Schlägertrio: «Wie Tiere haben sie ihre Beute verfolgt»
Aktualisiert

Schlägertrio«Wie Tiere haben sie ihre Beute verfolgt»

Auf offener Strasse und völlig grundlos haben drei Männer zwei Brüder mit Fäusten und Füssen zu Boden geschlagen. Einen davon bis zur Bewusstlosigkeit. Dafür sollen sie jeweils für 18 Monate ins Gefängnis.

von
Marlene Kovacs
Die drei Schläger kurz nach dem Prozess gestern in St. Gallen.

Die drei Schläger kurz nach dem Prozess gestern in St. Gallen.

«Wir wussten nicht, dass wir die beiden so schwer verletzt hatten. Das wollten wir nicht», sagte gestern der 23-jährige Angeklagte vor dem Kreisgericht St.Gallen. Zusammen mit zwei Freunden (19 und 22) musste er sich gestern wegen Angriffs, qualifizierter einfacher Körperverletzung und einfacher Körperverletzung verantworten. Dies weil sie am 28. November 2009 in St.Gallen zwei Brüder mit Fusstritten und Faustschlägen brutal zusammengeschlagen haben.

Wie die Schläger von München

Der Staatsanwalt verglich den Fall mit den drei Schlägern von München. Vor dem Studio 15 in St.Gallen hatte der 23-Jährige um 3.45 Uhr die Männer um eine Zigarette gebeten. Als einer der Brüder sagte, dass sie keine hätten, sind laut Staatsanwalt alle drei Angeklagten unvermittelt auf die beiden losgegangen. Auch als die Opfer in Richtung Bahnhof flohen, liessen die Täter nicht von ihnen ab und holten sie ein. «Wie Tiere haben sie ihre Beute verfolgt und dann wie Maschinen auf die beiden Opfer eingeschlagen», so der Staatsanwalt. Selbst als einer der Brüder am Boden lag, sollen die drei weiter auf ihn eingetreten haben, bis er bewusstlos war. Als sein Bruder versuchte ihm zu helfen, wurde auch dieser mit Fusstritten und Faustschlägen traktiert, bis er am Boden lag. Erst als ein Auto anhielt, weil einer der vier Insassen seinen Lehrer als Opfer erkannte, haben die teilweise bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten die Flucht ergriffen.

Posttraumatische Belastungsstörungen

«Es handelt sich um eine völlig sinnlose und sehr brutale Tat», sagte der Staatsanwalt vor Gericht. Die Brüder erlitten diverse Prellungen und Schürfwunden. Einem Opfer wurden beide Handgelenke gebrochen. Der zweite Mann hat seither einen Tinnitus. Beide leiden heute noch unter postraumatischen Belastungsstörungen. Nicht zuletzt wegen der Schwere der Verletzungen, forderte der Staatsanwalt für die Angeklagen jeweils 36 Monate Freiheitsstrafe, davon 18 Monate unbedingt.

«Das Dümmste, das ich je gemacht habe»

Die Angeklagten selbst beschrieben einige Details zur Tat anders, zeigten sich aber im Grossen und Ganzen geständig und reuig. «Das war das Dümmste, das ich je gemacht habe», so der 23-Jährige. Der 19-Jährige entschuldigte sich sogar persönlich vor Gericht bei den Opfern, die bei der Verhandlung anwesend waren.

Die Verteidiger forderten bedingte Freiheitsstrafen zwischen 14 und 16 Monaten. Das Urteil steht noch aus.

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