Aktualisiert 01.10.2016 10:55

Jack-Daniel's-JubiläumWie schmeckt wohl ein 150-jähriger Whiskey?

Diese Frage stellte sich unser Autor, als die Jubiläumseinladung von Jack Daniel's ins Haus flatterte. Ein Besuch beim Rockstar der Spirituosen.

von
Christian Messikommer
1.10.2016

Eine Reise in den amerikanischen Süden, zum Ort der ältesten Whiskey-Destillerie der USA. Ausgangspunkt ist Nashville, Tennessee. (Video: Philipp Stirnemann/Christian Messikommer)

Frank Sinatra hat ihn in die Welt getragen, er war Keith Richards' ständiger Begleiter, und Amy Winehouse kannte ihn bestens: Jack Daniel's, eine amerikanische Ikone, wird 150 Jahre alt. Der Tennessee-Whiskey trägt den Namen seines Schöpfers: Jasper Newton Daniel, der von allen nur «Jack» gerufen wurde. Er war ein zierlicher Mann von 164 cm Körpergrösse, der Schuhnummer 36 trug und als vollendeter Gentleman bekannt war. (Seine Patek-Philippe-Taschenuhr kann im Genfer Museum des Uhrenherstellers bewundert werden.)

Dem jungen Jack – er war das zehnte von dreizehn Kindern – wurde nichts in die Wiege gelegt. Als sein Vater im Bürgerkrieg starb, rannte er von zu Hause fort. Er kam bei einem Laienprediger und Schwarzbrenner unter und lernte vom ihm das Metier. Als Teenager kaufte er sich die erste Brennblase, als junger Erwachsener konnte er in Lynchburg, Tennessee, eine Destillerie günstig kaufen, die über eine eisenfreie Kalksteinquelle verfügt: ideal für die Whiskey-Herstellung. 1866 wurde das Unternehmen Jack Daniel's als erste Destillerie in das Handelsregister eines US-Bundesstaates aufgenommen.

«Zähflüssig und teerig»

Ist noch ein Fass von 1866 übrig? Nein! Wäre der Inhalt besser als der Whiskey von heute? «Wohl kaum», meint Jeff Arnett, der siebte «Master Distiller» seit der Gründung (in der gleichen Zeit gab es zwölf Päpste). «Der Inhalt des Fasses wäre zähflüssig und würde teerig schmecken.» Der Grund liegt in den Fässern: Das Fass ist noch längst nicht ausgelaugt, wenn der Whiskey reif ist.

Ein Tennessee-Whiskey muss wie ein Bourbon in einem neuen Fass reifen. Das Fass ist aus Eichenholz und wird vor der Füllung rabiat ausgebrannt, was mehr als nur die Poren öffnet. Eingefüllt wird ein Destillat aus Mais, Roggen und Gerste, das zuerst wie ein Bier mit Wasser, Hefe und übriger Maische aufgekocht und nach sechs Tagen destilliert wird. Das Destillat ist farblos und schmeckt nach fast nichts.

«Jack Daniel's Old Nr.7 Tennessee Whiskey», oder einfach nur «Jack», ist eine amerikanische Ikone. Wie kam es dazu?

«Jack Daniel's Old Nr.7 Tennessee Whiskey», oder einfach nur «Jack», ist eine amerikanische Ikone. Wie kam es dazu?

20 Minuten/Ch. Messikommer
Die Geschichte beginnt in einem kleinen Kaff im Süden der USA ...

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Kaff im Süden der USA ...

20 Minuten/Ch. Messikommer
... genauer gesagt in Lynchburg, Tennessee, Heimat von Jack Daniels. Nelson Eddy, Jack-Daniel's-Historiker, begrüsst uns beim Besucherzentrum.

... genauer gesagt in Lynchburg, Tennessee, Heimat von Jack Daniels. Nelson Eddy, Jack-Daniel's-Historiker, begrüsst uns beim Besucherzentrum.

20 Minuten/Ch. Messikommer

Damit aus einem Bourbon ein Tennessee-Whiskey wird, muss das Destillat durch ein 3-Meter-Rohr sickern, das mit Ahorn-Holzkohle gefüllt ist. Danach schmeckt das Destillat nach gar nichts mehr und ist klarer als Wasser. Alle Aromen und die Farbe erhält der Whiskey vom Fass. Nach vier bis sieben Jahren ist er reif. In der Sprache der Jack-Daniel's-Angestellten nennt man das Erzeugnis «The Product» (das Produkt). Das Fass ist immer noch gut für einen Whiskey, der länger ausbauen sollte.

Da sich der Whiskey von Fass zu Fass um Nuancen unterscheidet, braucht es die feine Nase des «Master Distiller», der mit Fässern aus verschiedenen Lagerorten den Whiskey mischt, der seit 150 Jahren unter dem Label «Old Nr. 7» verkauft wird. Das Produkt hat zu diesem Zeitpunkt einen Alkoholgehalt von 60 bis 70 Prozent. Es wird vor der Abfüllung in die charakteristischen quadratischen Flaschen mit destilliertem Wasser auf 40 Prozent verdünnt. Wer den Whiskey in Fassstärke probieren möchte, kann sich eine Flasche Single Barrel Barrel Select kaufen. Echtes Feuerwasser mit wunderbar warmen Holz-, Vanille- und Caramelnoten.

Fast jeder Scotch ist auch ein wenig «Jack»

Die gebrauchten Fässer werden verkauft. Hauptabnehmer sind schottische und irische Destillerien, die ihre Erzeugnisse in die gebrauchten Fässer füllen. Fun Fact: Dadurch enthält fast jeder Scotch oder Irish Whiskey ein Prozent Jack Daniel's, nämlich den Teil, der vom Holz aufgesogen wurde und sich später mit dem schottischen/irischen Erzeugnis mischt. Andere Whiskeys werden in der Sprache von Jack Daniel's übrigens S. O. B. genannt («Some Other Brand»).

Pro Tag werden in Lynchburg gegen 3000 Fässer gefüllt. In den Hügeln und Bergen rund um Lynchburg lagern etwa 2 Millionen Fässer des Whiskeys. Lynchburg selbst ist ein Whisky-Freilichtmuseum, ein Pilgerort für Tennessee-Whiskey-Fans. Die alten Gebäude sind noch intakt, sogar das erste Büro kann noch besichtigt werden. Darin steht noch der Tresor, den Jack Daniels in einem Wutanfall getreten hat. Dabei hat er sich einen Zehenbruch zugezogen, der sich entzündete und an dem er mit 61 Jahren starb. Seine letzten Worte sollen «One last drink, please» (einen letzten Drink, bitte) gewesen sein.

Alkoholfreier Bezirk

Um den Platz im Dorfkern von Lynchburg scharen sich Häuser im Western-Stil, die vom leeren Fass bis zum Schlüsselanhänger alles im Jack-Daniels-Design verkaufen – ausser dem Produkt. Die Gemeinde befindet sich in einem Dry County, einem «trockenen Bezirk», in dem der Ausschank von Alkohol seit 1909 verboten ist. Nach dem Ende der Prohibition 1933 wurde beschlossen, das Schankverbot nicht aufzuheben, was bis heute der Fall ist. Auch im Besucherzentrum sucht man vergeblich nach einer Whiskey-Bar. Immerhin gibt es dort das Produkt als Souvenir deklariert zu kaufen, zu einem minimalen Aufpreis.

Ein Whiskey-seliger Besuch im lokalen Restaurant Miss Mary Bobo's Boarding House bietet herausragende Südstaatenküche. In jeder Speise findet sich als Zutat Whiskey. Da werden glasierte Apfelstückchen, Fried Chicken Baked Beans und verschiedenste andere Südstaatenklassiker angeboten. Man sitzt – sehr unamerikanisch – mit Fremden an grossen Tischen. Das Servicepersonal stellt die Gäste einander vor und erklärt die Speisen und weiss auch die eine oder andere Anekdote zu erzählen. In der Mitte des runden Tisches stehen die Speisen auf einer Drehscheibe, so dass jeder Zugang zu den Köstlichkeiten hat. Reservierung dringend empfohlen.

Neue Produkte

Im Laufe der vergangenen Jahre hat Jack Daniel's seine Produktpalette laufend erweitert. Neben Whiskey und Rye in Fassqualität gewinnen zwei neuere Produkte einen wachsenden Freundeskreis: Tennessee Honey, ein honigsüsser, aber doch kräftiger, likörartiger Whiskey. Und vor allem bei einem jüngeren Publikum beliebt ist Tennessee Fire, ein Whiskey mit scharfem Zimtlikör. Als Shot köstlich und als Longdrink gut mischbar mit Cola. Spätestens nächstes Jahr wird das Zeug der Hit in Europa.

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