Auf Spuren der Actionhelden: Wie schwierig sind eigentlich Stunts?
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Auf Spuren der ActionheldenWie schwierig sind eigentlich Stunts?

Einmal im Leben ein Actionheld sein, wer hat davon noch nie geträumt? Die Sportredaktion begab sich auf die Spuren von Terminator, James Bond und Co.

von
M. Brand und R. Fehr

Monika und Reto trainieren für ihren grossen Auftritt - den «Actionfilm» gibts weiter unten. (Video: Mathieu Gilliand/Marion Bangerter 20 Minuten Online)

Man sagt, dass jedem einmal im Leben 15 Minuten Ruhm zustehen. Zwei Mitglieder der Sportredaktion von 20 Minuten Online nahmen sich zum Ziel, diese als Actionheld bzw. -heldin zu verbringen. Auf dem Trainingsplatz der Stützpunkt-Feuerwehr Uster näherten sich Sportchef Reto Fehr und seine Stellvertreterin Monika Brand ihrem Traum unter fachkundiger Leitung des K-Stunts-Teams, dem Team des Schweizer Holywood-Stuntmans Oliver Keller.

Zuerst wurde übungsweise im Auto geschleudert, gekämpft und gesprungen, was das Zeug hält (siehe Video oben). Erst dann kamen Monika und Reto zu ihrem grossen Auftritt: einem eigenen kleinen Actionfilm, zu sehen ganz unten in diesem Artikel.

Monika Brand: Schleudern ja, Stürzen nein

«Um Stuntman bzw. -woman zu sein, braucht es ganz schön viel Mut. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und begab mich auf den Feuerwehr-Trainingsplatz in Uster. Ich war überzeugt: Kämpfen und springen - kein Problem. Aber das Schleudern im Auto, das war mir nicht ganz geheuer. Und schliesslich konnte ich mich da nur zum Affen machen. So von wegen Frau am Steuer...

Beherzt schritt ich dann aber doch zur Tat und setzte mich als Erstes in den - zum Glück bereits schrottreifen - Wagen. Und siehe da: Ich hatte es drauf. Passgenau zog ich die Vollbremse vor der «Mauer», schleuderte immer und immer wieder um die Kurven und liess beim Anfahren wunderbar die Reifen quietschen. Die Perfektionistin drang in mir durch und ich wäre am liebsten den ganzen Nachmittag im Auto sitzen geblieben. Das machte so richtig Spass! Als ich dann Reto bei seinen Versuchen beobachtete und sah, wie er bei der Vollbremsung die Hosen voll hatte und beim Schleudern die Wassertonne tot fuhr, war mir klar: Ich bin die geborene Stuntfrau - auch wenn ich diese Meinung nur wenig später wieder revidieren musste.

Die zweite «Disziplin», der Showkampf, war dann aber irgendwie nicht wirklich meins. Es war zwar ganz witzig, aber meine schauspielerischen Fähigkeiten liessen da doch etwas zu wünschen übrig. Richtig draufhauen wäre mir wohl besser gelegen. Und was dann kam, holte mich endgültig auf den Boden der Realität zurück: der Sprung aus dem brennenden Haus inklusive Überschlag. Schon früher im Schwimmbad musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen, um hin und wieder mal vom Drei-Meter-Brett zu springen - ohne Salto, versteht sich. Einfach hinunterhopsen, das wäre ja auch bei unserem Stuntman-Training gerade noch gegangen. Aber sich einfach vom Balkon fallen zu lassen, ohne abzuspringen, und sich dann noch zu überschlagen ... Mein Herz war in der Hose, trotzdem schritt ich mit viel Überwindung zur Tat. Es ging, war halb so wild - und trotzdem war ich froh, als es vorbei war.»

Reto Fehr: Ein Bubentraum ging in Erfüllung

«Einmal ein Actionheld sein. Das ist wohl der Traum jedes kleinen Buben. Auch bei mir war das nicht anders. Einmal im Auto um die Kurve schleudern, einmal eine spektakuläre Schlägerei gewinnen und einmal aus einem brennenden Gebäude springen. Diese Fantasien gehen als Stuntman in Erfüllung – zumindest könnten sie das.

Nach einer kurzen Angewöhnungsphase klappen die Vollbremse und das Schleudern um die Kurve im Auto ziemlich gut. Die umgerammte Wassertonne kann man mit einem bisschen guten Willen als zusätzlichen Actioneffekt statt als Fahrfehler bezeichnen. Bei der Vollbremsung vor der Barrikade siegt dann aber der Respekt über den Mut vor dem Crash, was mir in dieser Disziplin eine «Niederlage» gegen Monika einbrockt. Gegen eine Frau, wohlgemerkt - das ist für einen angehenden machohaften Helden schon etwas peinlich.

Immerhin läuft die Schlägerei danach mehr oder weniger wie gewünscht. Doch zum Abschluss misslingt der Sprung aus dem Haus. Kopfüber-Sprünge irgendwo hinunter waren nie meine Stärke. Ob früher ab dem Sprungbett in der Badi, beim Glockenabsprung vom Reck in der Schule oder auch beim Salto-Versuch bei «Wie schwierig ist eigentlich Skiakrobatik». Trotz langer Jahre als Hobbyfussballer bleibt für mich die Schauspielerei weiterhin ein grosses Geheimnis. Zu allem Übel werde ich auf dem Balkon dann auch noch abgeschossen und ich falle hinunter, statt dass ich springe. Nein, Actionheld ist wohl doch nichts für mich. Obwohl der Schnuppertag mindestens genauso aufregend war wie die Abenteuer von Spiderman, Superman, Batman und Co.»

Der «Actionfilm»

Neue Stunt-Talente gesucht

Hollywood-Stuntman Oliver Keller organisiert vom 19. Juli bis 7. August in Interlaken seinen letzten Stunt-Basiskurs. Auf dem Lehrplan stehen Themen wie Auto-Verfolgungsjagd, Schleudern, Stürze, Show-Kämpfe oder Feuer-Stunts.

20 Minuten Online verlost einen Platz in diesem Kurs. Sechs Bewerber haben uns deshalb ihre eigenen Stunt-Videos geschickt. Stimmen Sie hier ab, wer nach Interlaken reisen soll.

Nähere Informationen zum Kurs gibts unter http://stuntsquad.ch.

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