Kampagne des Modegeschäfts Tally Weijl - Diskussionen um Mittelfinger und herausgestreckte Zungen
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Zwist um Mittelfinger«Wie soll ich das meinen Töchtern erklären?»

Die Kampagne des Modegeschäfts Tally Weijl regt zu Diskussionen an. Auf Plakaten sind Mittelfinger, herausgestreckte Zungen und nackte Haut zu sehen. Ein Wiler und eine Wilerin fragen sich, was die Botschaft an die Mädchen und junge Frauen dahinter sein soll.

von
Shila Ochsner
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In Wil SG fühlen sich zwei Personen von solchen Plakaten gestört. 

In Wil SG fühlen sich zwei Personen von solchen Plakaten gestört.

20 Minuten 
Die Kampagne «Totally me» schmückt momentan auch die Schaufenster des Modegeschäfts in St. Gallen. 

Die Kampagne «Totally me» schmückt momentan auch die Schaufenster des Modegeschäfts in St. Gallen.

20 Minuten 
Tally Weijl möchte mit der rebellischen Kampagne gegen gesellschaftliche Erwartungen an Frauen kämpfen. 

Tally Weijl möchte mit der rebellischen Kampagne gegen gesellschaftliche Erwartungen an Frauen kämpfen.

Tally Weijl

Darum gehts

  • Die kontroverse Kampagne regt zu Diskussionen an.

  • Ein Wiler und eine Wilerin finden die Plakate zu vulgär für junge Personen.

  • Die Kampagne soll Mädchen und jungen Frauen Mut machen, sich gesellschaftlichen Erwartungen zu widersetzen.

  • Das Unternehmen freut sich trotzdem über viele positive Rückmeldungen.

In Wil SG wie auch in anderen Filialen von Tally Weijl zieren momentan Plakate mit Frauen in spärlicher Kleidung oder die den Mittelfinger zeigen die Schaufenster. Das sorgt für Kritik: Violeta Dobreva und ihr Kollege, der Vater zweier junger Mädchen, Serghei Mihalcean, fragen sich in der aktuellen Ausgabe der «Wiler Nachrichten», was die Botschaft dieser Kampagne sein soll. Die beiden sind der Meinung, dass das Plakat mit dem ausgestreckten Mittelfinger und dem Schriftzug «Totally me» ein falsches Signal an Mädchen und junge Frauen sendet.

Mihalcean fragt sich: «Wie soll ich das meinen Töchtern erklären? Zu Hause bringe ich ihnen anständiges Benehmen bei und auf der Strasse werben Läden mit solch provokanten Werbemassnahmen.» Dobreva erkennt an, dass die Kampagne junge Frauen für ein rebellisches Verhalten gegen die Gesellschaftsstrukturen motivieren will. Sie sagt jedoch: «Junge Frauen sollen stark sein, aber doch nicht, indem sie sich ausziehen, die Zunge rausstrecken und den Stinkefinger zeigen.» Das übersteige die moralische Grenze Dobrevas, schreiben die «Wiler Nachrichten».

Pfeife auf Erwartungen

Tally Weijl sieht das entspannter. «Wir sind nicht perfekt, aber wir tun unser Bestes, uns stets zu verbessern, um diese Welt zu einem noch besseren Ort für alle Frauen zu machen», so das Statement des Kleiderhändlers. Die Kampagne «Totally me, #fuckexpectations», was übersetzt «total ich selber, pfeife auf Erwartungen», heisst, kämpfe gegen die gesellschaftlichen Erwartungen an junge Frauen. Gerade in der Modeindustrie wurden junge Frauen jahrelang durch Stereotype beeinflusst. Tally Weijl will junge Frauen motivieren, dagegen zu rebellieren. «Wir glauben, dass die Welt noch aufregender ist, wenn Frauen den Mut haben, den Weg zu gehen, den sie wollen», schreibt Tally Weijl auf ihrer Website. Jede und jeder soll das tragen dürfen, was sie oder er möchte.

Steht auf für «Bad Girls»

Eine Verkäuferin (23) des Shops in St. Gallen hat keine negativen Reaktionen auf die Plakate erhalten. «Die Kampagne soll jungen Frauen den Mut geben, nicht das zu machen, was von ihnen erwartet wird», sagt die 23-Jährige. «Ich kann mir vorstellen, der Mittelfinger soll provokant wirken und Aufmerksamkeit generieren.» Und weiter: «Aber das steht auch für uns Bad Girls.»

Auch zwölfjährige Mädchen, welche des Öfteren im Tally Weijl einkaufen, finden die Plakate super: «Wir lassen es uns nicht nehmen, uns so zu kleiden, wie wir uns wohlfühlen.»

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