Aktualisiert 03.08.2014 20:05

Psychologie Wie Mütter Ängste über Generationen vererben

Wenn Frauen traumatische Erfahrungen machen, fürchten sich ihre Kinder später oft vor ganz ähnlichen Dingen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Angstschweiss der Mütter.

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Aus Tests mit Ratten schliessen Forscher, warum sich mütterliche Ängste auf ihre Kinder übertragen.

Aus Tests mit Ratten schliessen Forscher, warum sich mütterliche Ängste auf ihre Kinder übertragen.

Angst vor Spinnen, engen Räumen oder Männern: Leiden Frauen aufgrund eines traumatischen Erlebnisses an einer Phobie, treten bei ihren Kindern häufig ganz ähnliche Ängste auf. Selbst Enkel können davon betroffen sein. Wie Angst von Generation zu Generation vererbt wird, haben Forscher der Universitäten von Michigan und New York nun herausgefunden.

Für die Studie arbeitete das Team um Jacek Debiec und Regina Marie Sullivan mit weiblichen, nicht-trächtigen Ratten. Dabei wurde der Geruch von Pfefferminze mit leichten Stromstössen verknüpft. Auf diese Weise entwickelten die Nager eine Abneigung gegen den Geruch.

Als die Tiere später Nachwuchs bekamen, wurden sie dem Minzeduft erneut ausgesetzt - jedoch ohne noch einmal geschockt zu werden. Aber auch ohne diesen Negativ-Reiz übertrug sich die Angst der Mütter auf die nur wenige Tage alten Jungtiere, berichten die Forscher in den «Proceedings of the National Academy of Sciences».

Mutter muss nicht einmal anwesend sein

Ein weiteres Experiment zeigte, dass dafür noch nicht einmal die Anwesenheit der Muttertiere erforderlich war. Es genügte, dass die Forscher den Geruch des mütterlichen Angstschweisses in den Käfig des Nachwuchses leiteten und mit Minzeduft koppelten, um die Jungen unruhig werden zu lassen.

«Während der ersten Tage sind kleine Ratten immun gegen Informationen zu Umweltgefahren», zitiert die Hochschule Jacek Debiec in einer Mitteilung. «Aber wenn ihre Mutter die Quelle der bedrohlichen Information ist, können sie von ihr lernen und dauerhafte Erinnerungen bilden.»

Die mütterliche Angst wirke dabei überraschend stark nach, so der Forscher weiter. So hätte bereits eine einzige Konfrontation mit dem Schweiss im Alter von 13 Tagen für eine 30 Tage anhaltende Furcht gesorgt. Dies sei offenbar auf eine verstärkte Aktivierung der Hirnregion Amygdala zurückzuführen, die massgeblich an der Entstehung von Angst beteiligt ist - denn erhielt der Nachwuchs einen Amygdala-Blocker, wurde die Angst nicht übertragen.

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