Taktik-Fuchs: Wie Mourinho Barça austrickste
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Taktik-FuchsWie Mourinho Barça austrickste

Und wieder einmal hat José Mourinho alles richtig gemacht. Mit einem Griff in die Taktik-Trickkiste hat er Barça den Wind aus den Segeln genommen und alle Kritiker verstummen lassen.

von
pre

Mit einer ultra-defensiven Aufstellung schickte José Mourinho seine Mannschaft am vergangenen Samstag in den ersten von vier Clásicos. Seine Taktik: Mit einem massierten Abwehr-Bollwerk wollte «The Special One» dem Barça-Kombinationsspiel entgegentreten und verhindern, dass sich Räume für die pfleilschnellen Villa, Messi & Co. öffnen.

Mit dem 1:1 konnte Real zwar die Serie von fünf Niederlagen am Stück beenden und die Doppeldemütigung (0:5 im Hinspiel) verhindern, doch Kritik hagelte es trotzdem. Kein Wunder: Die Katalanen hatten fast 80 Prozent Ballbesitz und führten Real phasenweise vor. «Barça ist der Löwe, Madrid nur eine Maus», wetterte Real-Legende Alfredo Di Stefano über die Igeltaktik von Mourinho. Und Ex-Barça-Trainer Johan Cruyff behauptete der Portugiese sei ein «Titel-, aber kein Fussballtrainer».

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Real wie verwandelt

Mourinho reagierte - aus Trotz oder weil auch er gesehen hat, dass Barça so nicht zu schlagen ist. Egal... Im Final der Copa del Rey sah man ein völlig anderes Real Madrid. Von Einigelung war nichts mehr zu spüren. Mesut Özil, der für Benzema spielte, brachte frischen Wind, Di Maria wirbelte auf dem Flügel und Ronaldo war wie immer ein steter Gefahrenherd. Barças «Tiki Taka» wurde mit frühem Pressing und äusserst aggressivem Zweikampfverhalten schon im Keime erstickt. Barça wirkte etwas geschockt und fand während der ersten 45 Minuten überhaupt nicht ins Spiel. Real hatte ein deutliches Chancenplus.

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Wie verwandelt kam nun Barça aus der Kabine. Pep Guardiola hatte seine Mannen wach gerüttelt und offenbar auf die veränderte Taktik von Mourinho hingewiesen. Jetzt entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Vorteilen für Barça. Real konzentrierte sich aufs Kontern. Mit Erfolg: In der 103. Minute erzielte Cristiano Ronaldo den einzigen Treffer in der Verlängerung und José Mourinho durfte sich von seinen Spielern feiern lassen. Immer wieder wurde der Erfolgscoach in die Höhe geworfen und wieder aufgefangen.

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Mourinho: «Ich bin der Coach und entscheide»

Mourinho konnte seine Genugtuung nach der Partie nicht verbergen. «Wir haben alles richtig gemacht. Der Cup-Erfolg bringt jedoch nur ein bisschen Ruhe, nicht mehr. Ich werde meine Arbeit fortsetzen. Die Leute können sagen, was sie wollen. Ich bin der Coach und entscheide, wie wir spielen. Ich versuche immer das Beste für meine Spieler», so der Portugiese.

Einen kleinen Seitenhieb gegen seine Kritiker durfte natürlich auch nicht fehlen. «Es ist immer schön, eine Trophäe zu gewinnen. Kürzlich hat mich einer Titel-Trainer genannt - danke, das mag ich. Ich versuche meine Arbeit so gut als möglich zu erledigen. Nun bin ich müde, aber sehr zufrieden», sagte der Portugiese erleichtert und verschwand zur grossen Pokalsause. (pre/si)

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