Aktualisiert 11.03.2014 09:26

Neuer KinofilmWie sexy darf Jesus sein?

In «Son of God» spielt ein Model Jesus Christus. Am Hashtag «Hot Jesus» entflammte nun eine Debatte. Doch Kontroversen über biblische Figuren in Filmen sind nichts Neues.

von
Monika Rufener

Ist Diogo Morgado zu schön für die Rolle des Jesus Christus? Der 34-Jährige ist Model und wurde in seiner Heimat Portugal durch Auftritte in Seifenopern berühmt. Nun wurde Morgado für die Rolle von Jesus im Kinofilm «Son of God» gecastet. Der Streifen zeigt ein ungewohntes Bild der biblischen Figur: Gottessohn als durchtrainierter Beau mit hohen Wangenknochen und verführerischem Blick. Die Schönheit von Diogo Morgado ist Gesprächsthema in den USA und hat auf Twitter bereits einen eigenen Hot-Jesus-Hashtag. «Ich habe mich in den #hotjesus verknallt», so eine Userin.

Doch es hagelt auch Kritik und Häme: «Jesus sieht besser aus, als es notwendig wäre», schreibt beispielsweise das Magazin «Variety». Und die Zeitschrift «The Hollywood Reporter» vergleicht den Portugiesen mit dem jungen Marlon Brando. Talkmasterin Oprah Winfrey hingegen witzelte bei einem Interview mit Morgado: «Wir haben Jesus nicht nur gefunden, es ist ein Jesus mit Sex-Appeal.» Die Rolle des Jesus zu besetzen war schon immer ein Problem für Regisseure, die einen Film zu dem Thema drehten.

Video: Der Trailer von «Son of God»:

(Quelle: Youtube/Cieon Movies)

Tadel ist nicht selten

«Jesus-Filme gibt es seit der Frühzeit des Kinos», sagt der Theologe Jeffrey Mahan, der an einer Hochschule in Denver lehrt. «Das Schwierige dabei ist, die Spannung zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen der Figur zu erhalten.» In manchen Filmen, zum Beispiel in «Ben Hur» (1959), wurde das Problem so gelöst, dass Jesus nur von hinten zu sehen war. Martin Scorsese stellte Jesus in «Die letzte Versuchung Christi» (1988) als jemanden dar, der sich mit menschlichen Versuchungen auseinandersetzt – konservative christliche Gruppen kritisierten den Film heftig, in dem William Dafoe die Hauptrolle spielt. Auch der Film von Mel Gibson, «Die Passion Christi» (2004), stand unter Kritik, unter anderem wegen seiner Gewaltszenen.

In «Son of God» nun, einem Film, der aus einer Fernsehserie ausgekoppelt wurde, ist Jesus als ausgesprochen attraktiver, einnehmender Mann zu sehen. Sie habe lange nach dem passenden Darsteller gesucht, berichtet Roma Downey, die den Film zusammen mit ihrem Mann Mark Burnett produziert hat und ausserdem Jesu Mutter Maria spielt. Ihr sei es auf mehrere Qualitäten angekommen: «Jemand, der gleichzeitig Stärke, Präsenz, Charisma, Zartheit, Freundlichkeit, Leidenschaft und Bescheidenheit verkörpert», sagt sie. «Einer, der sowohl ein Löwe als auch ein Lamm sein kann.»

Der Zufall kam ihr zu Hilfe. Im marokkanischen Quarzazate, wo die Dreharbeiten stattfanden, erinnerte sich jemand an Morgado, der dort zuvor in einem anderen Film mitgespielt hatte. Für ihn ist es so etwas wie die Rolle seines Lebens. Nach seinem Tod werde man sich deswegen an ihn erinnern, sagt der Portugiese. «Warum sollte es mich stören, wenn mich die Leute als Jesus mit Sex-Appeal bezeichnen?», fragt er. «Ich bin wirklich stolz auf diesen Film.» In den USA ist «Son of God» ein Kassenerfolg und landete am vergangenen Wochenende nach dem Thriller «Non stop» auf Platz zwei der meistbesuchten Filme. Wann der Film in Schweizer Kinos läuft, ist noch nicht bekannt.

Jesus als Frauenschwarm?

Morgado ist keineswegs der erste gut aussehende Jesus-Darsteller. Die Schauspieler, die Jesus verkörperten, sähen oft aus, als seien sie einem Renaissance-Gemälde entnommen, erklärt Adele Reinhartz, die ein Buch über «Jesus in Hollywood» geschrieben hat. «Diese Entscheidungen haben mit Marketing zu tun.» Und der Theologe Steven Kraftchick bestätigt: «Bei Filmen geht es ums Geschäft.»

Das Problem sei, dass man nicht wisse, wie Jesus ausgesehen habe, sagt Kraftchick. «Wie gross war er? Hatte er vielleicht einen Sprachfehler?» Produzentin Downey sagt, dass ihr Schauspieler immerhin ein Latino sei – bislang wurde Jesus ausschliesslich von weissen Darstellern gespielt.

Mahan, der Theologe aus Denver, hat trotzdem Bedenken gegen solche Filme wie «Son of God»: «Jesus wird hier als eine Art Frauenschwarm dargestellt, es wird ignoriert, dass er eigentlich ein Aussenseiter war. So ein schöner Jesus ist der Versuch, aus ihm einen Star zu machen. Und das entspricht nicht dem, was im Evangelium steht.»

Mit Material der Nachrichtenagentur AP

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.