Kanton WaadtClubs müssen schliessen, Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen

Der Kanton Waadt reagiert auf die rasant ansteigenden Infektionszahlen mit der Schliessung von Diskotheken und einem Verbot von Privatanlässen von über 100 Personen.

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21. September
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Ein Bild aus Zeiten vor der Pandemie: Touristen an einem Strand der beliebten Feriendestination Zypern. Die zyprische Regierung hat die Schweiz auf die Corona-Risikoliste gesetzt. (Archivbild)

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Dienstag, 15.9.2020
10:24

Zusammenfassung

Der Kanton Waadt verschärft die Massnahmen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie. Nachtclubs müssen schliessen, private Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen sind verboten. An allen geschlossenen öffentlichen Orten gilt Maskenpflicht.

Diese Massnahmen treten am Donnerstag um 15.00 Uhr in Kraft, wie die Waadtländer Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz (SP) am Dienstag vor den Medien sagte. Zudem will der Kanton auf eine stärkere Rückverfolgbarkeit der infizierten Personen setzen.

Die Zahlen zeigten deutlich, dass die Zahl der Ansteckungen wieder ansteigen würde, sagte Ruiz. Ziel des Kantons sei es immer gewesen, einerseits insbesondere die verletzlichen Personen zu schützen und andererseits dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werde.

Nach einer vorübergehenden Stabilisierung änderten sich nun aber die Zahlen, stellte Ruiz fest. Am Montag befanden sich im Kanton Waadt 33 Personen wegen Covid-19 im Spital.

«Es könnte bald passieren, das ein Spital keine Kapazität mehr hat», warnte Ruiz. Sorgen bereitet der Kantonsregierung, dass die Altersklasse der über 65-Jährigen wieder stärker von Corona-Infektionen betroffen ist.

10:15

Öffentlich oder privat?

Jacqueline de Quattro erklärt den Unterschied zwischen öffentlichen Anlässen und privaten. Sobald die Menschen sich gegenseitig kennen und/oder alle vom Veranstalter individuell eingeladen wurden, gilt ein Anlass als privat. Ob ein Anlass drinnen oder draussen stattfindet, ist dabei unerheblich.

10:12

«Wir wissen, dass die Anordnungen schwerwiergend sind»

Im ÖV werden keine neue Regeln eingeführt, ebensowenig wie in den Läden. Damit gilt weiterhin eine generelle Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln und eine Maskenpflicht in Läden ab 10 Personen «Wir wissen, dass die Anordnungen schwerwiergend sind», so Leuba. «Aber sie sind nötig.»

10:09

Anlässe ab 100 Personen verboten

Spezielle Regeln gelten neu auch für Anlässe, private (z.B. Hochzeiten und andere Feste) wie öffentliche (Demonstrationen). Ab 50 Personen ist das Tragen von Masken obligatorisch, das Servicepersonal eingeschlossen. Mehr als 100 Personen sind nicht erlaubt. Dazu muss eine Teilnehmerliste geführt werden.

10:07

Spielsalons

Spielsalons (Billard, Bowling) und Bars dürfen offen bleiben, allerdings müssen sowohl Gäste als auch Angestellte eine Masken tragen. «Das bedeutet: Sie können ihr Bier nicht mehr beim Billard-Spielen trinken», so Leuba. «Sie spielen, sie setzen sich, sie trinken.»

10:04

Details zur Maskenpflicht

Leuba präzisiert die neuen Masken-Regeln: in Räumen, die der Öffentlichkeit offenstehen, ist eine Maske nun obligatorisch. Nicht aber in Räumlichkeiten, die nur für die Angestellten sind. Das gilt im Speziellen für Kirchen, Bibliotheken, Museen.

In Restaurants und Bars gälten «geeignete Regeln». Das heisst, Angestellte müssen immer eine Maske tragen. Die Gäste müssen eine Maske tragen, ausser sie sitzen. Das heisst, auf dem Weg an den Tisch, oder wenn sie beispielsweise telefonieren gehen, oder auf die Toilette.

Konsumation von Getränken und Speisen ist ab Donnerstag nur noch sitzend gestattet. Zudem müssen Gäste jederzeit durch den Kantonsarzt identifizierbar sein.

09:59

«2000 Menschen in der Quarantäne ist beträchtlich»

Philippe Leuba, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, erklärt den wirtschaftlichen Plan der Waadtländer Regierung. «Die erste Sorge der Regierung ist die Gesundheit der Menschen», betont Leuba. «Die zweite Sorge gilt aber der Wirtschaft.» Man habe versucht, herauszufinden, wo sich die Menschen am häufigsten anstecken: das sei einerseits im Nachtleben und andererseits an privaten Partys. Aus diesem Grund habe die Regierung beschlossen, diese Ausbreitung-Cluster einzuschränken.

Es seit enorm wichtig, einen zweiten Lockdown zu verhindern, so Leuba. Nur schon 2000 Menschen in der Quarantäne zu haben sei «beträchtlich».

09:53

Contact Tracing

Noch einige Informationen zum viel kritisierten Contact-Tracing im Kanton Waadt. Momentan hat der Kanton einen Pool von 100 Tracern und 6 Personen, die diese überprüfen. Das entspricht einer Verdoppelung seit dem 10. September. Momentan sind 1973 Personen in Quarantäne.

09:51

Neun Todesfälle in Pflegeeinrichtungen

Die Lage in den Pflegeeinrichtungen spitzt sich ebenfalls zu, auch wenn sie noch nicht dramatisch sei. In 7 von 133 Einrichtungen wurden Covid-Infektionen nachgewiesen. Von 27 Fällen ist ein Drittel asymptomatisch. Seit dem 17. August verstarben 9 Personen.

09:48

Hospitalisierungen nehmen zu

Der Kanton Waadt steigerte sein Testvolumen in den letzten Wochen stark. Die Positivitätsrate nahm im gleichen Zeitraum ebenfalls stark zu. Gestern waren im Kanton 33 Personen hospitalisiert, mehr als dreimal mehr als noch am 14. August.

«Unsere Spitäler sind voll», sagt Ruiz. «Wir könnten uns sehr bald mit einem Spital konfrontiert sehen, das keine Kapazität mehr hat.»

Die Corona-Kurve im Kanton Waadt.

09:45

Vulnerable Personen in Gefahr

Gesundheitsministerin Rebecca Ruiz erklärt die medizinischen Daten. Die Zahlen zeigen klar, dass die Infektionszahlen zunehmen. Es sei immer die Strategie des Kantons gewesen, vor allem die vulnerablen Personen zu schützen, ebenso wie das Gesundheitssystem: indem es nicht überlastet wird. «Die Situation war zwischenzeitlich sehr stabil, auch was die Hospitalisierungen anging», so Ruiz. «Aber die Zahlen sind gerade dabei, sich zu ändern.» Was der Waadtländer Regierung Sorgen macht, ist, dass die Altersklasse der Über-65-Jährigen immer stärker von den Infektionen betroffen ist.

09:40

«Eigenverantwortung»

Gorrite appelliert an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger, die im Frühling so gut funktioniert habe.

09:39

Neue Massnahmen

Ab Donnerstagmittag gelten im Kanton Waadt die folgenden Regeln: Diskotheken werden allesamt geschlossen, in geschlossenen öffentlichen Räumen (inkl. religiös und gastronomisch) gilt eine Maskenpflicht. Zudem werden Privatanlässe von mehr als 100 Personen verboten.

Die Massnahmen gelten bis zum Ende der Herbstferien im Oktober.

09:37

Kein zweiter Lockdown

Gorrite erteilt einem zweiten Lockdown eine klare Absage. «Wir wollen es nicht gleich machen, wie es gerade in Israel passiert ist», so die SP-Frau. Aber es sei nicht wegzureden, dass die Waadt der am stärksten betroffen ist.

09:36

Zweite Welle

Man habe es mit dem Lockdown und der Disziplin der Bevölkerung geschafft, im Frühling die Pandemie einzudämmen. Später habe man die Beschränkungen gelockert. Das habe dazu geführt, dass die Fallzahlen wieder ansteigen. «Wir sind im Sommer ein bisschen corona-gesättigt», sagt Gorrite. «Aber wir müssen die Realität im Auge behalten.» Die Hospitalisierungen nähmen im Kanton Waadt wieder zu, es betreffe immer mehr auch ältere Personen.

09:33

Die Medienkonferenz beginnt

Regierungsratspräsidentin Nuria Gorrite eröffnet die Medienkonferenz.

Aktuelle Massnahmen

Das gilt momentan in der Waadt: Am 8. Juli führte der Kanton eine Maskenpflicht in Geschäften ein, allerdings nur bei mehr als 10 Personen im Laden. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie im Rest der Schweiz: Quarantäne nach Rückkehr aus Risikogebieten, Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, Abstands- und Hygieneregeln.

Analyse und Massnahmen

Die Waadtländer Regierung sieht deshalb Handlungsbedarf und kündigte am Freitag eine Pressekonferenz für heute Dienstag um 11.30 Uhr an. Der Kanton will seine Gesamtanalyse präsentieren und seine spezifischen Massnahmen bekanntgeben.

Steigende Zahlen

Im Kanton Waadt häufen sich in den letzten Wochen die Infektionen mit dem Coronavirus. Neben Zürich und Genf gehört die Waadt zu den am stärksten betroffenen Kantonen. Am Freitag, als das BAG 528 Neuinfektionen meldete, entfielen 208 davon auf den Westschweizer Kanton. In den vergangenen zwei Wochen steckten sich total 1578 Personen mit dem Coronavirus an – deutlich mehr als in Zürich und Genf. Auch bei der Inzidenz pro 100'000 Einwohner schwingt die Waadt mit mittlerweile 197.5 obenaus.

882 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Wo ist das Problem

16.09.2020, 20:20

Dann verteilt die Patienten halt auf andere Spitäler mit freien Betten in den Nachbarkantonen!

Ach so

16.09.2020, 14:02

Die Spitäler sind also voll, nun in St. Gallen werden grad 4 von 9 Kantonsspitäler geschlossen. So schlimm kanns also nicht sein in der Schweiz.

und

16.09.2020, 10:47

ist zwischenzeitlich jemand unabhängiges schauen gegangen ob dem wirklich so ist?