Hindu-Nationalist: Wie Narendra Modi die Wahl in Indien gewann
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Hindu-NationalistWie Narendra Modi die Wahl in Indien gewann

Bei der jungen Wählerschaft punktet er mit Versprechen auf Arbeitsplätze, zeigt sich moderner Technologie gegenüber aufgeschlossen. Ausserdem gilt Narendra Modi als unbestechlich.

Die hindu-nationalistische BJP von Narendra Modi hat die Parlamentswahl in Indien klar gewonnen. Nach den am Freitag bekanntgegebenen vorläufigen Wahlergebnissen kommt die Partei auf eine absolute Mehrheit und kann alleine regieren.

Im Folgenden einige Faktoren, die zu dem deutlichen Sieg über die bislang regierende Kongresspartei beitrugen.

Attacke auf Kongresspartei wegen festgefahrener Projekte

Das einst beeindruckende Wirtschaftswachstum Indiens, das in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt über acht Prozent lag, verlangsamte sich im vergangenen Jahr auf unter fünf Prozent. Die Inflation stieg.

Die BJP und ihr Spitzenkandidat Modi konzentrierten sich im Wahlkampf auf die Wirtschaft und attackierten die Kongresspartei für festgefahrene Entwicklungsprojekte. Zugleich priesen sie Modis Bundesstaat Gujarat als Erfolgsmodell an.

Tatsächlich fiel das Wirtschaftswachstum von Gujarat im Vergleich zu anderen indischen Bundesstaaten nur mittelmässig aus. Modis Botschaft kam dennoch bei einer Wählerschaft an, die sich nach Wandel und einer Aufwärtsbewegung sehnte. Zudem hatte Modi die Unterstützung indischer Unternehmenschefs. Er wurde als entschlussfreudiger Verwalter gesehen, der benötigt werde, um das industrielle Wachstum wiederzubeleben.

Korruption: Modi wahrte seinen guten Ruf

Inder sind frustriert über die fortdauernde Kultur der Korruption, die auf allen Regierungsebenen anzutreffen ist – von Bürokraten, die Bestechungsgelder für einfache Dienstleistungen fordern, bis hin zu Abgeordneten, die in grosse Skandale um öffentliche Gelder verwickelt sind.

Zwar waren auch einige BJP-Mitglieder in Skandale involviert, doch Modi und sein Ruf sind diesbezüglich unbeschädigt geblieben. Wähler glauben, dass der 63-Jährige über die politische Stärke verfügt, gegen korrupte Tendenzen innerhalb der Regierung vorzugehen.

Versprechen von Arbeitsplätzen

Die indische Wählerschaft ist sehr jung. Die Hälfte der rund 814 Millionen Wahlberechtigten ist unter 35 Jahre und vor allem an der Sicherung von Arbeitsplätzen interessiert.

Weiter führten die BJP und Modi einen Wahlkampf, der sich stark an der Technologie orientierte. Auf Wahlkampfveranstaltungen erschien Modi mitunter als Hologramm. Seit Jahren ist er täglich beim Kurznachrichtendienst Twitter unterwegs. Damit steht er im Kontrast zu seinem grössten politischen Rivalen, Rahul Gandhi von der Kongresspartei. Dieser hatte Twitter den Rücken gekehrt. Seine Partei ist zudem erst seit diesem Jahr auf Twitter aktiv.

Modi baut neue Strasse, verspricht moderne Häfen

Die schlechten Strassen und Häfen Indiens sowie der Mangel an ausreichender Stromversorgung standen weit oben auf der Liste von Problemen, die Unternehmensprojekte behindern. Auch für Wähler sind dies wichtige Anliegen. Ein Drittel der Wählerschaft lebt inzwischen in Städten.

Im Staat Gujarat machte Modi Verbesserungen der Infrastruktur zu einer Priorität. Er liess Tausende Kilometer Strassen bauen und zog Investitionen für den Aufbau einer der grössten modernen Häfen des Landes an. Er kündigte an, als Ministerpräsident diesen Fokus beizubehalten. (sda)

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