Schweizer Pharma-Erfolge: Wie «Nonnen-Pippi» die Fruchbarkeit beeinflusst
Aktualisiert

Schweizer Pharma-ErfolgeWie «Nonnen-Pippi» die Fruchbarkeit beeinflusst

Die Schweiz ist ein kleines Land mit grossen, pharmazeutischen Errungenschaften. Manche wurden durch puren Zufall entdeckt - eine sogar im Urin.

Forschung ist nicht nur das blosse Hantieren mit komplizierten Formeln: Forschung ist zu einem nicht unwesentlichen Teil Phantasie und jede Menge Zufall.

Letzterem ist zu verdanken, dass Tausende von Menschen mit transplantierten Organen auf ein langes Leben hoffen dürfen. Alles begann in den Sommerferien des Jahres 1969: Peter Frey, Mitarbeiter eines Schweizer Pharmakonzerns, nahm an seinem Ferienort einige Bodenproben und brachte sie bei seinem Arbeitgeber zur Analyse ins Labor. Das war so üblich - schliesslich konnte man ja nie wissen, auf welche noch unentdeckten Substanzen man an fernen Orten stossen könnte. Und tatsächlich: Basler Forscher fanden einen Pilz, der zum Wirkstoff Ciclosporin wurde und in der Transplantationsmedizin zum Einsatz kommt. Das Medikament Sandimmun war geboren.

Von Nonnen-Urin zum Kindersegen

Mit viel Phantasie ging der römische Chemiker Piero Donini ans Werk: Er stiess im Urin von Frauen, die bereits die Wechseljahre hinter sich hatten, auf einen interessanten Stoff: Er extrahierte eine Substanz, die im Tierversuch bei Mäusen die Reifung von Eizellen stimulierte. Zur Überraschung des Forschers half der Wirkstoff auch beim Menschen. Aus kinderlosen Paaren wurden glückliche Eltern. Nur gab es ein Problem: Für die Herstellung nur eines Medikaments wurden zwischen zwei bis drei Liter Frauenurin verwertet. Nonnen in italienischen Klöstern halfen und gaben regelmässig Urinspenden ab. Als schliesslich weltweit rund 600 000 Spenderinnen mobilisiert werden mussten, um der ständig wachsenden Nachfrage beizukommen, nahmen Schweizer Wissenschaftler das Heft in die Hand: Mittels Gentechnik schafften sie es, Zellen so zu verändern, dass sie in der Lage waren, einen vergleichbaren Stoff im Labor herzustellen.

Welche Wirkstoffe und Medikamente ebenfalls Schweizer Hirnen und Labors entstammten, zeigt die obige Bildstrecke.

(rre)

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