23.01.2019 04:45

Lehrerpräsident Zemp

«Wie soll ein Lehrer so vor Sexting warnen?»

Medienkompetenz wird an Schulen grossgeschrieben. Trotzdem postet ein Lehrer erotische Bilder von sich. Der oberste Lehrer, Beat W. Zemp, nimmt Stellung.

von
daw

Herr Zemp, sind die erotischen Fotos des Lehrers vertretbar oder ein No-go?

Grundsätzlich hat eine Lehrperson ein Recht auf Privatleben. Es gab auch schon eine Lehrerin, die sich als Miss Schweiz freizügig ablichten liess. Aber: Als Lehrperson ist man im Schaufenster, man ist eine öffentliche Person mit einer Vorbildfunktion. Die erotischen Bilder des Lehrers sind damit nicht vereinbar. Wer ein öffentliches Profil mit 22'000 Followern auf Instagram hat, muss damit rechnen, dass auch Schüler die Fotos sehen.

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An einer Zürcher Primarschule arbeitet ein Lehrer, der auf Instagram Bilder von sich postet, auf denen er halbnackt zu sehen ist.

An einer Zürcher Primarschule arbeitet ein Lehrer, der auf Instagram Bilder von sich postet, auf denen er halbnackt zu sehen ist.

Seinen gut 20'000 Followern zeigt er sich auf Dutzenden von homoerotischen Fotos. Beispielsweise so, wie Gott ihn schuf – sein bestes Stück von einigen Bananen bedeckt.

Seinen gut 20'000 Followern zeigt er sich auf Dutzenden von homoerotischen Fotos. Beispielsweise so, wie Gott ihn schuf – sein bestes Stück von einigen Bananen bedeckt.

Das findet D. N.*, deren Tochter die Schule besuchte, nicht akzeptabel. Auf Facebook hat sie einen entrüsteten Post abgesetzt, der rege diskutiert wird: «Mich interessiert nicht, was der Lehrer in seiner Freizeit macht. Aber das sind Pornobilder. Wenn es um unsere Kinder geht, kenne ich kein Pardon!»

Das findet D. N.*, deren Tochter die Schule besuchte, nicht akzeptabel. Auf Facebook hat sie einen entrüsteten Post abgesetzt, der rege diskutiert wird: «Mich interessiert nicht, was der Lehrer in seiner Freizeit macht. Aber das sind Pornobilder. Wenn es um unsere Kinder geht, kenne ich kein Pardon!»

Kann man ihm die Lehrbefähigung entziehen?

Nein. Er hat nichts Strafbares gemacht, da ich nicht davon ausgehe, dass ein Gericht die erotischen Fotos als illegale Pornografie beurteilen würde. Darum konnte die Schulleitung kaum anders reagieren, als sich hinter den Lehrer zu stellen. Ansonsten droht eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung, die sie kaum gewinnen kann.

Welche Wirkung haben solche Bilder auf Primarschüler?

Auch Primarschüler gelangen auf erotische Seiten, wenn Eltern das nicht verhindern. Es ist also wohl nicht das erste Mal, dass die Kinder mit freizügigen Bildern konfrontiert sind. Kommt nun eine Reaktion der Schüler auf die Bilder des Lehrers, muss die Schule das mit ihnen thematisieren.

Gemäss Lehrplan 21 müssen Schüler lernen, die Mediennutzung «unter Einbezug der Regeln und Wertesysteme» zu reflektieren. Verfügt die Lehrperson über die nötigen Kompetenzen?

Offensichtlich nicht. Es ist auch schwierig, Schülern beizubringen, dass sie die Finger von Sexting lassen sollen, wenn ihr Lehrer selbst erotische Bilder postet. Das hat wohl auch die Mutter gestört, die sich bei der Schule beschwerte. Wir raten darum davon ab, es als Lehrperson so zu machen wie der Vertreter an dieser Zürcher Schule.

Läuft in der Ausbildung etwas schief?

Nein, das Thema gehört zur Ausbildung. Angehende Lehrpersonen werden darauf sensibilisiert, ihre Social-Media-Aktivitäten gemäss den Standesregeln auszuführen. Die Mehrheit handelt auch vernünftig. Und man darf nicht vergessen: Auch in anderen Berufsgruppen gibt es Fehltritte. Ich erinnere mich etwa an einen CEO, der Nacktfotos von sich veröffentlicht hat.

Eine Mutter will ihr Kind aus der Klasse nehmen, die von diesem Lehrer unterrichtet wird. Hat er noch die Autorität, weiterhin zu unterrichten?

Der Unterricht muss gewährleistet sein. Wenn es eine Einzelreaktion einer Mutter ist, ist der Schulbetrieb nicht infrage gestellt. Ich kenne den Einzelfall nicht genau. Laut der Schulleitung ist er ein guter Lehrer. Ich gehe nicht davon aus, dass seine Stellung so untergraben ist, dass er nicht mehr unterrichten kann.

Zur Person

Beat W. Zemp ist seit 1990 Präsident des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz.

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