Mutterschaftsurlaub: Wie Mütter um ihre Stelle kämpfen müssen
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MutterschaftsurlaubWie Mütter um ihre Stelle kämpfen müssen

Vielen frischgebackenen Müttern wird bei der Rückkehr in den Job gekündigt. Diese Vorkehrungen können helfen.

von
Dorothea Vollenweider

Es ist der Albtraum einer jeder erwerbstätigen Mutter: Marie Meier* kehrt nach dem Mutterschaftsurlaub ins Büro zurück, um ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Sie will weiterhin 100 Prozent arbeiten. Die Betreuung für ihr Kind hat sie dem entsprechend organisiert. Doch zehn Tage nach dem Wiedereintritt sucht der Vorgesetzte das Gespräch mit ihr. Ohne Vorwarnung wird ihr gekündigt – «aus wirtschaftlichen Gründen», wie es heisst. Meier ist fassungslos, zumal ihr während der Schwangerschaft sogar noch schriftlich bestätigt wurde, dass ihr nach dem Mutterschaftsurlaub nicht gekündigt werde.

Meiers Geschichte ist längst kein Einzelfall: Rund einmal im Monat meldet sich bei der Unia Genf eine betroffene Mutter, der Ähnliches widerfahren ist, wie «Le Matin Dimanche» berichtet. Es handelt sich dabei nicht etwa um Fälle, wo die Mutter eine Reduktion des Pensums beantragt hat, die die Firma nicht gewährleisten konnte. Sondern um Frauen, die ihr 100-Prozent-Pensum wieder aufnehmen wollten.

Vorurteile und veraltete Rollenbilder

Rechtlich gesehen ist ein solches Vorgehen nicht anfechtbar. Doch für Markus Grutsch, Arbeitspsychologe der Fachhochschule FHS St. Gallen, ist es unverständlich, wie es dazu kommen kann, dass eine Mitarbeiterin nach dem Mutterschaftsurlaub ohne Vorwarnung entlassen wird. «Üblich ist, dass man das weitere Vorgehen nach dem Mutterschaftsurlaub bereits während der Schwangerschaft bespricht», so Grutsch zu 20 Minuten. Wenn einer frischgebackenen Mutter aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt werde, sei das oft nur ein vorgeschobener Grund. «In Wahrheit stecken dahinter veraltete Rollenbilder oder das Vorurteil, dass Mütter keine zuverlässige Mitarbeiter sind.»

Eine Fehleinschätzung, weiss nicht nur der Arbeitspsychologe. «Die Arbeitgeber teilen die Erkenntnisse, wonach erwerbstätige Mütter unter anderem Expertinnen in Sachen Teamwork, guter Organisation, Erfindungsreichtum und Kreativität sein können», sagt Fredy Greuter vom Schweizerischen Arbeitgeberverband.

Das können Mütter tun

Ob eine Mitarbeiterin ihre Stelle nach dem Mutterschaftsurlaub wieder antreten kann oder nicht, ist nicht nur von ihr abhängig. Entscheidend ist auch, dass Unternehmen eine flexible Struktur aufweisen sowie Teilzeitstellen oder Home Office zulassen. Doch auch die Mütter selbst können etwas tun, um ihre Chancen zu erhöhen. 20 Minuten hat fünf Tipps zusammengestellt:

Absichtserklärung erstellen

Schon während der Schwangerschaft sollte ein erstes Gespräch mit dem Arbeitgeber stattfinden. «Ziel muss sein, das künftige Arbeitspensum zu besprechen», so Grutsch. So können beide Seiten ihre Erwartungen mitteilen und eine gemeinsame Lösung anstreben.

Gesprächstermine vereinbaren

Vor dem Mutterschaftsurlaub sollte ein weiterer Gesprächstermin mit dem Arbeitgeber nach der Geburt festgelegt werden.

Kommunikationsform festlegen

Nicht nur der Zeitpunkt, auch die Form der Kommunikation sollte klar definiert sein. «Ob man telefonisch oder per E-Mail in Kontakt bleibt, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass frischgebackene Mütter nicht in der Versenkung verschwinden», so Grutsch.

Stippvisite im Büro

Kurz vor dem Arbeitsantritt könnte die Mutter eine Stippvisite im Büro einplanen. «Sie kann sich so über neue Projekte und Aufgaben informieren, die bei der Rückkehr auf sie zukommen könnten.»

Transparent bleiben

Sollte etwas nicht wie geplant laufen – sei es beispielsweise bezüglich dem Betreuungsplatz oder der Gesundheit des Babys – sollte die Mutter das sofort kommunizieren.

*Name geändert

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