Neuer Swisscom-Service: Wie sicher ist die Krankenakte im Netz?

Aktualisiert

Neuer Swisscom-ServiceWie sicher ist die Krankenakte im Netz?

Allergien, Blutgruppe oder die ganze Krankengeschichte im Internet speichern? Was im Notfall das Leben retten kann, wirft aus Sicht des Datenschutzes Sicherheitsfragen auf.

von
owi
Die Krankengeschichte inklusive Gewicht, Blutgruppe oder Allergien auf der Chip-Karte könnte bald Realität werden. (Bild: Colourbox)

Die Krankengeschichte inklusive Gewicht, Blutgruppe oder Allergien auf der Chip-Karte könnte bald Realität werden. (Bild: Colourbox)

Die persönliche Krankengeschichte ins Internet stellen? Was Microsoft und Google in den USA seit mehreren Jahren ermöglichen, bietet die Swisscom nun auch in der Schweiz an. Am Dienstag informierte die Swisscom-Tochter Evita über die Online-Patientenakte. «Im kostenlosen Gesundheitsdossier können Gesundheitsdaten online gespeichert werden und stehen jederzeit weltweit über einen sicheren Internet-Zugang zur Verfügung.

Der Inhaber pflegt seine Daten selbst und kann Vertrauenspersonen selektiv Zugriff auf das Dossier gewähren», heisst es. Konkret können Evita-Nutzer Arztberichte, wichtige Kontakte, Diagnosen oder Röntgenbilder im Internet speichern und dem Hausarzt oder Familienangehörigen den direkten Zugriff auf die Daten erlauben.

«Das Arztgeheimnis bleibt gewahrt»

Warum sollte jemand seine persönlichsten Daten im Zeitalter von Cyber-Kriminellen und Hacker-Attacken gegen Grosskonzerne ins Internet stellen? In Notfällen könnten Patienten wichtige gesundheitsbezogene Unterlagen oft nicht rechtzeitig finden. Es sei daher von Vorteil, wenn alle Daten an einem zentralen und beispielsweise auch im Ausland erreichbaren Ort – sprich im Internet – gespeichert seien, schreibt Evita. Ein Swisscom-Sprecher sagt auf Anfrage von 20 Minuten Online, dass «die Daten ausschliesslich auf Swisscom-Servern in der Schweiz gespeichert» werden. «Sie sind verschlüsselt und können auch von Swisscom nicht eingesehen werden.» Der Sprecher betont, dass einzig Patient und Arzt entscheiden, wer welche Daten einsehen kann.

Keine Angst vor Daten-Panne

Trotz erfolgreicher Hacker-Attacken gegen Konzerne wie Google oder Sony fürchtet man sich bei Swisscom offenbar nicht vor einer Daten-Panne: «Wir benutzen die besten heute verfügbaren Sicherheitstechnologien. Swisscom hat seit vielen Jahren Erfahrung mit schützenswerten Daten.»

So praktisch die Gesundheitsakte im Internet sein kann, so gefährlich wird es, sollten die Daten in falsche Hände geraten. Patientendaten über Krankheiten wären für Cyber-Kriminelle mindest so wertvoll wie etwa Kreditkartendaten. Zwielichtige Firmen würden vermutlich ein Vermögen für die persönliche Krankengeschichte bezahlen, um den Opfern irgendwelche (gefälschten) Medikamente oder Heilmethoden anzudrehen.

Das Online-Gesundheitsdossier ist nur in der Basis-Version gratis. Wer die Daten weiterer Familienmitglieder im Netz speichern und verwalten möchte, bezahlt drei Franken pro Monat. Im Bezahl-Angebot können zusätzlich Vitalwerte wie Gewicht, Blutdruck oder Puls erfasst oder von entsprechenden Geräten direkt ins Internet übertragen werden.

Spitäler haben Vorbehalte

Ganz so ausgereift wie die digitalen Patientenakten in den USA ist Evita allerdings noch nicht. Dort können Kunden zum Teil «ihre Informationen auf einer kleinen Karte speichern und sie beispielsweise im Portemonnaie aufbewahren», schreibt das Gesundheits-Portal kliniksprecher.de. Im Notfall fragen Rettungskräfte über einen Code relevante Daten wie die Blutgruppe ab, um den Patienten schneller und effektiver zu behandeln.

In der Schweiz stösst eine Karte mit gespeicherten Krankendaten auf grosse Vorbehalte. Die Thurgauer Spitäler weigerten sich, medizinische Daten auf den Chip der neuen Krankenversichertenkarte zu speichern. Der Datenschutz sei nicht sichergestellt, sagte Alex Steinacher, Präsident der Thurgauer Grundversorger, vor einem Jahr gegenüber der «Thurgauer Zeitung».

Bei der Swisscom scheint derzeit keine Chip-Karte mit sensiblen Patientendaten geplant zu sein. Das Unernehmen teilt mit, dass das elektronische Gesundheitsdossier als PDF-Datei gedruckt und damit auch gespeichert werden könne.

Nichts verpassen

Das Ressort Digital ist auch auf Twitter vertreten. Folgen Sie uns und entdecken Sie neben unseren Tweets die interessantesten Tech-News anderer Websites.

Deine Meinung