31.01.2019 09:21

Der Fall «Perjeta»

Wie Pharma-Firmen hohe Preise durchdrücken

Pharma-Firmen üben bei der Preisfindung für Medikamente Druck auf das Bundesamt für Gesundheit aus. Wie, zeigt das Beispiel eines Krebsmedikaments.

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Roche-CEO Severin Schwan Anfang 2018 während einer Medienkonferenz.

Roche-CEO Severin Schwan Anfang 2018 während einer Medienkonferenz.

Keystone/Georgios Kefalas
Wie Druck auf das BAG ausgeübt wird, zeigte die Rundschau anhand des Krebsmedikaments «Perjeta».

Wie Druck auf das BAG ausgeübt wird, zeigte die Rundschau anhand des Krebsmedikaments «Perjeta».

AP
Wie Vizedirektor Thomas Christen sagt, steht das BAG unter dem Druck der Industrie.

Wie Vizedirektor Thomas Christen sagt, steht das BAG unter dem Druck der Industrie.

Screenshot: SRF

2013 kam das Krebsmedikament «Perjeta» für 3450 Franken auf den Markt – heute kostet es noch immer 3000 Franken laut Listenpreis. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) konnte seinen Wunschpreis von 1850 Franken gegen Roche nicht durchsetzen. Wie die Preisverhandlungen zwischen BAG und dem Pharma-Konzern liefen, hat die «Rundschau» recherchiert und öffentlich gemacht.

Der ehemalige eidgenössische Präsident der Arzneimittelkommission (EAK), Max Giger, sagt: «Roche hat diesen Schaufensterpreis gebraucht. Je höher der Schweizer Preis ist, desto eher kann man auch im Ausland einen hohen Preis verlangen.» Zudem habe die EAK das Medikament dreimal als zu teuer eingestuft.

Der Pharma-Riese kontert

Das BAG sei damit unter Druck gesetzt worden, dass bei einer Nichteinigung «Perjeta» möglicherweise nicht auf die Liste gesetzt worden wäre. So scheiterten die Verhandlungen beispielsweise 2014. Das Medikament stand ein Jahr lang nicht auf der Spezialitätenliste. Krankenkassen mussten es nicht vergüten.

Auch der Präsident der Krebsforschung Schweiz, Thomas Cerny, findet klare Worte im Beitrag vom 30. Januar. «Schweizer Patientinnen haben bei Studien mitgemacht, um ‹Perjeta› auf den Markt zu bringen. Dann sagt Roche, wenn wir den Preis nicht erhalten, nehmen wir es wieder weg.» Dies sei Betrug.

Der Pharma-Riese kontert, das Medikament sei für die Patienten immer zugänglich gewesen, auch wenn zeitweise nur über Ausnahmegesuche. Thomas Christen vom BAG bestreitet, einen zu hohen Preis für «Perjeta» festgelegt zu haben. Dieser sei tiefer als in der EU. Und Remo Christen von Roche verweist auf die Rabatte, die den Versicherern gewährt würden. (20 Minuten)

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