24.06.2020 02:57

Coronavirus-Nester

Wie sähe ein lokaler Lockdown in der Schweiz aus?

In Deutschland wurden erstmals nach den Lockerungen zwei Landkreise abgeriegelt. Das würde passieren, wenn es in der Schweiz zu lokalen Corona-Ausbrüchen käme.

von
Bettina Zanni
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Die Ansteckungszahlen befinden sich in der Schweiz seit Wochen auf tiefem Niveau. Möglich sind auch hier lokale Infektionsherde. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Ansteckungszahlen befinden sich in der Schweiz seit Wochen auf tiefem Niveau. Möglich sind auch hier lokale Infektionsherde. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

KEYSTONE
Die Bewohner des Landkreises Gütersloh und des Nachbarkreises Warendorf stecken zunächst für eine Woche wieder im Lockdown. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, riegelte die Gebiete ab, da sich der Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zum Coronavirenherd entwickelt hatte.

Die Bewohner des Landkreises Gütersloh und des Nachbarkreises Warendorf stecken zunächst für eine Woche wieder im Lockdown. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, riegelte die Gebiete ab, da sich der Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zum Coronavirenherd entwickelt hatte.

Über 1550 infizierte Mitarbeiter werden dort zurzeit gezählt.

Über 1550 infizierte Mitarbeiter werden dort zurzeit gezählt.

Darum gehts

  • In Deutschland wurden die Landkreise Gütersloh und Warendorf abgeriegelt, um weitere Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern.
  • Auch in der Schweiz könnten für Gebiete mit hohen Infektionszahlen lokale Lockdowns verhängt werden.
  • Je nach Lage und basierend auf der Verordnung könnten die Kantone einschränkende Massnahmen wie etwa ein Betretungsverbot, ein Veranstaltungsverbot oder eine Maskenpflicht verfügen, sagt Gustav Planzer, Mediensprecher des Sonderstabs Covid-19 Exit des Kantons Uri.

Die Bewohner des Landkreises Gütersloh und des Nachbarkreises Warendorf stecken zunächst für eine Woche wieder im Lockdown. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, riegelte die Gebiete ab, da sich der Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zum Coronavirenherd entwickelt hatte: Über 1550 infizierte Mitarbeiter werden dort zurzeit gezählt.

Die Ansteckungszahlen befinden sich in der Schweiz seit Wochen auf tiefem Niveau. Möglich sind auch hier lokale Infektionsherde. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wann kommt es in der Schweiz zu einem lokalen Lockdown?

Komme es örtlich begrenzt zu einer hohen Anzahl von Infektionen oder drohe eine solche unmittelbar, könne der Kanton für eine begrenzte Zeit regional geltende Massnahmen treffen, heisst es in der Covid-19-Verordnung für die besondere Lage. Welche Massnahmen im Fall eines Wiederanstiegs der Fallzahlen angezeigt sind, wird im Einzelfall zu entscheiden sein, wie Tobias Bär, Kommunikationsverantwortlicher der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und –direktoren (GDK), sagt. «Sollte es in den nächsten Wochen zu Ausbrüchen kommen, dürften diese vor allem lokal sein – entsprechend müssten dann auch die Massnahmen lokal sein.»

Welche Massnahmen sind möglich?

Über die Art der Massnahmen entscheiden die jeweiligen kantonalen Regierungen. «Je nach Schweregrad des Ausbruchs kann der Kanton kleine bis grosse Lockdown-Massnahmen treffen», sagt Gustav Planzer, Mediensprecher des Sonderstabs Covid-19 Exit des Kantons Uri. Zum Beispiel würden gewisse Veranstaltungen verboten oder Schulschliessungen verordnet. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtete, arbeitet der Bundesrat zurzeit für den Fall einer zweiten Welle ein Konzept mit einem regionalen Ansatz aus. Bei diesem sollen die Kantone federführend sein. Läden, Restaurants, Hotels oder ganze Ortschaften könnten im Fall eines regionalen Ausbruchs abgeriegelt werden.

Könnten gewisse Gebiete für die Aus- und Einreise gesperrt werden?

Ein- und Ausreisesperren kämen nur als letztes Mittel infrage, sagt Tobias Bär von der GDK. «Solche Sperren wären für die Schweiz als extrem mobiles Land kaum praktikabel.» Bei Massnahmen im ÖV sei ein koordiniertes Vorgehen sehr wichtig. «Will ein Kanton zum Beispiel eine Maskenpflicht einführen, sollte er sich mit den Nachbarkantonen absprechen und die Massnahme auf andere Schutzmassnahmen im öffentlichen Raum abstimmen.»

Muss ich wieder Homeoffice machen, wenn ich in einem abgeriegelten Gebiet wohne, aber ausserhalb arbeite?

«Ausgangssperren wären auch bei lokalen Lockdowns in der Schweiz schwierig durchzusetzen», sagt Hans Klaus, Krisenmanager und ehemaliger Informationschef des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements. Er gehe davon aus, dass die Behörden an die Vernunft der Bevölkerung appellieren, die in einem infizierten Gebiet wohnen. «Ein Homeoffice-Zwang ist ohnehin nur für gewisse Dienstleistungsbetriebe möglich.» Abgesperrte Gebiete müssten zudem nach wie vor logistisch versorgt werden. «Durch den regen Verkehr wäre es zum Beispiel in der Stadt Zürich kaum möglich, einen lokalen Lockdown zu kontrollieren.»

Was passiert, wenn das Virus zum Beispiel in der Verwaltung einer Dorfgemeinde ausgebrochen ist?

Laut Gustav Planzer geht der Ausbruch des Virus in einem bestimmten Betrieb nicht gezwungenermassen mit der Abriegelung eines ganzen Gebiets einher. «Im Vordergrund stehen dabei die strikte Einhaltung der bekannten Abstands- und Hygienemassnahmen», sagt er. Je nach Lage und basierend auf der Verordnung könnten die Kantone einschränkende Massnahmen wie etwa ein Betretungsverbot, ein Veranstaltungsverbot oder eine Gesichtsmaskentragpflicht verfügen. «Im Extremfall wäre wohl auch die Schliessung eines Grossbetriebs eine mögliche Massnahme.» Eine solche Massnahmen käme aber höchstens bei einer sehr hohen Anzahl von Infektionen in einer Region infrage. Sie wäre zudem zeitlich zu begrenzen. «Immer in die Überlegungen einzubeziehen sind dabei auch die Geeignetheit der Massnahmen, das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung, die Vernetzung der wirtschaftlichen Tätigkeiten und die Auswirkungen auf angrenzende Regionen und die Versorgungslage.»

Kam es in der Schweiz schon einmal zu einem lokalen Lockdown?

Nein. Im März allerdings, zu Beginn der Corona-Krise, wollten die Ärzte von Verbier VS den Ort und das ganze Val de Bagnes unter Quarantäne stellen. Sie hielten die Region für einen der grösseren Infektionsherde in der Schweiz. Marcel Tanner, emeritierter Professor für Epidemiologie an der Universität Basel und Mitglied der Science Taskforce des Bundes, warnte kürzlich in einem Interview: «Virennester, aufflammende Übertragungssituationen, müssen rasch identifiziert, Kontakte verfolgt, Infizierte isoliert und entsprechende lokale Massnahmen schnell umgesetzt werden.»

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66 Kommentare
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Fusel123

24.06.2020, 06:26

Was mich mal interessieren würde: Fliegen wir Schweizer in die Ferien oder nicht?

N8eule

24.06.2020, 05:39

Es geht um den gesunden Menschenverstand damit wir gar nicht zu diesen Lockdown Mitteln greifen müssen: Hygiene, Abstand, wenn das nicht geht Maske und ab morgen auch noch die Warnapp installieren. Einfach denke ich aber es gibt immer Leute die das noch nicht kapiert haben und alle anderen mit ihrem Verhalten gefährden. Muss immer zuerst noch was schlimmeres passieren bis es auch der letzte verstanden hat?

N8eule

24.06.2020, 05:39

Es geht um den gesunden Menschenverstand damit wir gar nicht zu diesen Lockdown Mitteln greifen müssen: Hygiene, Abstand, wenn das nicht geht Maske und ab morgen auch noch die Warnapp installieren. Einfach denke ich aber es gibt immer Leute die das noch nicht kapiert haben und alle anderen mit ihrem Verhalten gefährden. Muss immer zuerst noch was schlimmeres passieren bis es auch der letzte verstanden hat?