Rassismus in unserer Kommentarspalte
Aktualisiert

Dieser Post ist ein No-go«Wie soll sich der Balkan-Poser das alles leisten?»

Täglich finden in unserer Kommentarspalte Hunderte von Diskussionen statt. Was ist dort eigentlich erlaubt – und wo wird der Ton überschritten? Wir zeigen es Ihnen: Heute mit Kommentaren zum Thema Rassismus. 

von
Gabriela Graber
Zora Schaad
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Einschätzung 20 Minuten: Einer Schweizer Familie wird aufgrund ihrer Hautfarbe ihre Schweizer Zugehörigkeit aberkannt. Dies ist ein klassischer Fall von «Othering». Kommentar abgelehnt. 
Thema des Artikels: Berner bauen sich ein Haus in Senegal. 

Einschätzung 20 Minuten: Einer Schweizer Familie wird aufgrund ihrer Hautfarbe ihre Schweizer Zugehörigkeit aberkannt. Dies ist ein klassischer Fall von «Othering». Kommentar abgelehnt. 

20 Minuten 
Einschätzung 20 Minuten: Rassistische Sprache: In diesem Kommentar wird die Moderatorin Oprah Winfrey rassistisch abgewertet, indem sie mit dem Kannibalen-Vergleich als unzivilisiert und rückschrittlich dargestellt wird. Dies ist ein rassistischer Vergleich, der oft im Zusammenhang mit schwarzen Menschen gezogen wird. Kommentar abgelehnt. 
Thema des Artikels: Ein Interview mit Oprah Winfrey. 

Einschätzung 20 Minuten: Rassistische Sprache: In diesem Kommentar wird die Moderatorin Oprah Winfrey rassistisch abgewertet, indem sie mit dem Kannibalen-Vergleich als unzivilisiert und rückschrittlich dargestellt wird. Dies ist ein rassistischer Vergleich, der oft im Zusammenhang mit schwarzen Menschen gezogen wird. Kommentar abgelehnt. 

20 Minuten 
Einschätzung 20 Minuten: Dieser Kommentar ist zulässig, da er weder Minderheiten abwertet noch rassistische Sprache enthält. Kommentar freigeschaltet. 
Thema des Artikels: Das Ausländer-Kontingent in Eishockey-Clubs. 

Einschätzung 20 Minuten: Dieser Kommentar ist zulässig, da er weder Minderheiten abwertet noch rassistische Sprache enthält. Kommentar freigeschaltet. 

20 Minuten 

Darum gehts

  • Immer wieder gehen rassistische Inhalte in unserer Kommentarspalte ein. 

  • Dank eines Moderationsteams und eines intelligenten Algorithmus bekommen Leser*innen einen Grossteil davon nicht zu Gesicht. 

  • Doch was werten wir eigentlich als zulässig – und wann werden Grenzen überschritten? 

  • Anhand von echten Beispielkommentaren, die nicht auf unserer Seite landen, zeigen wir dies oben in der Bildstrecke. 

  • Die fachliche Beratung macht Dina Wyler, Geschäftsleiterin der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA).

Ob in einem Kommentar zu dem Artikel einer schwarzen Sängerin das N-Wort verwendet oder beleidigend über die Herkunft eines Fussballspielers diskutiert wird: Immer wieder schreiben User*innen rassistische Inhalte in unsere Kommentarspalte. Dank unseres Moderationsteams und eines intelligenten Algorithmus bekommen Leser*innen jedoch den Grossteil dieser rassistischer Äusserungen gar nie zu Gesicht. Doch: Welche Kommentare gelten eigentlich als rassistisch und werden gelöscht? «Rassistische Diskriminierung umfasst mehr als das, was in der Rassismus-Strafnorm festgehalten ist», sagt Dina Wyler, Geschäftsleiterin der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA). «Das Strafrecht ist letztlich nur das letzte Mittel gegen besonders schwerwiegende und öffentliche Verstösse. Es fokussiert sich zudem einseitig auf Täterinnen und Täter statt auf die Betroffenen», so Wyler. 

Anhand von echten Beispielkommentaren zum Thema Rassismus zeigen wir hier, warum wir gewisse Inhalte löschen, andere freischalten und warum es manchmal ganz knifflig wird, diese Entscheidung zu fällen. Zu Sensibilisierungszwecken zeigen wir oben in der Bildstrecke ausnahmsweise Äusserungen, die wir in unserer Kommentarspalte nicht veröffentlichen würden bzw. nie veröffentlicht haben. Während die Kommentare echt und so bei 20 Minuten eingegangen sind, haben wir die Namen der User*innen sowie die Kommentierdaten frei erfunden. Die fachliche Beratung machte Dina Wyler, GRA.

«Rassistische Diskriminierung umfasst mehr als das, was in der Rassismus-Strafnorm festgehalten ist», sagt Dina Wyler, Geschäftsleiterin der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA).

«Rassistische Diskriminierung umfasst mehr als das, was in der Rassismus-Strafnorm festgehalten ist», sagt Dina Wyler, Geschäftsleiterin der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA).

Privat 

Das gilt bei 20 Minuten 

Grundsätzlich werden alle Inhalte, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen, also Personen aufgrund ihrer «Rasse», Ethnie oder Religion herabsetzen oder zu Hass aufrufen, nicht publiziert. Darunter fallen abwertende oder diskriminierende Begriffe und Othering: «Othering bedeutet, jemanden zur oder zum minderwertigen Anderen zu machen, von dem man sich zum Beispiel mittels eines Online-Kommentars abgrenzt», sagt Dina Wyler. Bei 20 Minuten achten wir deshalb besonders darauf, wie ein Kommentar auf Minderheiten oder bestimmte Bevölkerungsgruppen wirken kann. Denn: «Diskriminierenden Aussagen liegt meist eine ganze Struktur an Diskriminierung zugrunde, basierend auf historischen Gegebenheiten wie Sklaverei und Kolonialismus», so Wyler. «Mit entsprechenden Kommentaren werden diese Erfahrungen wieder in Erinnerung gerufen und gesellschaftlich in der Gegenwart gefestigt und verankert.»

Mini-Glossar

Beim Othering wird jemand zum «anderen» gemacht, basierend auf (vermeintlichen) Gruppenzugehörigkeiten wie Hautfarbe, Religion oder Nationalität.

Rassismus ist die Überzeugung, dass Ethnie, Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder die Herkunft die Missachtung einer Person oder Personengruppe oder das Gefühl der Überlegenheit gegenüber einer Person oder Personengruppe rechtfertigt.

Das Stereotyp ist vereinfachende, verallgemeinernde, schematische Reduzierung einer Erfahrung, Meinung oder Vorstellung auf ein Vorurteil über sich selbst oder über andere. 

Stereotypisierung ist das Benutzen von Stereotypen bei der Beurteilung anderer Personen oder Personengruppen. 

Quellen: Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA), Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz, enzyklo.de, «The Encyclopedia of Social Psychology» (Baumeister & Vohs)

Täglich finden in unserer Kommentarspalte Hunderte von Diskussionen statt. Was ist dort eigentlich zugelassen – was ist ein No-go? In unserer Artikelserie «Wir müssen reden» beleuchten wir verschiedene Arten von Hate-Speech.

Folge 5: Rassismus 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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