Games: Wie süchtig machen Computerspiele?
Aktualisiert

GamesWie süchtig machen Computerspiele?

Wie gefährlich sind Online- und Computerspiele? Ein Sozialpsychologe gibt Auskunft über Faszination und Suchtpotential.

von
Angela Meissner

Gibt es Spiele, die gefährlicher sind als andere? Von Shooter Games, die momentan im Kreuzfeuer stehen, wird behauptet, die Gewaltschwelle zu senken. Ob das allerdings wirklich so ist, ist unter Psychologen umstritten, und es gibt keine Studien dazu, die das beweisen. Online-Rollenspiele können aber einen hohen Suchtfaktor haben, was dazu führt, dass ein Spieler sehr viel Zeit darein investiert. Wie hoch die Risiken sind, Süchtig zu werden, versucht der Sozialpsychologe Niklaus Moor zu beantworten.

Wie hoch ist das Suchtpotential von Online-Spielen?

Niklaus Moor: Spiele können einen Suchtfaktor aufweisen. Rollenspiele wie World of Warcraft zum Beispiel locken mit Belohnungen in Form von Status und dem Erreichen von Zielen. Das Aufsteigen von Levels wirkt äusserst motivierend.

Ausserdem ist man in eine Gemeinschaft eingebunden, die über das Internet gepflegt wird. Viele Aufgaben im Spiel lassen sich nur in der Gruppe lösen. Das hat zur Folge, dass man auch spielt, um die anderen nicht im Stich zu lassen. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat vor wenigen Jahren rund 45`000 Schülerinnen und Schüler neunter Klassen aus Deutschland nach ihrem Spielverhalten befragt. Sie fanden heraus, dass 4.7 Prozent der Jungen gefährdet sind und 0.5 Prozent der Mädchen.

Wie erkennt man, ob jemand süchtig nach Computerspielen ist?

Anders als bei Drogen handelt es sich bei der Computerspielsucht um eine Verhaltenssucht. Nach und nach verändern Süchtige ihr Freizeitverhalten. Statt sich mit Freunden zu treffen oder Sport zu treiben, sitzen sie vor dem Computer. Ihr Denken kreist ständig um das Spiel und schliesslich ziehen sie sich mehr und mehr von Familie und Freunden zurück. Eltern sollten besonders dann aufmerksam werden, wenn ihre Kinder sich anders verhalten. Zum Beispiel wenn sich schulische Leistungen, soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten, Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten, Kommunikation sowie emotionales Erleben verändern.

Ist es nicht die Aufgabe der Eltern, eine solche «Abhängigkeit» gar nicht erst entstehen zu lassen?

Ob es jetzt Computer- oder TV-Konsum ist - keines der beiden Medien nimmt die Erziehungspflicht ab.

Was können Eltern tun?

Als Erstes muss man erwähnen, dass Spiele wie Filme eine Altersbeschränkung aufweisen. Spiele für Erwachsene sollten auch nur von diesen gespielt werden. Ausserdem ist es wichtig, den Kindern und Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit den Games beizubringen. Die Eltern sollten sich Zeit nehmen, sich die Spiele von den Kindern zeigen zu lassen, um so besser verstehen zu können, was die genau machen. Falls ein Kind Suchterscheinungen hat, dann sollte man dem Betroffenen nicht nur etwas entziehen. Attraktive Alternativen zur sinnvollen Zeitnutzung sind wichtig. Die Eltern sollten diese mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam entwickeln.

In Amerika gibt es ja schon Gameentzugs-Camps. Wird das auch in der Schweiz kommen?

Ich gehe nicht davon aus. Beim Gamen treten ja keine körperlichen Entzugserscheinungen auf. Ich glaube nicht, dass solche Camps zu einem langfristigen Erfolg führen.

Was sind positive Nebenwirkungen von Computerspielen?

Computerspiele können einerseits das dreidimensionale Vorstellungsvermögen wie auch Reaktionszeiten verbessern. Das haben kognitive Studien gezeigt. Auch das Pflegen von sozialen Kontakten online ist eigentlich als positiv anzusehen. Oft führen ja Bekanntschaften aus dem Netz zu einem Treffen im realen Leben.

Welchen Stellenwert haben mobile Spiele?

Der Stellenwert von mobilen Spielen nimmt konstant zu. Das iPhone hat einen grossen Teil dazu beigetragen. Die Leute spielen immer öfter auch unterwegs oder zu Hause auf dem mobilen Teil.

Wie schätzen Sie es ein, dass so viele Jugendliche ihre Freizeit vor und mit dem Computer verbringen?

Studien haben gezeigt, dass das Medium Internet vor allem das Medium Fernsehen ablöst. Das bedeutet, die Zeit, welche vor dem Computer verbracht wird, wäre früher vor dem Fernseher verbracht worden. Sport machen viele trotzdem. Viele Gamer spielen auch Fussball. Der Computer und das Internet sind heute ein fester Bestandteil im Leben, auch für die Schule, die Kommunikation und Freizeit. Insofern ist das nicht verwunderlich. Problematisch wird es meiner Meinung nach erst, wenn andere Aspekte des Lebens des Gamers darunter leiden.

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