21.11.2019 16:52

Weniger Blau, mehr Weiss

Wie Stadt Bern Insekten vor dem Tod bewahren will

Der Berner Gemeinderat hat neue Richtlinien für die öffentliche Beleuchtung verabschiedet. Ein wärmeres Licht soll Mensch und Umwelt gleichermassen zugute kommen.

von
sul/miw
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Die Stadt Bern erstrahlt künftig nachts nur noch «warmweiss».

Die Stadt Bern erstrahlt künftig nachts nur noch «warmweiss».

Zorazhuang
Mit dieser Massnahme will die Stadt Insekten vor dem Tod bewahren. Vom warmweissen Licht werden insbesondere Insekten weniger stark angelockt.

Mit dieser Massnahme will die Stadt Insekten vor dem Tod bewahren. Vom warmweissen Licht werden insbesondere Insekten weniger stark angelockt.

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Insektenaugen nämlich haben eine höhere Empfindlichkeit als das menschliche Auge. Deshalb empfinden die kleinen Tiere ein Licht mit hohem Anteil an blauem viel heller – und fühlen sich davon automatisch stärker angezogen. Von einen gelb-rötlichen Anteil im Licht lassen sie sich hingegen weniger betören.

Insektenaugen nämlich haben eine höhere Empfindlichkeit als das menschliche Auge. Deshalb empfinden die kleinen Tiere ein Licht mit hohem Anteil an blauem viel heller – und fühlen sich davon automatisch stärker angezogen. Von einen gelb-rötlichen Anteil im Licht lassen sie sich hingegen weniger betören.

Keystone/Lukas Lehmann

Die Stadt Bern will sich in ein besseres Licht rücken – im wahrsten Sinne des Wortes: Künftig werden im öffentlichen Raum nur noch LED-Lampen mit warmweissem Licht und möglichst wenig Blauanteil eingesetzt.

Grund seien die positiven Auswirkungen auf Mensch, Tier und Pflanzen, teilt der Gemeinderat mit. «Für den Menschen wirkt warmweisses Licht angenehmer und blendet weniger. Tiere und Pflanzen werden in ihrem natürlichen Tag- und Nachtzyklus weniger gestört», schreibt die Stadtregierung.

Schädliches blaues Licht

Insektenaugen nämlich haben eine höhere Empfindlichkeit als das menschliche Auge. Deshalb empfinden die kleinen Tiere ein Licht mit hohem Blauanteil als viel heller – und fühlen sich davon stärker angezogen. Von einem gelb-rötlichen Anteil im Licht lassen sie sich hingegen weniger betören; damit will die Stadt also einen Beitrag gegen das Insekten-Sterben leisten.

Insektenforscher Ladislaus Reser freut sich über die Massnahme der Stadt Bern: «Jede Massnahme, die Insekten vor der Lichtverschmutzung schützt, ist begrüssenswert.» Denn für Reser ist klar: Nächtliches blaues Licht verwirrt die Flugtiere besonders – «sie werden inaktiv, orientierungslos und ihr natürliches Verhalten verändert sich.» Je «gelber» die Beleuchtung, desto besser sei es für die Insekten.

Kleinere Lichtverschmutzung und mehr Sicherheit

Doch Reser hält fest: Egal, in welcher Frequenz das Licht strahle, zu viel unnatürliche Helligkeit sei für die Tiere immer schädlich. So hat die Stadt Bern weitere Massnahmen ergriffen: Die konsequente Ausrichtung der Leuchten nach unten soll ferner unnötige Lichtemissionen nach oben und somit eine übermässige nächtliche Himmelsaufhellung verhindern.

In den neuen Richtlinien für die öffentliche Beleuchtung wird zudem klar unterschieden, wo der öffentliche Aussenraum beleuchtet werden darf und wo nicht. Dabei will die Stadt den Sicherheitsaspekt stärker berücksichtigen. So etwa durch eine gute Farbwiedergabe, die die Gesichtserkennung in der Nacht verbessert und das subjektive Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum erhöhen soll.

Mit Licht gegen Sexualstraftäter

Einen Vorläufer davon gibt es bereits auf der Berner Grossen Schanze, wo in der Vergangenheit mehrere sexuelle Straftaten passierten: Dort sorgt seit März eine «Vollmond-Stimmung» dafür, dass sich die Menschen nachts sicherer fühlen, da es vor Ort weniger schummrige Ecken gibt.

Und wann strahlt die restliche Stadt im neuen Licht? Die frisch veröffentlichten Richtlinien werden laut der Stadt nun nach und nach im Rahmen von zukünftigen Sanierungen der öffentlichen Beleuchtung umgesetzt.

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