Aktualisiert 06.03.2010 12:34

Unangenehmer KörpergeruchWie sag ichs meinem Arbeitskollegen?

Wenn er unsere Nähe sucht, suchen wir das Weite: Gemeint ist der freundlichste aller Mitarbeiter, der mit dem Mundgeruch. Doch wie bringen wir diesem netten Burschen schonend bei, dass wir mit seinen Ausdünstungen ein Problem haben? Der Psychologe weiss Rat ...

von
Runa Reinecke

Er ist uns sympathisch, solange er uns nicht auf die Pelle rückt: Der nette Arbeitskollege, der nicht nur vorübergehend, sondern jeden Tag gar fürchterlich aus dem Mund stinkt. Am liebsten würden wir den Betreffenden harsch dazu auffordern, in unserer Gegenwart die Kauleisten bitteschön geschlossen zu halten oder es reizt uns, höchstselbst die Quelle dieser übelriechenden Emmissionen ohne Vorwarnung mit einem Klebeband luftdicht zu verschliessen. Doch das verbietet uns unsere empathische Grundhaltung: Vor den Kopf stossen wollen wir diesen freundlichen Kerl doch auch keineswegs.

Geruchsbelästigung: Entkommen zwecklos

Leider löst sich das Problem durch pures Aussitzen nicht von alleine: Für ohrenbetäubenden Lärm gibt es Ohrenstöpsel, gegen zu grelles Licht hilft eine Sonnenbrille - doch was tun, um unangenehmen Gerüchen am Arbeitsplatz zu entgehen? Auf den Trend des Tragens einer schicken Bürogasmaske, die ganz vorzüglich zum Nadelstreifenkostüm passt, warten wir vergeblich - bleibt also nur die Flucht nach vorne.

Ist der Leidensdruck gross genug, sollte das Gespräch mit dem Betreffenden gesucht werden. Egal, ob Mundgeruch oder Ausdünstungen, die mangelnde Körperhygiene vermuten lassen: Das Problem nie im Beisein weiterer Personen, sondern unbedingt diskret unter vier Augen ansprechen. Ist der Umgang mit dem Mitarbeitenden locker und vertraulich, fällt das Unterfangen entsprechend leichter.

«Es fällt mir sehr schwer, aber ...»

Jakob Scherrer, Psychologe aus Zürich rät dazu, selbst zuzugeben, dass einem der Schritt zu diesem Gespräch nicht leicht fällt - das schafft Nähe. So lässt sich dem Experten zufolge eine solche Unterhaltung beispielsweise mit Worten wie «es fällt mir extrem schwer, dir das zu sagen, aber du riechst unangenehm ...» zu beginnen. Manchmal hilft es, während der Unterhaltung über eigene Erfahrungen zu sprechen - schliesslich leidet jeder morgens nach dem Aufstehen unter Mundgeruch. Auch das Ansprechen möglicher medizinischer Ursachen für übles Ausdünsten wirkt entschärfend, verständnisvoll. Dass der Arbeitskollege auf die Konfrontation trotz aller Behutsamkeit sichtlich und spürbar verletzt reagieren kann - darüber muss man sich aber zu jedem Zeitpunkt des Gesprächs klar sein. Doch selbst wenn das kollegiale Verhältnis einen Knacks abbekommt, hat die Aktion etwas Gutes: Den Arbeitskollegen wird man zukünftig vielleicht nicht besser leiden, dafür aber besser riechen können.

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