Weltweiter Klimaschutz - Wie Schweizerinnen und Schweizer im Ausland die Energiewende unterstützen
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Weltweiter KlimaschutzWie Schweizerinnen und Schweizer im Ausland die Energiewende unterstützen

In armen Ländern fehlt oft das Geld für den Klimaschutz. Die Plattform Repic des Bundes unterstützt deshalb Projekte, die den Zugang zu Energie und den besseren Umgang mit Ressourcen ermöglichen. Mehr Geld gibt es bald für Projekte, die beim Aufbau der lokalen Wirtschaft helfen.

von
Jan Graber
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Vorzeigeprojekt Koa: Mit Geldern aus dem Fördertopf von Repic wurde in Ghana die solarbetriebene Verwertung von Kakaopulpe mitfinanziert.

Vorzeigeprojekt Koa: Mit Geldern aus dem Fördertopf von Repic wurde in Ghana die solarbetriebene Verwertung von Kakaopulpe mitfinanziert.

Koa
Repic fördert Projekte, die den Zugang zu Energie sowie den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ermöglichen.

Repic fördert Projekte, die den Zugang zu Energie sowie den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ermöglichen.

Koa
Zusätzliche Gelder sollen Projekte erhalten, die die lokale Wirtschaft aufbauen und so für Stabilität sorgen.

Zusätzliche Gelder sollen Projekte erhalten, die die lokale Wirtschaft aufbauen und so für Stabilität sorgen.

Koa

Darum gehts

  • Die Schweiz engagiert sich in Entwicklungsländern beim Klimaschutz.

  • Eine wichtige Rolle nimmt die Plattform Repic ein, die vom BFE, BAFU, Seco und Deza getragen wird.

  • Repic unterstützt sinnvolle Projekte und bringt Unternehmen, Hochschulen und Spezialisten zusammen.

  • Kommerzialisierbare Projekte dürften bald merklich mehr Geld erhalten.

Wenn Schweizerinnen und Schweizer Strom aus erneuerbaren Energiequellen beziehen, energieeffiziente Geräte nutzen und Abfall trennen, ist dies lokal gesehen zwar ein bedeutsamer Beitrag zum Klimaschutz. Die Erderwärmung und der Klimawandel lassen sich jedoch nur in den Griff bekommen, wenn möglichst alle Länder am gleichen Strick ziehen.

Damit auch Entwicklungs- und sogenannte Transitionsländer* mitziehen können, brauchen sie Unterstützung. Oft fehlen aber die Mittel, um sich Klimaschutz überhaupt leisten zu können. Die Länder brauchen zudem Stabilität und für diese möglichst eine funktionierende Wirtschaft.

Um die Energiewende auch in diesen Ländern zu ermöglichen, leistet der Bund (und damit die Steuerzahler) Entwicklungshilfe. Einer Plattform kommt dabei eine besondere Rolle zu: Repic (Renewable Energy, Energy and Resource Efficiency Promotion in International Cooperation). Es handelt sich um die einzige interdepartementale Plattform im Klimabereich; beteiligt sind das Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft), die Deza (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit), das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Bundesamt für Energie (BFE). Ins Leben gerufen wurde Repic 2004.

Erweitertes Wirkungsfeld

Schweizer Unternehmen mit innovativen Projekten im Bereich der Energiewende reichen dabei bei Repic Förderanträge ein. Neben mehreren Projekten, die die Installation von Solaranlagen in Dörfern ohne Strom ermöglichen (s. auch Artikel «Wie ein Schweizer Licht aus Solarstrom nach Afrika bringt»), werden auch Vorhaben unterstützt wie beispielsweise eines, das beim Aufbau einer Minergie-Organisation in Chile hilft, oder eines, das den Bau einer Biogas-Anlage in Indien unterstützt.

Während der Fokus zu Beginn noch auf dem Zugang zu erneuerbaren Energien lag, hat sich das Wirkungsfeld unterdessen erweitert: Neben Energie-Projekten werden auch Vorhaben im Bereich Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft unterstützt.

Sandra Hermle vom BFE nennt als Beispiel Koa Switzerland: Das Jungunternehmen fand einen Weg, Kakaopulpe (ein Abfallprodukt) in Ghana unter Nutzung von Solarenergie nutzbar zu machen. Für das Produkt – ein Saft – fand Koa Abnehmer in der Gourmetgastronomie, von der Produktion profitiert auch die lokale Bevölkerung. «Ein Vorzeigeprojekt», sagt Hermle. Nur in seltenen Fällen mussten Projekte frühzeitig abgebrochen werden.

Korruption und Kontrolle

Sobald Entwicklungsgelder fliessen, besteht die Gefahr von Korruption. Um dies zu verhindern, müssen die beteiligten Unternehmen regelmässig rapportieren. Sie geben zum Beispiel an, wie viel CO2 eingespart wurde, wie viele Arbeitsplätze entstanden sind, wie viele Kilowattstunden geschaffen wurden. Eine wichtige Rolle kommt auch dem Seco und der Deza zu, die über die Situationen in den Ländern jeweils gut informiert sind.

Mehr Geld für Projekte in Aussicht

Aktuell werden 45 Projekte unterstützt, insgesamt 22 Schweizer Firmen beziehen dafür Gelder aus dem Fördertopf. Verteilt wurden seit 2018 zehn Millionen Franken, am 1. April beginnt eine neue, vierjährige Finanzierungsperiode. «Wir haben Projekte mit maximal 150'000 Franken oder fünfzig Prozent des Gesamtbetrags unterstützt», sagt Hermle. Mit dem neuen Budget könnte es mehr sein: Projekte, die eine Kommerzialisierung anstreben, dürften laut Hermle bald bis zu einer halben Million Franken erhalten.

Die Aufgabe von Repic geht indessen über die finanzielle Förderung hinaus. So vernetzt Repic auch die verschiedenen Player: An durchgeführten Veranstaltungen treffen Hochschulen auf NGOs, Unternehmen auf Spezialisten. «Die Vernetzung ist für eine erfolgreiche Entwicklungshilfe enorm wichtig», sagt Hermle.

* Transitionsländer befinden sich im Übergang von einer Zentralwirtschaft zu einer Marktwirtschaft.

Weitere Engagements des Bundes

Energieeffizienz in Städten: Die Schweiz hilft Städten im In- und Ausland, ihren Energieverbrauch laut dem Schweizer «Energiestadt»-System zu optimieren. In diesen «Energiestädten» wurde der Energieverbrauch optimiert.

BEEP-Projekt: Das schweizerisch-indische Programm fördert die energie- und wärmeeffiziente Gestaltung von Gebäuden in Indien, um deren Energieverbrauch zu senken. In Indien ist das Sparpotenzial im weltweiten Vergleich besonders hoch, da in den kommenden Jahren noch besonders viel gebaut wird.

Multilaterale Fonds und Initiativen: Die Schweiz leistet Beiträge zum Beispiel an die «Energising Development»-Partnerschaft, das «Energy Sector Management Assistant Program» oder das «Scaling-up Renewable Energy Program»

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