Aktualisiert 08.02.2010 17:26

Asbest-ProzessWie Schmidheiny zur Eternit S.p.A kam

Die Eternit S.p.A. mit Sitz in Genua wurde 1906 von einem Italiener gegründet. Alfredo Mazza erwarb damals eine Lizenz für die Produktion von Asbest-Zement vom österreichischen Eternit-Erfinder Ludwig Hascheck. Erst in den 1970er-Jahren wurden die Schmidheinys grösste Aktionäre.

In der Anfangszeit baute Mazza nach dem Lizenzerwerb zunächst in Casale Monferato im Piemont das Hauptwerk. Im Laufe der Jahre kamen weitere Eternit-Werke hinzu. 1952 verkaufte die Familie Mazza ihre Gruppe an die belgische Eternit (heute Etex), die Schweizerische Holding Amiantus AG und an die französische Eternit.

Zunächst waren die Belgier Hauptaktionäre. Ab Anfang der 1970er Jahre erhöhten die Schweizer schrittweise ihren Aktienanteil; Mitte der 70er waren die Schmidheinys mit 29 Prozent grösster Aktionär. 1980 besass Stefan Schmidheinys Gruppe 76 Prozent. Etex und die Franzosen behielten Minderheiten.

Modernisierung der Werke

Grund für die Aufstockung war, dass Schmidheiny die italienischen Eternit-Werke modernisieren wollte, wie Schmidheiny-Sprecher Peter Schürmann gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte. Unter anderem stellte er von der staubigen Trocken- auf Nass-Produktion um. Dies reduzierte die Asbest-Fasern in der Luft stark. Zudem habe er Abluftanlagen einbauen lassen, sagte Schürmann.

Die anderen Aktionäre zogen mit. Deshalb stieg mit jeder Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Investitionen Stephan Schmidheinys Anteil. Gemäss Schürmann investierte dieser über 50 Millionen Franken in die italienischen Werke. 1986 ging deren Holding aber Konkurs.

Schmidheiny als Pionier

Schmidheiny hatte in den 1970er Jahren erklärt, er wolle Asbest aufgeben und Alternativen dafür suchen. Damals galt er unter alteingesessenen Asbest-Industriellen beinahe als Anarchist. Asbest - witterungsbeständig und feuerfest - gab es überall: in Maschinen, Eisenbahnwagen, öffentlichen Gebäuden, Schiffen oder Häusern. Das Geschäft lief, die Industrie wollte von Problemen nichts wissen.

Aber bereits in den 1930er Jahren wurde die Asbestose (Asbest- Staublunge) bekannt. Wer Asbestfasern einatmet, muss zudem Lungenkrebs und Mesotheliom - ein Krebs des Brust- und Bauchfells - fürchten.

Letzteres bewies ein Wissenschafter bereits Anfang der 1960er Jahre. Inszwischen starben zehntausende Menschen an diesen Krankheiten. Dennoch wird Asbest bis heute in vielen Ländern eingesetzt. (sda)

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