Kurioser Kalender: Wie Schweden zum 30. Februar kam
Aktualisiert

Kurioser KalenderWie Schweden zum 30. Februar kam

Vor 300 Jahren folgte in Schweden nicht der 1. März auf den 29. Februar, sondern der 30. Februar. Die Geschichte, die ihren Anfang im alten Rom nahm, ist heiter und verworren.

von
Daniel Huber
Der Monat Februar in einem schwedischen Kalender für das Jahr 1712. Der 30. ist rechts unten aufgeführt. (Bild: PD)

Der Monat Februar in einem schwedischen Kalender für das Jahr 1712. Der 30. ist rechts unten aufgeführt. (Bild: PD)

Jedes Kind weiss: Der Februar hat 28 Tage, ausser – wie heuer – in einem Schaltjahr, dann sind es 29. Und doch gab es in der Geschichte zumindest einmal einen 30. Februar. Das war der 30. Februar 1712, den es nur in Schweden (und im damals schwedischen Finnland) gab.

Der schwedische Kalender-Wirrwarr vor genau 300 Jahren hat letztlich mit dem Verhältnis von zwei unterschiedlichen, aber für uns grundlegenden astronomischen Rotationsbewegungen zu tun. Weniger abstrakt formuliert: die Beziehung zwischen dem Tag, der auf der Drehung der Erde um sich selber beruht, und dem Jahr, das sich aus der Rotation der Erde um die Sonne ergibt.

Vertrackte Himmelmechanik

Wie man es dreht und wendet: Diese beiden himmelsmechanischen Grössen gehen nicht in ganzen Zahlen miteinander auf. Der Umlauf der Erde um die Sonne dauert nämlich 365,242375 Tage. Jeder Kalender, der auf einem Sonnenjahr beruht, hat deshalb ein Problem, denn Tage lassen sich nicht teilen. Schon der nach dem römischen Staatsmann Julius Caesar benannte Julianische Kalender, der im Jahr 45 v. Chr. eingeführt wurde, versuchte diesem Problem mit Schaltung von zusätzlichen Tagen beizukommen: Auf drei Jahre, die jeweils 365 Tage dauerten, folgte eines mit 366 Tagen. Damit dauerte das durchschnittliche Jahr 365,25 Tage.

Die Schalttage des Julianischen Kalenders verringerten die Differenz zwischen kalendarischem und astronomischem Jahr auf nur noch elf Minuten. Dieser geringe Fehler summierte sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte zu Tagen und Wochen. Im 16. Jahrhundert hatte sich der Frühlingsanfang um über zehn Tage nach vorn verschoben. Papst Gregor XIII. liess deshalb die Schaltregel verbessern (siehe Infobox). Zudem wurden im Oktober 1582 auf sein Geheiss zehn Tage ersatzlos gestrichen, damit fortan die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr auf den 21. März fiel.

Verlorene Lebenszeit

Die protestantischen Länder führten den neuen Kalender nur zögerlich ein; misstrauisch betrachtete man die Kalenderreform zuerst als papistisches Machwerk. Das galt auch für Schweden, das sich erst 1699 für den neuen Kalender erwärmen konnte. Allerdings scheute der junge König Karl XII. davor zurück, alle mittlerweile elf Differenztage in einem einzigen Ruck zu streichen. Möglicherweise nahm er Rücksicht auf die Furcht vieler einfacher Leute, sie würden Lebenszeit verlieren, wenn im Kalender Tage übersprungen wurden. Das glaubt zumindest Professor Heinrich Hemme von der Fachhochschule Aachen.

Jedenfalls entschied man sich für eine kalendarische Salamitaktik: Von 1700 bis 1740 sollten alle elf Schalttage ausfallen. Im Jahr 1700 wurde der fällige 29. Februar denn auch einfach übersprungen. Nun waren die Skandinavier dem alten Julianischen Kalender einen Tag voraus und hinkten dem neuen Gregorianischen Kalender noch zehn Tage hinterher. Doch schon im März 1700 begann der Grosse Nordische Krieg (1700-1721), der das Ende der schwedischen Grossmacht brachte – und zugleich die Kalenderreform beendete: Die nächsten beiden Schalttage in den Jahren 1704 und 1708 wurden in den Kriegswirren wieder eingehalten, und 1711 ordnete Karl XII. die Rückkehr zum Julianischen Kalender an.

Zwei Schalttage hintereinander

Diesem altbewährten Kalender waren die Schweden aber immer noch jenen im Jahr 1700 übersprungenen Tag voraus. Aus diesem Grund schoben sie 1712 einen zusätzlichen, zweiten Schalttag ein: den 30. Februar. Der Gleichschritt mit dem alten Kalender dauerte freilich nicht sehr lange: Schon 1753 führte König Adolf Friedrich endgültig den Gregorianischen Kalender ein – diesmal in einem einzigen Sprung vom 17. Februar auf den 1. März.

Übrigens wird oft behauptet, es habe im 1929 eingeführten sowjetischen Revolutionskalender ebenfalls einen 30. Februar gegeben, und das gleich zweimal: 1930 und 1931. Das stimmt jedoch nicht. Dafür gibt es einen Jux-Heiligen für den 30. Februar – er heisst St. Humorius – und es bestehen auch Wetterregeln für diesen besonderen Tag: «Am 30. Februar hat Petrus frei, da ist ihm das Wetter einerlei.»

Wer den 30. Februar nicht missen kann, muss sich heute an die Banker halten: Da der Zinsberechnung ein Jahr aus zwölf gleich langen Monaten zu je 30 Tagen zu Grunde liegt, gibt es in der kaufmännischen Welt jedes Jahr einen 30. Februar. So kann es tatsächlich vorkommen, dass auf einer Abschlussrechnung ein 30. Februar auftaucht.

Schalttage

Schalttage bereinigen die Differenz zwischen dem kalendarischen und dem astronomischen (tropischen) Jahr, das 365,242375 Tage dauert. Im heute gültigen Gregorianischen Kalender ist jedes durch vier teilbare Jahr ein Schaltjahr, es sei denn, die Jahreszahl ist durch 100 teilbar. Von dieser Ausnahme gibt es wieder eine Ausnahme: Jedes durch 400 teilbare Jahr ist auch wieder ein Schaltjahr. In je 400 aufeinander folgenden Jahren ergeben sich so 97 Schalttage. Das Gregorianische Jahr ist damit durchschnittlich 365,2425 Tage lang; das sind noch 11 Sekunden zu viel. Mit dieser Differenz würde der Frühlingsanfang erst nach rund 8000 Jahren wieder einen ganzen Kalendertag früher eintreten.

Die Schalttage werden übrigens im Februar eingeschoben, weil dieser Monat im altrömischen Kalender der letzte war. Der eigentliche Schalttag war dabei ursprünglich der 24. Februar; d.h. nach dem 23. Februar wurde ein zusätzlicher Tag eingeschoben. Dieses Detail wirkt sich jedoch nur im Kirchenjahr aus, wo sich Feier- und Namenstage entsprechend verschieben.

(Wikipedia.org)

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