Darüber singen Steiner & Madlaina: «Wie spricht man auf flirty Art einen Mann an, den man nicht kennt?»
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Darüber singen Steiner & Madlaina«Wie spricht man auf flirty Art einen Mann an, den man nicht kennt?»

Mit «Wünsch mir Glück» beweisen Nora Steiner (26) und Madlaina Pollina (24) einmal mehr ihr Songwriting-Talent. Das Zürcher Popduo erklärt die Geschichten der neuen Platte.

von
Melanie Biedermann
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Madlaina Pollina (links) und Nora Steiner haben Grund zur Freude: Am 12. Februar ist ihr neues Album erschienen.

Madlaina Pollina (links) und Nora Steiner haben Grund zur Freude: Am 12. Februar ist ihr neues Album erschienen.

Tim Wettstein
«Wünsch mir Glück» ist bereits die zweite LP des Zürcher Popduos. Das Album ist wie das Debüt «Cheers» (2018) beim international renommierten deutschen Label Glitterhouse Records erschienen.

«Wünsch mir Glück» ist bereits die zweite LP des Zürcher Popduos. Das Album ist wie das Debüt «Cheers» (2018) beim international renommierten deutschen Label Glitterhouse Records erschienen.

Irascible
Steiner & Madlaina haben längst internationale Strahlkraft.

Steiner & Madlaina haben längst internationale Strahlkraft.

Tim Wettstein

Darum gehts

  • Am Freitag hat das Zürcher Duo Steiner & Madlaina sein zweites Album «Wünsch mir Glück» releast.

  • Die zwei Musikerinnen gelten mit ihren smarten Texten und der hypnotischen Mischung aus Folk, Rock und Neue-Deutsche-Welle-Sound zu den aufregendsten Popacts der Schweiz.

  • Was inspiriert Nora Steiner (26) und Madlaina Pollina (24) zum oder beim Schreiben?

  • Hier erklären sie ihre neuen Songs – Track by Track in der Reihenfolge auf der Platte.

«Es geht mir gut»

Nora: Ich war damals super happy, frisch verliebt, hatte aber ein schlechtes Gewissen, weil man so viel machen könnte, aber gerade nur im Moment lebt. Ich hab lange gebraucht, das Liebeslied mit dem politischen Kontext der Klimadebatte zusammenzubringen.

Madlaina: Das Hin- und Hergerissensein ist ja auch ein Thema unserer Zeit.

Die Punchline: «Wie Leonce und Lena steht uns Langeweile gut.»

«Prost mein Schatz»

Madlaina: Der Text lässt wenig Raum für Interpretation: Ich war in einer Beziehung und dachte immer öfter «Ui, was, wenn es doch nicht passt?» Am Anfang verwirft man diesen Gedanken lieber schnell, aber wenn er immer wieder zurückkommt, weisst du, dass es einen Grund gibt.

Die Punchline: «Diesen Scheiss muss man ertragen, solange man Hoffnung hat.»

«Heile Welt»

Madlaina: Das war in jeder Hinsicht der schwierigste Song auf dem Album, ich habe weit über ein Jahr am Text geschrieben. Er wurde sehr pathetisch, das ist mir bewusst. Zuerst schämte ich mich dafür, aber inzwischen finde ich es wichtig, dass man sich bei manchen Themen nicht zurücknimmt.»

Die Punchline: «Damit unsere heile Welt noch eine Weile hält, halten wir uns raus.» (Wobei dieser Song eh voll ist mit Punchlines.)

«Denk was du willst»

Madlaina: Ich wollte einen Song schreiben wie «Limportante é finire» von Mina; sehr vibe-ig, sexy, sinnlich. Doch viele Leute deuteten das Wort «Zerstören» im Text als Hinweis auf eine tragische Geschichte dahinter.

Die Punchline: «Denk, was du willst, nur denk dabei an mich.»

«Und die bin ich»

Madlaina: Hier gehts um mich und dieses Bedürfnis, sich nicht mehr erklären zu müssen nimm mich, wie ich bin und komm klar. Es ist also das Gegenteil von Resignation.

Nora: Die Schwere, die viele aus dem Song hören, kommt vom Sound, nicht vom Text.

Die Schlüsselzeile: «Ich bin alleine, das heisst, mir fehlt nur eine nicht und die bin ich.»

«Wenn ich ein Junge wäre (Ich will nicht lächeln)»

Nora: Da sind einfache viele Dinge zusammengekommen, die man als Frau erlebt und die einen hässig machen. Diese Wut musste mal raus.

Madlaina: Ja, es ist so ein kurzer Ausraster, der ab und zu einfach mal gut tut. Der Sound ist bewusst sehr tanzbar, es soll klar sein, dass es kein «Ihr seid scheisse» ist, sondern ein «Kommt, wir packen das zusammen an».

Die Schlüsselzeile: «Wenn ich ein Junge wär, eine ganze Woche lang, wüsste ich, ob man Dinge schneller ändern kann.»

«So schön wie heute»

Nora: Zu der Zeit waren wir oft unter Leuten, die Monogamie in Frage stellten und für moderne Menschen als unnütz ansehen – wir haben doch oft eine ganz komische Art von Stress, die eigentlich gar kein Stress ist.

Madlaina: Es geht schon auch um grössere Themen, die unsere Generation beschäftigen, aber hier sagen wir: «Weisst du was? Nimm dich einfach nicht zu ernst, dann kommts auch gut.»

Die Punchline: «Mach dir ein Backup von den letzten 20 Jahren, denn so schön wie heute wirst du nie mehr sein.»

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«Ciao Bella»

Madlaina: Hier haben wir lange über diese komischen Anforderungen an Frauen nachgedacht, die nicht böse gemeint sind, aber einen faden Beigeschmack haben. Ein paar Jungs in unserem Umfeld fanden: «Oh Gott, das stimmt wirklich.»

Nora: Und genau darum gehts: Das Thema ist ernst, aber es war uns wieder wichtig, dass alle den Song hören können und man dann hoffentlich trotzdem und gemeinsam ein bisschen darüber lachen kann.

Die Punchline: «Oh Bella, ciao Bella, komm und mach mein Leben schöner / Oh Bella, ciao Bella, das machst du gut.»

«Klischee»

Madlaina: Da war ich in Palermo auf Familienbesuch. Ich sass alleine auf der Piazza, so gegen 15 Uhr, die Sonne schien, ich bestellte mir ein Glas Weisswein und holte aus Langeweile mein Notizbuch heraus. In dem Moment sah ich mich von aussen und fand Frieden im Klischee-Dasein.

Nora: Das ist für mich einer der humorvollsten Texte, den du je geschrieben hast.

Die Punchline: «Und wenn sich mein Freund trennt, soll ich mich freuen über Content.»

«Wünsch mir Glück»

Madlaina: Das war wahrscheinlich der erste Song, den ich geschrieben habe, der gnadenlos ehrlich ist.

Nora: Ich hab geheult, als du ihn mir zum ersten Mal vorgesungen hast. Wir dachten erst, es sei ein Teeniesong, Jugendliebe und so, aber als wir ihn zum ersten Mal live spielten, waren Leute aller Altersgruppen berührt.

Die Punchline: «Lass mich gehen und wünsch mir Glück / Du brauchst mich nicht, ich weiss, du bist noch nicht am Ziel.»

«Casanova»

Nora: Ich hab mir die Situation vorgestellt, wenn man irgendwo ist, vielleicht draussen eine Zigarette am Rauchen, und dann kommt jemand mit einem «Hallo! Du bist hier ja ganz allein» und man denkt: «Ich bin eigentlich noch gern alleine». Madlaina meinte dann: «Dreh das um.»

Madlaina: Aber wie spricht man auf flirty Art einen Mann an, den man nicht kennt? Wir haben sehr lange überlegt.

Die Punchline: «Sei nicht so, hübscher Mann.»

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