Medienkonferenz UVEK – Neue Gaskraftwerke sollen Stromengpässe auffangen

Medienkonferenz UVEKNeue Gaskraftwerke sollen Stromengpässe auffangen

Wasser, Atom, oder Sonne? Bundesrätin Simonetta Sommaruga informiert, wie die Schweiz vorgehen will, damit in Zukunft stets genügend eigene Energie für die Schweizer Bevölkerung zur Verfügung steht.

von
Newsdesk

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Donnerstag, 17.02.2022

Zusammenfassung

Der Bund will nach eigenen Angaben beim Energieausbau vorwärts machen. Auslöser dafür sind Stromimportrisiken für die Schweiz, die sich ab 2025 akzentuieren könnten. Um in Zukunft Stromengpässe zu verhindern, setzt er dabei zeitgleich auf folgende Massnahmen:

Als erste Absicherung hat der Bundesrat entschieden, bereits auf nächsten Winter eine Wasserkraftreserve einzurichten. Gegen Entgelt behalten dann Speicherkraftwerksbetreiber eine bestimmte Menge Energie zurück, die bei Bedarf abgerufen werden kann.

Als zweite Absicherung sollen zwei neue Gaskraftwerke gebaut werden. Diese sollen aber nur im Notfall Strom produzieren.

Der Bundesrat erachtet es auch als wichtig, dass die Bewilligungsverfahren für bestehende und neue Projekte für erneuerbare Energie wesentlich schneller abgewickelt werden sollen.

Weiter soll die Energieeffizienz gesteigert werden. Konkret sollen Anreize den Umstieg bei Heizsystemen fördern. Zudem sollen die Mindestanforderungen an die Effizienz von verschiedenen elektrischen Geräten erhöht werden.

Die Medienkonferenz ist beendet

Es werden keine weiteren Fragen gestellt. Lesen sie hier in Kürze eine Zusammenfassung.

Könnten Kantone und Gemeinden gegen Gaskraftwerke vorgehen?

Luginbühl attestiert, dass gewisse Kantone und Gemeinden Gesetze haben, die den Bau von neuen Gaskraftwerken verbieten könnten.

Sind die Gaskraftwerke nach den Vorgaben des Bundesrats rentabel?

Luginbühl geht davon aus, dass sich Erbauer und Betreiber finden lassen, die solche Gaskraftwerke rentabel führen können.

Wer baut die Gaskraftwerke?

Luginbühl sagt, dass diese nach Gesetz ausgeschrieben werden. Normalerweise würden diese vom Erbauer auch betrieben.

Was wäre ein Worst-Case-Zenario?

Luginbühl sagt, dass im allerschlechtesten Fall die Schweiz während Wochen mit Stromknappheit rechnen müsste.

Frage zum CO2-Ausstoss der Gaskraftwerke, wieviel wird das sein?

Luginbühl kann diese Frage so nicht beantworten. Man gehe ja davon aus, dass diese nur im Notfall laufen sollten. «Dann wären das absolute Peanuts», so Luginbühl.

Ist keine Gasreserve vorgesehen?

Hat man eine Sicherheit, dass man immer Gas importieren kann, fragt eine Journalistin. Lugin attestiert, dass die Situation um Gas angespannt sei, geht aber davon aus, dass sich diese wieder entspannt. Die Schweiz war sehr gut an den Markt angebunden. «Wir können auch das Gas im Land lagern». Man könne davon ausgehen, dass Gas erhältlich sei.

Warum ein Umweg über Gas?

Warum nicht direkt voll auf Wasserkraft setzen, fragt ein Journalist. Sommaruga erachtet ihren Fahrplan, auch schnell auf Gaskraftwerke zu setzen, nicht als Umweg. Mann wisse, dass auch Private bereit wären, in Wasserkraft zu investieren.

Warum ist es jetzt plötzlich so dringlich?

Ist die Dringlichkeit auch politisch motiviert, fragt eine Journalistin. Bundesrätin Sommaruga erklärt die Konzepte und den Fahrplan des Bundesrates. Der Auslöser sei laut der Elcom auch in der Europapolitik zu finden

Was passiert mit den Gaskraftwerken, wenn man sie nicht mehr braucht?

Die Bundesrätin beschreibt die Gaskraftwerke erneut als Absicherung.

Frage zu Gaskraftwerken

Ein Journalist äussert die Skepsis, dass neue Gaskraftwerke ständig im Einsatz sein werden. Sommaruga betont, dass diese nur bei Bedarf eingesetzt werden sollen, sie seien nur für den Notfall.

Frage zum Ausbau der Wasserkraft

Reicht der Ausbau der Wasserkraft mit 2 Terawatt-Stunden? Das sei nicht die Frage, so Sommaruga. Wichtig sei, dass vorwärts gemacht werde und die Bewilligungen für neue Projekte gesprochen würden.

Wie gross ist das Risiko, dass es so schnell gehen muss?

Sommaruga meint, die Situation sei immer wieder mal instabil. «Aber nochmal: Wir sprechen hier nur von Absicherungen für den Notfall», so die Bundesrätin. Der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse aber sowieso vorangetrieben werden.

Braucht es dafür eine Gesetzesrevision?

Sommaruga erklärt, dass auf dem Verordnungsweg die Vorhaben vorangetrieben werden können.

Keine Alternative

Technisch und ökolgisch gesehen gäbe es keine Alternative zum Gas, wenn die Kraftwerke bereits 2025/26 im Einsatz stehen sollten. Selbstverständlich müsse einberechnet werden, dass Gaskraftwerke auch Co2- ausstossen und die entsprechenden Regelungen und Abgaben eingehalten werden, so der Präsident der Elcom.

Neue Gaskraftwerke

«Es bietet sich an, die Gaskraft mit einer Wasserkraftreserve zu kombinieren», so Luginbühl. Dann müsste die Hydroreserve nicht überdimensioniert werden müsse. Die Reserven könnten Sicherheit und Unabhängigkeit bieten. Er betont nochmals, dass die geplanten Gaskraftwerke nur als Sicherheit gebaut werden. Er beziffert die Investitionskosten für die Reserve-Gaskraftwerke auf insgesamt maximal rund 700 bis 900 Millionen Franken. Falls bestehende Anlagen und Infrastrukturen genutzt werden können, könnten die Kosten tiefer liegen. Die Betriebskosten betragen 6 Millionen Franken pro Jahr.

Die Kommission hat 17 Standorte evaluiert, wo die Kraftwerke gebaut werden könnten.

Ungewisses Stromabkommen

Werner Luginbühl, Präsident der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom), erklärt, wie vorzugehen ist, sollte das Stromabkommen mit der EU nicht zu Stande kommen. Darum hat die Kommission ein Konzept erarbeitet, wie Spitzengaskraftwerke Stromlücken schliessen könnte. Anhand einer Modellsimulation zeige sich, dass eine Versorgungslücke gross ist, wenn Wasser wegen klimatischer Veränderungen und Atomstrom an der Grenze ausfallen würden.

Zusammenfassung

Sommaruga betont in einer Zusammenfassung nochmals, dass es neue Massnahmen im Bereich der erneuerbaren Energie braucht, dass es Stromspar-Massnahmen braucht und dass die Bewilligungsverfahren verkürzt werden müssen.

Die Wasserkraftreserve soll schon nächsten Winter zum Einsatz kommen, damit das Land nicht in eine unhervorsehbare Krise gerät, so Sommaruga.

Stromspar-Massnahmen

Der Bundesrat will deshalb mit verschiedenen Massnahmen Effizienzpotenziale ausschöpfen. Dazu gehört unter anderem die Erhöhung der Fördermittel für den Ersatz von Elektroheizungen oder Auflagen für die Beleuchtung von Zweckbauten. Diese Massnahmen sind mit den Kantonen zu konkretisieren. Zudem sollen die Mindestanforderungen an die Effizienz von verschiedenen elektrischen Geräten erhöht werden.

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