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GenmanipulationWie schmecken Ihnen Klontiere?

Die EU will ihre Bürger fragen, ob sie geklonte Tiere und deren Nachkommen auf ihrem Speiseplan wollen oder nicht. Das ist gut, wären nicht viele dieser Tiere bereits gegessen worden – auch in der Schweiz.

In der Schweiz gab es einen grossen Medienwirbel, als bekannt wurde, dass 2005 einige hundert Dosen Sperma eingeführt worden waren: Sperma vom Sohn einer geklonten Kuh. Seine Nachkommen sind mittlerweile längst gegessen, der Sperma-Import in die Schweiz war legal - und die EU-Gesetzgebung verbietet solches derzeit ebenfalls nicht. Dies sagte die zuständige Sprecherin der EU-Kommission auf Nachfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Auch Fleisch von Nachkommen von geklonten Tieren darf in die Schweiz und in die EU importiert werden. Während die so genannte Novel-Food-Verordnung bei Produkten von Klontieren eine EU-Marktbewilligung vorsehe, «unterstehen Nachkommen dieser Verordnung nicht», so die EU-Kommission wörtlich.

EU-Kommission: Keine Produkte im Handel

Noch vergangenen Donnerstag hatte die Sprecherin gesagt, soweit sie wisse, komme keine Milch und kein Fleisch von Nachkommen von geklonten Tieren in Europa in den Handel.

Doch nun hat die EU-Kommission plötzlich kalte Füsse gekriegt «Bedenken zu Aspekten der Tiergesundheit und des Tierwohls» geäussert. Dies als erste Reaktion auf einen entsprechenden Bericht der EU-Nahrungsmittelagentur EFSA zu Produkten von geklonten Schweinen und Rindern sowie deren Nachkommen.

Wegen des Fehlens von Daten gebe es auch offene Fragen zur Lebensmittelsicherheit, hiess es in der Kommissionsmitteilung weiter. Im Herbst soll zudem eine EU-weite Umfrage zum Thema veröffentlicht werden: Brüssel will in Anbetracht der derzeit beschworenen Bürgernähe wissen, was die Konsumentinnen und Konsumenten wollen.

Konsumentenorganisationen wollen Verbot

Begeisterung ist dabei nicht zu erwarten. Für den Europäischen Dachverband der Konsumentenorganisationen (BEUC) ist bereits jetzt klar, dass die EU-Kommission es nicht zulassen sollte, dass Produkte von geklonten Tieren und ihren Nachkommen auf den Markt gelangen.

Allerdings könnte sich die Europäische Union Probleme mit der Welthandelsorganisation (WTO) einhandeln, wenn sie dies verbieten würde. Die zuständige Ethik-Beratungsgruppe der EU-Kommission sprach sich ihrerseits für eine Kennzeichnung der Produkte aus.

Für Schweizer Züchter «Thema erledigt»

Während die EU-Kommission auch auf Nachfrage keine Informationen zur aktuellen Situation innerhalb der Union lieferte, ist zumindest die Lage für in der Schweiz produzierte Milch- und Fleischprodukte klar.

Bei weiblichen Nachkommen des «Klonsohns» sei dies in den Abstammungspapieren vermerkt worden, sagte Hans Künzi, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Rinderzüchter. Daraufhin habe jeder «die Finger von diesen Tieren gelassen».

Zudem hätten die Zuchtorganisationen in einer freiwilligen Vereinbarung beschlossen, dass der Sperma-Import «eine einmalige Übung gewesen war», so Künzi weiter. «Das Thema ist für uns erledigt.» (sda)

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