst genommen wir ihre mittlerweile bekannten Kollegen Yvan Rodic, Bryanboy oder Grechen Cohen.

Mit süssen 12 Jahren hatte Tavi angefangen, ihren Blog zu führen. «Well, I am new here», war der erste schüchterne Satz von dem Mädchen mit der biederen Brille. Seither schmückt sie ihren Blog mit den neuesten Kollektionen der Star-Designer und erklärt, welche Frisuren im Moment angesagt sind und welche Ringelsöckchen derzeit total out sind.

Inzwischen wird Tavi Gevinson zu den grossen Mode-Events eingeladen und darf auch mal neben Anna Wintour, der Chefredakteurin der amerikanischen Mode-Bibel «Vogue», Platz nehmen. Dasha Zhukova, die neue Chefin des Lifestyle-Magazins «Pop» beschreibt das zierliche Mädchen sogar als «intelligent, modekompetent und cool»: «Kurz gesagt: Sie ist eine Inspiration!»

«Niemand ist mehr von der Mode ausgeschlossen»

Modeblogger sind vor allem so beliebt, weil sie die gezeigten Outfits ganz nach ihrem eigenen Geschmack bewerten. «Die Leser mögen sie, weil sie nicht in dieser PR-Sprache geschrieben sind», sagt auch Qin Di, ein Grafiker und Blogger gegenüber der News-Seite «english.people.com». Dazu kommt auch, dass Fashion-Blogs gratis sind und niemals Redaktionsschluss haben. Auch Designer schätzen die Schreiberlinge, schliesslich könnte es keine günstigere Werbung für ihre neuen Kollektionen geben. «Bloggen demokratisiert das Business», so Gabbana nach seiner letzten Show. «So können wir viel mehr Leute erreichen. Niemand ist mehr von der Mode ausgeschlossen.»

Printmedien vs. Modeblogs

Doch nicht allen passt der Einfluss der jungen Blogger auf die Mode-Szene. Zwar freute sich «Vogue»-Chefin Anna Wintour laut «Gawker.com» darüber, dass das Thema Fashion auch im Internet immer mehr zum Thema wird, trotzdem zweifelt sie an der fachlichen Kompetenzen der Blogger: «Ich glaube, dass dieses neue Phänomen, dass 'jedermann ein Mode-Redakteur und Modeautor' sein will, in der Tat 'Vogue' hilft. Denn wir haben einen Zugang und ein Verständnis für Mode, das, verzeihen Sie, einige Blogger in dieser Welt nicht haben», so Wintour.

Dass sich Journalisten von den Bloggern bedroht fühlen, glaubt «Annabelle»-Moderedakteurin Andrea Bornhauser jedoch nicht: «Blogs werden immer schneller, persönlicher und wegen ihrer Unabhängigkeit auch frecher sein, dafür gibts in den Printmedien mehr fundierte Hintergrundinfos, Interviews und schöne Bildstrecken. Es gibt genug Platz für beide Medien». Bornhauser ist sich auch sicher, dass sich viele Schweizer für Fashion-Blogs interessieren: «Modeblogs wie die von Tavi Gevinson, Sartorialist oder Facehunter sind bei Modefans weltweit beliebt, egal ob in der Schweiz oder in den Staaten».

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