Überlebensstrategien: Wie sich Messen in die Zukunft retten können
Publiziert

ÜberlebensstrategienWie sich Messen in die Zukunft retten können

Den Messen laufen die Besucher und die Aussteller davon. Neue Konzepte sind deshalb dringend nötig.

von
Dominic Benz
1 / 11
Messen wie die Baselworld sind laut Experten nicht mehr zeitgemäss.

Messen wie die Baselworld sind laut Experten nicht mehr zeitgemäss.

Keystone/Georgios Kefalas
«Statt Wasserfällen in den Ständen und schönen Hostessen sollten es sich wieder mehr um das Produkt drehen. Weniger ist mehr», sagt Marketingexperte Cry Steinmann zu 20 Minuten.

«Statt Wasserfällen in den Ständen und schönen Hostessen sollten es sich wieder mehr um das Produkt drehen. Weniger ist mehr», sagt Marketingexperte Cry Steinmann zu 20 Minuten.

Bloomberg
Während die Baselworld nun auch Swatch als Aussteller verliert, hat auch der Genfer Autosalon mit Opel und Volvo gewichtige Kunden verloren.

Während die Baselworld nun auch Swatch als Aussteller verliert, hat auch der Genfer Autosalon mit Opel und Volvo gewichtige Kunden verloren.

Keystone/Georgios Kefalas

Das bisherige Konzept von Messen scheint ein Auslaufmodell zu sein. Nicht nur haben etliche Ausstellungen mit Zuschauerschwund zu kämpfen. Auch die Aussteller laufen davon. So kündigte Swatch-Chef Nick Hayek an, dass der grösste Schweizer Uhrenkonzern die Baselworld verlässt. Traditionelle Uhrenmessen seien für Swatch nicht mehr sinnvoll, sagte Hayek. Auch der Genfer Autosalon hat mit Opel und Volvo gewichtige Marken verloren. Der Ruf nach neuen Konzepten ist allgegenwärtig. Doch wie könnten diese aussehen? 20 Minuten blickt in die Zukunft.

• Keine überinszenierten Stände

Unter vielen Ausstellern herrscht die Devise: Je verrückter, grösser und pompöser der Stand ist, desto besser. Doch das verschlingt Unsummen von Geld. Laut Cary Steinmann sind solche überrissenen Erlebniswelten nicht mehr zeitgemäss. «Statt Wasserfälle und schöne Hostessen an den Ständen sollte wieder vermehrt das Produkt im Mittelpunkt stehen. Weniger ist mehr», sagt der Marketingexperte zu 20 Minuten. Die Inszenierung der Marke finde am besten auf der Website oder in TV-Spots statt. An der Messe sollte hingegen das Produkt erlebbar sein. «Die Kunden sind immer noch am zufriedensten, wenn sie das Produkt anfassen und probieren können», erklärt Steinmann.

• Auf Zielgruppen zugehen

Gemäss Steinmann sollten sich Messen in Bezug auf den Standort flexibler zeigen. «Wer will heute noch extra für einen Messestand nach Genf oder Basel reisen, um dann nur einen Stand zu sehen? Im Online-Zeitalter, wo alles per Klick erreichbar ist, macht das keinen Sinn», sagt der Experte. Eine Möglichkeit sei, unter einem Messe-Label an verschiedenen Standorten präsent zu sein. So könne man auf die regionalen Bedürfnisse der Kunden eingehen. «Eine Messe für alles und jeden funktioniert in der Welt der Individualität schon lange nicht mehr», meint Steinmann.

• Als Festival inszenieren

Messen sollten in Zukunft mehr bieten als nur Stände. «Eine Möglichkeit ist der Wandel in eine Art Festival», sagt Marketingexperte Hans-Willy Brockes. Einen mutigen Weg sei etwa die Technologiemesse Cebit in Hannover gegangen. Dort werde der Messecharakter mit Konzerten oder Vorträgen durchbrochen. «Gerade bei jüngeren Besuchern punktet man mit Happenings und nicht mit klotzigen Messebauten», erklärt Brockes.

• Mehr Digitalisierung

Eine Messe sollte digital stattfinden. «Events oder Reden von Konzernchefs könnten im Internet gestreamt werden», sagt Steinmann. Das sollten vor allem Luxus-Messen wie die Baselworld beherzigen. «Heute gibt es viele junge Millionäre, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind.» Diese potenziellen Kunden müsse man auch mit entsprechenden Mitteln ansprechen. Auch Experte Brockes ist ähnlicher Meinung: «Marktplätze finden heute im Netz statt. Daher müssen auch Messen digital unterwegs sein.»

• Keine Give-aways mehr

Nicht nur mit einfacheren Ständen lassen sich Kosten sparen. Überflüssige Ausgaben entstehen durch den Druck von hochwertigen Broschüren und Artikeln, die gratis an die Besucher abgegeben werden. An Messen tummeln sich denn auch viele Besucher, die ausschliesslich auf der Jagd nach Give-aways sind. Unter den Ausstellern sind sie verpönt. Für Steinmann ist daher klar: «Da viele Besucher sowieso keine Kaufabsichten hegen, sollten Aufkleber oder ganze Geschenktüten nicht mehr gratis abgegeben werden.»

• Näher bei den Kunden

Eine andere Möglichkeit ist, dass die Unternehmen die eigenen Räumlichkeiten als Messegelände nutzen und so näher bei wichtigen Kunden sind. «Uhrenhersteller könnten für kaufkräftige Kunden in den Werken Führungen und Events organisieren», sagt Steinmann. Besucher würden so Einblicke erhalten, die sonst nicht möglich sind. Das sei persönlicher und erspare den Uhrenfirmen das Mieten von teuren Messeflächen. Für den gewöhnlichen Messebesucher würden sich hingegen Veranstaltungen in den Shops anbieten. «Das ist attraktiver als ein Messestand.»

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf die drei Streifen, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für das Wirtschafts-Ressort aktivieren.

Deine Meinung