Ökologisch: Ist deine Zimmerpflanzen-Sammlung nachhaltig?

So eine Zimmerpflanzen-Sammlung ist weniger grün, als man annimmt. Wir zeigen dir, wo du auf Nachhaltigkeit achten kannst.

So eine Zimmerpflanzen-Sammlung ist weniger grün, als man annimmt. Wir zeigen dir, wo du auf Nachhaltigkeit achten kannst.

Cottonbro/Pexels
Publiziert

Urban JungleWie nachhaltig ist deine Zimmerpflanzen-Sammlung?

Der Weg vom Gewächshaus, Plastiktöpfe und die richtige Erde: So grün sind deine Zimmerpflanzen wirklich.

von
Meret Steiger

In den vergangenen zwei Jahren ist die Nachfrage nach Zimmerpflanzen massiv angestiegen, Hashtags wie #plantlover oder #plantcollection zeigen Tausende von begrünten Wohnungen. Während die Pflanzensammlung einen positiven Einfluss auf das Gemüt haben kann und deine Räume heimeliger macht, ist sie nicht so grün, wie man meinen könnte.

Hast du eine Zimmerpflanzen-Sammlung?

Pflanzen-Meilen

Als Plant Miles bezeichnet man den Weg, den die Pflanze zurücklegen muss, bis sie bei dir zu Hause steht. Die meisten Pflanzen, die in der Schweiz verkauft werden, stammen aus dem Ausland – viele davon aus den Niederlanden, einige aber auch vom afrikanischen Kontinent oder anderen weit entfernten Orten. So haben viele dieser Pflanzen lange Reisen hinter sich.

Tropische Pflanzen haben meist einen langen Weg hinter sich, wenn sie in deinem Wohnzimmer stehen.

Tropische Pflanzen haben meist einen langen Weg hinter sich, wenn sie in deinem Wohnzimmer stehen.

PantherMedia / Amelia Martin

Ein kleiner Lichtblick: Da die Pflanzen mehrheitlich in grösseren Mengen verschifft werden, ist der ökologische Fussabdruck einer einzelnen Pflanze überschaubar. Tatsächlich seien die Wege, die die Pflanze im Inland zurücklege, oft schlimmer, sagt der Ethnobotaniker James Wong gegenüber «The Guardian»: «Wenn du zum Gartencenter fährst, dann sind die Emissionen deines Autos höchstwahrscheinlich höher als diejenigen, die die Pflanze auf ihrer bisherigen Reise generiert hat.»

Das Problem mit dem Plastiktopf

Pflanzen aus dem Gewächshaus kommen normalerweise in einem Plastiktopf. Da die wenigsten dieser Töpfe recycelt werden, sind sie ein Problem.

Pflanzen aus dem Gewächshaus kommen normalerweise in einem Plastiktopf. Da die wenigsten dieser Töpfe recycelt werden, sind sie ein Problem.

Pexels / Cottonbro

Die meisten Zimmerpflanzen, die du in einem Laden kaufst, kommen in einem (meist zu kleinen) Plastiktopf. Diese Töpfe sind alles andere als nachhaltig und sorgen bei der Entsorgung für grosse Mengen an Abfall. Es gibt bereits Unternehmen, die auf abbaubare Töpfe setzen – oder die Pflanzen direkt in dekorativen Steintöpfen verkaufen. Wenn du Pflanzen online bestellst und zu dir liefern lässt, kommt meist noch zusätzliches Verpackungsmaterial dazu und nicht alles davon lässt sich recyceln.

Torfhaltige Erde

Ein weiteres Problem in Sachen Nachhaltigkeit ist die Erde, in der deine Pflanze wächst. Obwohl Torfabbau ein bekanntes Umweltproblem ist und der Abbau in der Schweiz seit 1987 verboten ist, werden immer noch viele Pflanzen in Erde mit Torf herangezogen. So etwas wie eine Deklarierungspflicht gibt es bei den Zimmerpflanzen nicht, du als Käufer oder Käuferin weisst also nicht, wie viel Torf im Topf ist.

Torfhaltige Erde ist schlecht für die Nachhaltigkeit deiner Zimmerpflanzen.

Torfhaltige Erde ist schlecht für die Nachhaltigkeit deiner Zimmerpflanzen.

Pexels / Cottonbro

Generell brauchen die Aufzucht und die Pflege von exotischen Pflanzen meist sehr viel Energie, auch wenn man den Transportweg nicht mit einberechnet: Gewächshäuser müssen für tropische Pflanzen entsprechend aufgeheizt werden und es braucht teilweise grössere Mengen Wasser. Gemessen daran, dass einige dieser Pflanzen bei ihren neuen Besitzerinnen und Besitzern keine zwei Monate überleben, ist das eine echte Verschwendung.

Selbst Pflanzen vermehren

Wenn du dir jetzt um deinen eigenen Fussabdruck Sorgen machst, musst du deswegen aber nicht auf Zimmerpflanzen verzichten. Mit ein paar kleinen Tricks kannst du die Emissionen reduzieren – und deinen grünen Daumen trotzdem voll ausnutzen. Grundsätzlich gilt: Je lokaler und einheimischer die Pflanze ist, desto besser. Nicht nur, weil der Transportweg fast ganz wegfällt, sondern auch, weil solche Pflanzen eine höhere Überlebenschance haben. Allerdings wird die Auswahl deutlich kleiner.

Aus Stecklingen neue Pflanzen ziehen: Das ist gar nicht so schwer. Deine neuen Pflänzchen kannst du vielleicht auch mit Freunden, Freundinnen und Bekannten tauschen und so nachhaltig zu einer gut durchmischten Pflanzensammlung kommen.

Aus Stecklingen neue Pflanzen ziehen: Das ist gar nicht so schwer. Deine neuen Pflänzchen kannst du vielleicht auch mit Freunden, Freundinnen und Bekannten tauschen und so nachhaltig zu einer gut durchmischten Pflanzensammlung kommen.

Pexels / Sasha Kim

Ausserdem kannst du deine eigene kleine Gärtnerei eröffnen: Diverse Pflanzen lassen sich ganz einfach vermehren. Du kannst ausserdem torffreie Blumenerde kaufen (oder dir selbst anmischen) und deine Pflanzen mit Regenwasser giessen, um ihre Nachhaltigkeit zusätzlich zu verbessern. Wenn du einen nicht ganz so grünen Daumen hast, lohnt es sich auch, auf besonders zähe Pflanzen zu setzen, die es dir auch mal verzeihen, wenn du sie eine Weile vergisst.

Welche ist deine liebste Zimmerpflanze?

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