Ferienreport 2011: Wie sich Schweizer in den Ferien verhalten
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Ferienreport 2011Wie sich Schweizer in den Ferien verhalten

Mehr Alkohol, mehr flirten und mehr Sex an ungewohnten Orten. Schweizerinnen und Schweizer werden in den Ferien zu anderen Menschen.

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rn/oku

Schweizerinnen und Schweizer lassen sich in den Ferien gerne gehen. Dies geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Ferienreport 2011 von Kuoni hervor. Demnach sind Touristen aus der Schweiz im Urlaub «experimentier- und kontaktfreudiger und möchten ihr Ferienziel intensiv kennenlernen und spüren».

Das Marktforschungsinstitut Opinion Matters befragte in Kuonis Auftrag im vergangenen November über 1000 Kunden des Reisekonzerns im Alter zwischen 25 und 65 Jahren. Der Fokus richtete sich dabei auf das Verhalten der Reisenden vor, während und nach ihren Ferien. Die Resultate bestätigen viele Klischees.

Frauen besser vorbereitet als Männer

Die Kurve in Sachen Reisefieber schlägt je nach Geschlecht sehr unterschiedlich hoch aus. Während 85 Prozent der Frauen lange vor Urlaubstart organisieren, planen und packen, sind es bei den Männern lediglich 71 Prozent, welche die Ferienvorbereitung aktiv in die Hand nehmen. 29 Prozent lassen dieses Erlebnis einfach auf sich zukommen und vertreten die Ansicht «Ferien beginnen im Kopf».

Auch in der Art der Reisevorbereitung gibt es zwischen Frau und Herr Schweizer gravierende Unterschiede. Zwar sind sich rund zwei Drittel der Vertreter der Gatttung Homo Touristicus einig, dass Lektüre zum Urlaubsziel im Vorfeld Pflicht ist. Und mit einigen Abstrichen besteht sogar über die Notwendigkeit neuer Kleidung für den Urlaub eine gewisse Einigkeit. Damit die Textilien - insbesondere jene mit etwas knapperer Oberfläche - entsprechend gut zur Geltung kommen, verfolgen ihre Besitzer indes unterschiedliche Strategien. Während mehr als jede Zehnte im Vorfeld des Urlaubs mit Diäten einige Pfunde loswerden will (12 Prozent), versuchen männliche Reisende bis zum Abreisetag ihren Body mit Fitness in Form zu bringen (10 Prozent). Und während die Frau von Welt noch unbedingt zur Maniküre muss (21 Prozent), begibt sich der männliche Ich-bin-dann-mal-weg-Sager vor Abreise noch rasch zum Coiffeur (5 Prozent).

Ostschweizer hoffen auf heissen Sex

Ob es sich nur um Imponiergehabe handelt, ist nicht klar: Jeder zehnte Schweizer gibt an, in den Ferien «viel mehr Sex» zu haben als daheim. Mehr als ein Drittel will immerhin mehr Sex als zu Hause haben. Ostschweizer hoffen gemäss Umfrage «besonders stark auf heissen Sex» im Urlaub.

Überraschend ist, dass nicht etwa die Jungen, sondern die über 35-Jährigen das abenteuerlustigste Sexualverhalten an den Tag legen. So will ein Drittel der 45- bis 54-Jährigen Sex am Strand gehabt haben. Dabei scheint selbst der Nachwuchs dem bunten Treiben nicht im Weg zu stehen. Ein Viertel der befragten Eltern gab an, Sex im Meer gehabt zu haben.

So oder so scheinen die Hormone in den Ferien keinesfalls Auszeit zu haben - lediglich drei Prozent sind während des Urlaubs nach Eigenauskunft in sexueller Hinsicht weniger aktiv als im Alltag. Familienfreundliche Hotels dürften also auch weiterhin hoch im Kurs stehen.

Das geht im Urlaub gar nicht

Während Touristen aus England, Holland oder Deutschland ja mitunter im Ruf stehen, im Urlaub gerne einmal über die Stränge zu schlagen und den Knigge für ordentliches Verhalten schon mal ins Lagerfeuer befördern, kann die Mehrheit der Schweizer offenbar Anstand und Sitte nicht einfach so zuhause lassen. So geben 41 Prozent der Befragten an, dass es für sie auch in der Ferne ein Gräuel ist, irgendwie aufzufallen. Ein Papier, eine Dose oder den Rest des Apfels einfach auf den Boden zu werfen, geht für 81 Prozent überhaupt nicht. Paradox dabei: 8 Prozent der Männer geben an, in den Ferien jemand ganz anderer zu sein und eine neue Persönlichkeit anzunehmen.

Für 48 Prozent der Schweizerinnen ist auch «oben ohne» ein absolutes NoGo. Das sehen Männer - oh Wunder - indes ein klein wenig anders: Für 72 Prozent ist der Anblick unverhüllter Busen am Strand nicht unbedingt ein triftiger Grund, sofort die Hände vor die Augen zu halten. Zumindest in dieser Hinsicht scheint die plötzlich in den Ferien erlangte «neue Persönlichkeit» der alten sehr zu ähneln.

Schöne Orte sehen

Sex ist aber nicht die Hauptsache im Urlaub: Als wichtigstes Ferienerlebnis wollen 76 Prozent der Befragten schöne Orte sehen. Gleich viele wollen ein anderes Land erleben. Kulinarische Erfahrungen wollen 64 Prozent machen, 62 Prozent wollen einfach Spass haben und 59 Prozent wünschen sich kulturelle Erfahrungen.

Dazu sind Schweizerinnen und Schweizer bereit, tief in die Tasche zu greifen. Am meisten Geld geben die Befragten für Ausflüge (49 Prozent) aus. Daneben investieren sie ihre Moneten in lokales Essen (46 Prozent), Wellness und Beauty (45 Prozent) sowie in Souvenirs (33 Prozent). Ein Viertel gab an, in den Ferien mehr Geld für Kleider auszugeben als zu Hause.

39 Prozent trinken mehr Alkohol

Locker sitzt das Portemonnaie bei Schweizer Touristen auch in Bezug auf alkoholische Drinks. Vier von zehn Befragten gaben an, in den Ferien mehr Alkohol zu trinken als zu Hause. Am meisten trinken gemäss der Studie Singles. Eltern mit Kindern trinken in den Ferien hingegen nicht mehr Alkohol.

Das Marktforschungsinstitut befragte die Touristen auch nach den Zukunftsreisetrends. 42 Prozent glauben demnach, dass Nachhaltigkeit immer wichtiger werden wird. Knapp ein Drittel geht davon aus, dass Öko-Tourismus an Bedeutung gewinnen wird. Gleichwohl wünschen sich 38 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer in zehn Jahren einfache Luxus-Ferien mit traditionellen Werten.

Die diesjährige ist die zweite Ausgabe des Kuoni-Ferienreports. Während heuer das Verhalten der Reisenden analysiert wurde, ging es bei der Erstausgabe im Vorjahr darum, wie Ferien das Leben verändern und welche Entscheide in der Folge die Zukunft zu Hause beeinflussen.

Der Kuoni-Ferienreport 2011

Der Reiseanbieter führte in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Opinion Matters im November 2010 bei 1007 Konsumenten zwischen 25 und 65 Jahren in der ganzen Schweiz eine Befragung durch.

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