617 Millionen Franken Verlust: «Höhere SBB-Preise wären absolut unangebracht»

617 Millionen Franken Verlust«Höhere SBB-Preise wären absolut unangebracht»

Die SBB steckt in einer historischen Krise. Am Montagmorgen hat CEO Ducrot die Geschäftszahlen präsentiert. Er will den Bahnbetrieb mit einem Sparprogramm retten.

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Vincent Ducrot, SBB-Chef seit April 2020.

Vincent Ducrot, SBB-Chef seit April 2020.

Tamedia AG
Wie war die Krise für das SBB-Personal?

Wie war die Krise für das SBB-Personal?

20min/Simon Glauser
Die SBB gibt an der Bilanzmedienkonferenz Auskunft über das Corona-Jahr.

Die SBB gibt an der Bilanzmedienkonferenz Auskunft über das Corona-Jahr.

20min/News-Scout

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Montag, 15.03.2021

Zusammenfassung

Damit ist die Konferenz beendet. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Corona-Krise der SBB schwer zugesetzt hat. Doch trotz Rekordverlust von 617 Millionen Franken und des Anstiegs der Nettoverschuldung um 1,5 Milliarden Franken versichert der Bahnbetrieb, dass die Liquidität auch dank des Bundes jederzeit gesichert sei. Die Krise will die SBB mit Sparmassnahmen abwenden und hofft darauf, dass die Kundinnen und Kunden nach der Krise wieder in den ÖV zurückkehren. Diese sollen trotz der Sparmassnahmen keine höheren Ticket-Preise bezahlen müssen.

Gefragt zum Sparprogramm, sagt Finanzchef Hammer: «Wir legen den Fokus ganz bewusst auf Sofortmassnahmen.» Jeder solle schauen, wo es Sparmöglichkeiten gebe.

Ticket-Preise

Ducrot wird gefragt, ob es wegen des Rekordverlustes höhere Ticket-Preise geben werde. Der CEO antwortet: «Die Verantwortung über die Preisentwicklung liegt nicht nur bei der SBB. Wir werden uns aber dafür einsetzen, dass es keine Tariferhöhung gibt, das wäre absolut nicht angebracht.»

S-Bahn fürs Tessin

Im Tessin führt die SBB ein S-Bahn-System ein. Dieses sei betriebsbereit und «ein ganz wichtiger Schritt fürs Tessin». Start ist ab 5. April.

Mieterlasse

Trotz Sparmassnahmen gab es Mieterlasse für die Mieter in den Bahnhöfen. Die SBB wolle die Mieter bei weniger Frequenzen unterstützen, sagt Ducrot. Er ergänzt: «Wir sind da für unsere Mieter, wir sind viel grosszügiger als viele anderen. Das sind langjährige Partnerschaften, die versuchen wir, so gut es geht, zu unterstützen.»

Bombardier-Züge

Ducrot hat seine Rede beendet. Nun beginnt die Fragerunde der Journalisten an CEO Ducrot, Verwaltungsratspräsidentin Ribar und Finanzchef Hammer. Ducrot wird gefragt, wie zufrieden er mit den Bombardier-Zügen sei. Die Züge seien das erste Mal auf Schnee getroffen. «Wir müssen diese Kinderkrankheiten abarbeiten, dafür braucht es Zeit und Geduld», sagt Ducrot. Das Problem gebe es aber mit allen Herstellern.

Mehr Veloplätze

Nun übernimmt Ducrot erneut. Er gibt Ausblick aufs laufende Jahr. Der Kunde stehe im Fokus, so Ducrot. Deshalb habe die SBB etwa viele neue Veloplätze geschaffen. Die SBB habe noch viele Herausforderungen vor sich, wie den Fahrplan. 2021 werde die SBB wieder das richtige Niveau an Personalressourcen haben. Zurzeit läuft auch eine Ausschreibung zur Ergänzung der SBB-Flotte. Ducrot fasst zusammen: «Die SBB steht trotz der finanziellen Situation sehr gut da.» Und weiter: «Die Krise hat uns einen Schub gegeben, besser zu werden. Wir sind klimafreundlich und werden es noch mehr.» Zum Schluss sagt er: «Ich bin sicher, dass wir eine viel bessere Zukunft vor uns haben.»

Hilfe vom Bund

Die SBB konnte ihre Kreditlinie beim Bund um 550 Millionen Franken erhöhen. «Diese Kreditlinie ist unser Corona-Fallschirm», sagt Hammer. Diesen habe die SBB aber noch nicht nutzen können. Die Nettoverschuldung der SBB stieg um 1,5 Milliarden. «Das wird uns in den kommenden Jahren begleiten», sagt Hammer. «Die ÖV-Branche ist von der Covid-Krise massiv betroffen», so Hammer. Die SBB werde aber auch weiterhin investieren, etwa ins Rollmaterial. «Die wirtschaftliche Lage der SBB bleibt angespannt. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass der Schweizer ÖV wieder sonnige Tage erleben wird», sagt Hammer.

Finanzchef Christoph Hammer spricht über die Marktentwicklung. Der Start ins Jahr 2020 sei ausgezeichnet gewesen. Dann kam die Krise. Die Erträge mit Personenverkehr reduzierten sich um 29 Prozent. Beim Güterverkehr gingen die Erträge aber nur um zwei Prozent zurück. Haupttreiber des Verlusts von 617 Millionen Franken war laut Hammer denn auch der Personenverkehr. «Es ist der grösste Verlust seit der Ausgliederung vom Bund in eine Aktiengesellschaft», sagt Hammer.

Sparmassnahmen

«Wir werden auch dieses Jahr sparen», sagt Ducrot. Die SBB müsse ein Kostenbewusstsein entwickeln. Ducrot definierte Sparmassnahmen «das machten praktisch alle Unternehmen in der Schweiz, die von Corona betroffen waren», sagt er, ohne Details zu nennen. Nun übergibt er an Finanzchef Christoph Hammer.

Anstellungsstopp

«Wir haben überall, wo wir konnten, gespart», sagt Ducrot. Seit der Krise gilt bei der SBB ein Anstellungsstop. 2020 sei aber nicht nur negativ gewesen. Ein Meilenstein für die Bahnlandschaft in Europa sei die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels gewesen. Mit dem Preisüberwacher habe die SBB schwierige Verhandlungen geführt, um Sparbilletts anbieten zu können. Auch weil es wegen Corona weniger Passagiere gab, habe die SBB die Pünktlichkeit deutlich erhöhen können. Ausserdem habe die Bahn viel Energie in die Digitalisierung gesteckt. Die SBB habe die Sicherheit und die Kundenzufriedenheit verbessert. Die Störungen am Rollmaterial und an der Anlage seien reduziert worden.

Weniger Kunden

Der welsche CEO Vincent Ducrot begrüsst auf Deutsch. «Wir mussten 270 Baustellen schliessen, das war sehr schmerzhaft», sagt er. Der Grund dafür sei gewesen, dass die SBB nicht gewusst habe, ob es genug Arbeiter für die Baustellen gebe. Wegen Corona zählte die SBB ein Drittel weniger Kundinnen und Kunden.

Weiterhin schwierig

«Wir wissen, es wird noch einmal ein schwieriges Jahr», sagt Ribar. Wann die Nachfrage zurückkomme, wisse sie nicht, sie sei aber überzeugt, dass die Bahn ein beliebtes Fortbewegungsmittel bleibe. Jetzt übergibt Ribar an CEO Vincent Ducrot, der mehr Details über das vergangene Jahr geben soll.

Homeoffice

«13'000 Mitarbeitende der SBB gingen von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice», so Ribar. «Nur dank Ihnen waren die Leistungen überhaupt möglich», bedankt sich Ribar bei den Mitarbeitenden der SBB. Sie dankt auch CEO Ducrot, dass er das Amt am 1. April mitten in der Krise übernommen habe, als die Büros leer waren.

«Spezielles Jahr»

«2020 ist ein spezielles Jahr», sagt Monika Ribar. Sie spricht über den historischen Verlust. Die Zahlen der Reisenden seien dramatisch eingebrochen. In der zweiten Welle hätten viele Kunden und Kundinnen ihr GA auch nicht mehr verlängert. «Alle Bereiche der SBB wurden durch die Krise getroffen», so Ribar. Die Versorgung der Bevölkerung habe aber immer aufrechterhalten werden können.

Jetzt gehts los

Mit etwas Verspätung beginnt die Bilanzmedienkonferenz. Ein Sprecher bittet um Entschuldigung für die Verspätung. Er gibt das Programm bekannt. Den Auftakt macht Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar.

Verlust von 617 Millionen Franken

Im Corona-Jahr hat die SBB einen Verlust von 617 Millionen Franken erlitten. Die Verschuldung stieg um 1,5 Milliarden Franken. Die Folgen der Pandemie seien erheblich, wie der Bahnbetrieb in einer Mitteilung schreibt: In Zügen und Bahnhöfen war ein Drittel weniger Kunden und Kundinnen unterwegs.

Seit Frühling 2020 sei die SBB auf Sparkurs. Sie verhängte einen Einstellungsstopp, sistierte Projekte und stellte Investitionen zurück. Die Liquidität sei dank des Bundes jederzeit gesichert, versichert die SBB. Zudem sei der ÖV von Bund und Kantonen finanziell unterstützt worden.

Auch im laufenden Jahr bleibe die finanzielle Lage angespannt. Die SBB wolle nun mehr ins Rollmaterial investieren. Der Bahnbetrieb fokussiere auf Qualität, Fahrplanstabilität und Baustellenplanung, heisst es.

Seit April ist Vincent Ducrot CEO der SBB. Um 9.30 Uhr gibt er Auskunft, wie das Corona-Jahr für den Bahnbetrieb verlief. Ducrot gibt das Jahresergebnis 2020 bekannt und macht einen Ausblick auf die Schwerpunkte der SBB für 2021. Mit dabei sind Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar und Finanzchef Christoph Hammer.

Die finanzielle Situation der SBB ist wegen der Folgen der Corona-Pandemie angespannt. Einzelne Immobilienprojekte legte die Bahn bereits auf Eis, bis die Finanzierung gewährleistet ist, weitere Projekte sollen folgen. Zur Deckung von Liquiditätsengpässen erhöhte der Bund letztes Jahr die kurzfristigen Kreditlimits um 550 Millionen Franken.

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