11.02.2018 20:43

Öffentlicher DruckWie stark wackelt der Stuhl der Post-Chefin?

Soll sie bleiben oder gehen? Im Zuge der Postauto-Affäre gehen die Meinungen auseinander, ob Susanne Ruoff ihren Chef-Posten räumen soll.

von
V. Blank
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Die einen fordern ihren Rücktritt, die anderen sehen sie fest im Sattel: Susanne Ruoff, Konzernleiterin der Schweizerischen Post.

Die einen fordern ihren Rücktritt, die anderen sehen sie fest im Sattel: Susanne Ruoff, Konzernleiterin der Schweizerischen Post.

Keystone/Peter Schneider
Die Post musste das Fehlverhalten ihrer Tochtergesellschaft Postauto nach einer Untersuchung des Bundesamts für Verkehr eingestehen. Im Bild: Konzernleiterin Ruoff an der Medienkonferenz vom 6. Februar 2018.

Die Post musste das Fehlverhalten ihrer Tochtergesellschaft Postauto nach einer Untersuchung des Bundesamts für Verkehr eingestehen. Im Bild: Konzernleiterin Ruoff an der Medienkonferenz vom 6. Februar 2018.

Keystone/Peter Schneider
Die Post wird über 100 Millionen Franken zurückerstatten müssen: Ein Postauto im Goms. (22. Januar 2018)

Die Post wird über 100 Millionen Franken zurückerstatten müssen: Ein Postauto im Goms. (22. Januar 2018)

Keystone/Dominic Steinmann

Der öffentliche Druck auf Post-Chefin Susanne Ruoff wächst. Die Stimmen, die nach dem Auffliegen der Postauto-Schummeleien ihren Rücktritt fordern, werden immer lauter – auch aus dem politischen Lager. Für Ruoff ist aber klar: «Nein, ich trete nicht zurück», sagt sie in einem mehrseitigen Interview mit dem «Sonntagsblick».

Dass die Post-Chefin ihren Posten behalten kann, werde immer unwahrscheinlicher, schreibt hingegen die «SonntagsZeitung». In wenigen Tagen treffe sich der Verwaltungsrat und entscheide über Ruoffs Schicksal. Das Gremium sei gespalten und es sei fraglich, ob Ruoff noch eine Mehrheit finde. Insider gehen laut dem Bericht jetzt schon davon aus: Das wird nicht der Fall sein.

«Wie schwerwiegend müssen Verfehlungen sein?»

Ein Fragezeichen hinter Ruoffs Zukunft setzt auch Reputationsexperte Bernhard Bauhofer. Er rechnet im Gespräch mit 20 Minuten zwar nicht damit, dass die Post-Chefin zurücktreten muss – die Erfahrung zeige, dass solche Fälle meist ausgesessen werden. «Man sollte sich aber schon fragen: Wie schwerwiegend müssen Verfehlungen in einem Unternehmen eigentlich sein, damit es an der Konzernspitze Konsequenzen gibt?»

Aus Sicht der Corporate Governance sei es jedenfalls kein gutes Zeichen, sollte Ruoff bleiben – sofern ihr ein Fehlverhalten nachgewiesen werden könne. Die laufende Untersuchung ist laut Bauhofer darum die beste Vorgehensweise. «Diese sollte abschliessend klären, wie viel die Post-Chefin von den Mauscheleien bei Postauto tatsächlich wusste.»

«In die typische Krisenfalle getappt»

Der Experte bezieht sich auf die Aussage der Post-Chefin, bis November 2017 nichts von den Schummeleien bei Postauto gewusst zu haben. Der «Blick» hingegen schrieb, dass die Konzernleitung schon seit 2013 informiert war.

«Susanne Ruoff ist in die typische Krisenfalle getappt», sagt dazu Andreas Bantel, Experte für Krisenkommunikation. «Sie machte im Zuge der Postauto-Affäre im guten Glauben schon früh Aussagen, mit denen sie sich später angreifbar machte.» Damit werde der Eindruck erweckt, dass Frau Ruoff nicht die ganze Wahrheit gesagt habe – «und dieser Eindruck hat ihr enorm geschadet», so Bantel.

Dennoch sieht der Kommunikationsexperte «aus heutiger Sicht keinen sachlichen Grund» für einen Rücktritt: «Das ist ihre persönliche Entscheidung.» Er selbst halte die Post-Chefin für eine starke und überzeugende Unternehmensleiterin.

Rechtsanwältin und Compliance-Expertin Monika Roth hält Susanne Ruoff derweil nicht mehr für tragbar. «Sie hat das Vertrauen verspielt», sagt die Professorin gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag».

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